Come back, Spyro: Mein Gaming-Lehrmeister!

Michael Sonntag 1

Wenn ich das Tuum, die Sprache der Drachen aus Skyrim, beherrschte, wüsste ich, was ich als erstes damit tun würde. Meinen lilanen und kleptomanischen Freund aus der Kindheit zurückrufen!

Es war einmal ein neunjähriger Nerd, der zu seiner Kommunion eine PlayStation 1 und drei Spiele geschenkt bekommen hat. Bei den Spielen handelte es sich um Tomb Raider 2, Crash Bandicoot 3 und Spyro The Dragon. Während er schon am Villa-Tutorial der Grabräuberin scheiterte und auch die sportliche Beutelratte nicht zu bändigen wusste, kam er mit dem lila Drachen in Taschenformat deutlich besser klar.

Woran das lag, kann er heute nicht mehr sagen. Vielleicht war es die niedliche Aufmachung der Welt, vielleicht auch die leichten Gegner oder die relativ freie Spielweise. Keine Ahnung. Aber wenn es heute der voll ausgewachsene Nerd bei The Evil Within mit zwei Wächtern gleichzeitig aufnimmt, erinnert er sich in mancher Nachladepause lächelnd daran, welcher kleine Drache ihm einst das Laufen und Angreifen in Videospielen beigebracht hat.

Mit diesen einleitenden Worten heiße ich dich im Drachenreich willkommen:

Der erste Teil - Etwas steif, aber unterschätzt

Der golden gepanzerte Gnasty Gnorc hat Spyros Drachenclan in Kristallstatuen verwandelt und sämtliche ihrer Schätze gestohlen. Als Waise macht er sich nun auf die Mission, seine 80 Artgenossen zu befreien, die 12.000 Juwelen zurückzuholen und den Bösewicht, seine Schergen und deren Armeen aufzuhalten. Und das ist keine einfache Aufgabe, gerade wenn das Drachenreich aus sechs verschiedenen Welten mit insgesamt 29 Leveln besteht.

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Und was die Architektur der Level angeht - Mensch! - Da haben sich die Entwickler von Insomniac Games richtig ausgetobt! Ritterburgen mit grünen Parkanlagen, napoleanische Schlachten in Canyons, Mamor-Städte in den Wolken, Zaubererakademien in den Sümpfen, eine Orc-Waffenfabrik und natürlich zum Schluss die Cyberpunk-Arena, in der du dich mit Gnasty Gnorc duellierst. Die Entwickler verstehen ihr Handwerk, wenn es um Spielwelten geht, was ich auch immer bei ihrer Ratchet & Clank-Reihe feststellen muss.

Das ist das zum Beispiel das Level Lofty Castle, in der dich Feen mit ihren Küssen unverwundbar gegenüber Feinden machen:

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Spielerisch kann Spyro in diesem Teil nur laufen, springen, ein bisschen Feuer pusten und mit seinen Flügeln schweben. Was das richtige Fliegen angeht, verhält es sich wie mit Buzz Lightyear: Du kannst es nur unter bestimmten Umständen. Und in bestimmten Leveln. Dort verlor ich mich dank der Geschwindigkeit oft in einem Rausch der Freiheit.

In den Flug-Leveln geht es darum, in einer bestimmten Zeit eine Anzahl von Objekten zu treffen:

Und manchmal habe ich diese Flug-Situationen intensiver gesucht als die Schätze, um die es hier eigentlich geht. Denn nur mit einer bestimmten Anzahl von ihnen kommst du durch bestimmte Portale und Tore. Bis ich das Spiel zu 120 Prozent durchgespielt habe, hat es insgesamt sieben Jahre gedauert. Selbstverständlich nicht am Stück, immer mal wieder.

Es gab vor kurzem mal Gerüchte über ein mögliches HD-Remake des ersten Teils. Das sähe auf jeden Fall wunderschön aus:

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Die Musik war fantastisch, die Sammelaufgabe dennoch etwas frustrierend. Das Gameplay gestaltete sich einfach und sehr unterhaltsam, wohingegen die Welten bis auf das Design und die Gegner etwas karg ausfielen. Spyro the Dragon erschien am 23. Oktober 1998 für die PlayStation 1. Nichtsdestotrotz wusste ich, dass da noch mehr kommen wird und ich hatte recht.

Der zweite Teil - Cooler, aber ausbaufähig

Die Credits der Spyro-Spiele eignen sich auch gut als Einführungen, da sie Kamerafahrten durch die Spielwelt zeigen:

Wieder einmal erobert ein böser Tyrann eine Welt und stiehlt allerhand wichtigen Kram, in diesem Fall ist es Fürst Ripto, das Reich Avelar und der Kram sind Talismane. Endlich ist Spyro aber nicht mehr ganz allein, sondern ihm stehen ein Maulwurf-Professor, ein Faun und ein Gepard zur Seite. Die drei Hauptwelten von Avelar sind dabei den Jahreszeiten nachempfunden und beherbergen 26 kleinere Welten.

Das ist Herbstfeld, die zweite Hauptwelt, in der du auf beiden Seiten eines Krieges zwischen Möwen und Blubbern kämpfen musst:

Spyro

Die Zahl der dieses Mal zu stibitzenden Edelsteine beträgt 10.000. Für ein bisschen Trainingsgeld kann Spyro von einem geizigen Smoking-Bär Fähigkeiten wie Schwimmen, Klettern und Kopfnüsse erlernen. Außerdem erinnere ich mich daran, dass du in jeder Welt die Konflikte der Bewohner lösen musstest, die mit einer lustigen Intro- und Outro-Sequenz präsentiert wurden.

Hier siehst du das Outro des Colossus-Levels, in welchem die Mönche ihre friedlichen Studien fortsetzen können, nachdem ich sie von einem Yeti erlöst habe:

Die Boss-Kämpfe waren intensiver und die Welten ausgefallener, was die Figuren und ihren Lebensweisen angeht. Zuletzt zog der Soundtrack den Spieler noch stärker aus der Realität. All die Phantasie und Liebe für den Spieler flossen abschließend in ein Urlaubslevel mit Vergnügungspark, in das sich Spyro verdienterweise aufmachen darf, nachdem er den letzten Endboss besiegt hat. Und nachdem er die nötigen Schätze für den Eintritt parat hat, versteht sich. Spyro: Gateway to Glimmer erschien am 5. November 1999 für die PlayStation 1.

Der dritte Teil - Vollendet, kein Aber

Wie befriedigend die Buchstaben im Abspann immer auseinanderhüpften! Die Kamerafahrt empfand ich manchmal entlohnender als die Aufnahme meiner Pokémon in die Ruhmeshalle.

Spyro 3: The Year of the Dragon erschien am 10. November 2000. Es war der Teil, der mir am meisten an die Substanz ging. Du kannst den Drachen alles wegnehmen, ihre Schätze, ihre Welten, aber nicht ihre Dracheneier! Um den heranreifenden Nachwuchs aus den Klauen einer bösen Zauberin zu befreien, brichst du in die vergessenen Welten auf. Dort befreist du im Laufe des Abenteuers ein Känguru, einen Pinguin, einen Yeti und einen Affen, die dir nicht nur als Verbündete, sondern als spielbare Charaktere im Kampf zur Seite stehen.

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Nicht nur neue Charaktere, sondern auch viele neue Gadgets und Mechaniken vollenden das Gameplay. Jetzt kann Spyro Snowboard, Boot und Panzer fahren. Hinzu kommt das epischste Transportmittel überhaupt: Das SKATEBOARD!

Ach, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! In diesem Spiel gibt es traumhafte Welten wie eine Hipster-Wolkenstadt, eine Feuerwerksfabrik oder eine Strandlangune. Charaktere wie Karate-Hänsel und Gretel, einen schießwütigen Affen und einen wortgewandten Yeti. Und einen Endkampf, der sich über eine ganze, zusätzliche Turnier-Welt zieht. Nein, dieser Teil hat alles perfekt gemacht und schließt die klassische Trilogie mit einem würdigen Finale ab.

Spyro

Auf dass mein Come back-Ruf endgültig dein HD-Remake heraufbeschwört! Fus-Spy-HD! Der letzte Teil liegt jetzt 17 Jahre zurück. Zwar gab es in den letzten Jahren ein paar Fortsetzungen, die aber wirklich nicht nennenswert waren oder den alten Charme von damals nicht zurückholen konnten.

Was die Welten angeht, die Figuren, das Gameplay, den Soundtrack, die Minispiele, den Humor, die freie Spielweise und die aufwendige Sammelmission - das war eine perfekte und vergessliche Mischung, die nur fortgesetzt werden oder im neuen Grafik-Gewand erscheinen müsste. Außer der verwandten Ratchet & Clank-Reihe fällt mir keine passende Alternative ein. Daher kann ich nur Danke für die schöne Zeit sagen und vielleicht bis bald!

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