DSGVO deckt Skandal auf: Fußball-Fans heimlich per Smartphone-App abgehört

Simon Stich

Wie jetzt bekannt wurde, hört die offizielle Smartphone-App der spanischen Fußball-Liga die eigenen Fans ab. So sollen unlizenzierte Übertragungen gefunden werden. Ohne die DSGVO wäre der Skandal wohl nie aufgeflogen.

DSGVO deckt Skandal auf: Fußball-Fans heimlich per Smartphone-App abgehört
Bildquelle: La LIga.

Spanien: Fans per App als Spione missbraucht

Die offizielle App der spanischen Liga Nacional de Fútbol Profesional soll eigentlich über Neuigkeiten und Ergebnisse der „La Liga“ informieren. Wie sich jetzt herausstellt, kann die App noch viel mehr – ohne es dem Nutzer zu sagen. Während der Ligaspiele wird heimlich das Mikrofon aktiviert. Eine Benachrichtigung darüber gibt es nicht. Die spanische Fußball-Liga möchte so nicht lizenzierte Übertragungen der Spiele ausfindig machen. Gekoppelt mit der GPS-Funktion des Smartphones erhoffen sich die Betreiber, Informationen zum Beispiel über Bars zu erhalten, in denen die Spiele ohne offizielle Lizenz gezeigt werden. Ist dies der Fall, wird automatisiert Alarm geschlagen und „La Liga“ kann gegen Barbesitzer rechtlich vorgehen. Nach eigenen Angaben entstehen dem Ligaverband Verluste von 150 Millionen Euro pro Jahr durch nicht lizenzierte Übertragungen der Spiele.

Dass die App überhaupt Fans ausspioniert, ist nur über die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union ans Licht gekommen. In der alten Datenschutzerklärung der App wurde lediglich darauf hingewiesen, dass „Publikumsanalysen“ durchgeführt werden. Erst die aktualisierte Erklärung weist explizit auf die Betrugsfahndung hin. Wie lange Fans bereits ausgehorcht werden, ist unklar.

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Millionen Fans ausspioniert?

Die offizielle App von „La Liga“ ist bei spanischen Nutzern recht beliebt. Im Play Store von Google wurde die App mehr als zehn Millionen mal heruntergeladen und steht dort auch weiterhin zur Verfügung. In den Bewertungen hat sich die Spionage noch nicht bemerkbar gemacht. Eine Berechtigung zum Zugriff auf das Mikrofon ist für die Nutzung der App unter Android und iOS nicht zwingend erforderlich, wird aber ausdrücklich gewünscht. Der spanischen Liga zufolge werden lediglich „Audiofragmente“ aufgenommen und in einen Code umgewandelt. Ein nachträgliches Anhören soll nicht möglich sein. Über das genaue Ausmaß der Spionage wurden bislang keine Angaben gemacht.

Quelle: El País (Spanisch) via heise online

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