Come back, Commandos: Darum ist es Zeit, den Taktik-Klassiker zurückzubringen

Alexander Gehlsdorf 1

In der Reihe „Come Back…!“ stellen wir jede Woche einen Klassiker der Videospiel-Geschichte vor, den wir uns zurückwünschen. Diese Woche erinnere ich mich an die großartigen Commandos-Spiele. Was machte sie so einzigartig, was fasziniert mich noch heute daran und warum ist die Serie seit über zehn Jahren verschwunden?

Commandos 2 - Men of Courage - Trailer.
Im Juni 1998 hob der spanische Entwickler Pyro Studios aus dem Nichts ein ganzes Genre aus der Taufe. In Commandos: Behind Enemy Lines galt es, ein kleines Team von Spezialisten hinter feindlichen, deutschen Linien zu kommandieren, um so den Erfolg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg sicherzustellen. In Echtzeit.

Das wohl bekannteste Feature der Commandos-Spiele sind die Sichtkegel der Gegner. Statt mit gezogenen Waffen die Karte zu säubern, war überlegtes Vorgehen das Gebot der Stunde. Hier einen Gegner mit dem Signalsender abgelenkt, dort von hinten einen Gegner lautlos mit dem Messer beseitigt und danach schnell die Leiche versteckt. Einmal ausgelöster Alarm bedeutete für Gewöhnlich das Ende der Mission, häufiges Neuladen war Pflicht. Somit glich das Spielgefühl von Commandos am ehesten einem Puzzle. Probieren, Scheiten, neu Probieren, an anderer Stelle neu Ansetzen, Probieren, Neuladen, Erfolg, nächstes Teil.

Mancher beschreibt Commandos gern als masochsitische Geduldsprobe, für mich hatte die Reihe hingegen sogar etwa entspannendes. Stundenlang habe ich mich in die unzähligen Einsätze vertieft, geknobelt, viele kleine Erfolge gefeiert und von Stunde zu Stunde meinen Fortschritt verfolgen können. Manchmal war ein gute Koordination und Planung notwendig, denn die Bewegungsmuster der Wachen erlaubten nur einen Zeitraum von wenigen Sekunden, in denen ich unbemerkt von Deckung zu Deckung spurten konnte. An anderen Situationen habe ich mir gefühlte Ewigkeiten die Zähne ausgebissen, nur um sie mit einem anderen Charakter auf Anhieb zu schaffen. Den richtigen Weg, das richtige Werkzeug, den richtigen Charakter, das richtige Timing und die richtige Kombination für die zahlreichen kleinen Herausforderungen zu finden, daran lag die große Faszination von Commandos.

Come Back, Secrets of Mana - Ein Rückblick auf den SNES-Klassiker*

Nach einer gelungenen Erweiterung erreichte die Reihe ihren Höhepunkt für mich mit Commandos 2: Men of Courage. Die Komplexität wurde stark erhöht, es standen mehr Charaktere zu Auswahl, mehr Waffen und Gegenstände ließen sich benutzen, ich konnte Nebenmissionen freischalten, die Karte in 90-Grad-Schritten drehen, Innenräume betreten und auch der Soundtrack hat sich unwiderruflich in meinen Hinterkopf gebrannt. Noch heute findet Teil Zwei immer mal wieder spontan seinen Weg auf meine Festplatte, während mein Pile-of-Shame mich vorwurfsvoll anstarrt.

Teil Drei war hingegen ein eher zweischneidiges Schwert. Anders als die Vorgänger konnte ich darin aus zwei voneinander unabhängigen Kampagnen wählen, einer russischen und einer amerikanischen. Die russische spielte sich wie gehabt, mit allen Stärken und Tugenden der Reihe und einer gelungenen Abschlussmission in Berlin, allerdings deutlich kürzer. Die amerikanische Kampagne setzte hingegen auf viel mehr Action und vor allem Zeitlimits. Was war aus meinen entspannenden Puzzeln und Knobeleien geworden? Echtes Commandos-Gefühl wollte in der amerikanischen Kampagne jedenfalls nicht aufkommen. Auch das eigenwillige Spin-Off Commandos: Strike Force verzichtete auf die Tugenden der alten Teile und warf die Echtzeit-Taktik zugunsten eines mittelmäßigen Ego-Shooters über Bord. Danke, nein.

Commandos im antiken Japan - Shadow Tactics im Test*

Auch wenn sich der Niedergang der Reihe mit Teil Drei bereits angekündigt hat, war das überflüssige Commandos: Strike Force der finale Sargnagel der Serie. Die Popularität der Reihe, insbesondere in ihren Anfangsjahren, inspirierte allerdings so manchen Nachahmer. Der erfolgreichste Genre-Konkurrent ist die ebenfalls fantastische Desperados-Reihe, die für manchen Fan mindestens auf Augenhöhe mit dem Original steht. Auch mehr oder minder naheliegende Lizenz-Adaptionen wie Robin Hood: Die Legende von Sherwood oder Stark Trek: Away Team schafften es in Regale und auf Festplatten. Trotzdem ist das Genre seit über zehn Jahren praktisch verschwunden. Oder etwa nicht? Im Dezember 2016 erkannte der deutsche Entwickler Mimimi Productions die Marktlücke und veröffentlichte das großartige Shadow Tactics: Blades of the Shogun, das originalgetreu die Faszination und das Spielgefühl eines Commandos 2 einfangen konnte und über Nacht die Steam-Verkaufcharts stürmte. Wäre es da nicht auch an der Zeit für ein offizielles Commandos 4?

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