Denkanstoß: Darum solltet ihr dem Datenschutz mehr Beachtung schenken – Leserartikel

Robert Kohlick 2

Egal ob Apple, Google oder eure Krankenkasse – alle sammeln Daten über euch, um daraus Bewegungsprofile zu erstellen, eure Interessen abzuleiten oder euren Gesundheitszustand zu protokollieren. Das sollte man nicht willenlos hinnehmen und stattdessen dem eigenen Datenschutz mehr Beachtung schenken, meint zumindest einer unserer Leser.   

Denkanstoß: Darum solltet ihr dem Datenschutz mehr Beachtung schenken – Leserartikel
Bildquelle: Getty Images / NicoElNino.

Vor einigen Wochen habe ich eine Kolumne verfasst, in welcher ich mich mit personalisierter Werbung auseinandergesetzt habe. In meinen Augen hat die Datensammelwut von Google, Amazon und Co. durchaus seinen Nutzen. Ein paar Tage danach trudelte eine Mail eines Lesers in mein Postfach, der den Artikel durchgelesen hat und mir in seinem Schreiben einen anderen Blickwinkel auf das Thema darbot, was bei mir zu einigen Denkanstößen führte.

Der folgende Text stammt von genau diesem Leser, der anonym bleiben möchte, und wurde redaktionell nur leicht überarbeitet, um die Lesbarkeit zu verbessern:

Datenfluss: Wo kommen meine Daten her? Wo gehen sie hin?

In Deutschland haben wir noch gewisse Vorbehalte gegenüber dem Sammeln von Daten über uns. Es ist uns nicht ganz geheuer, wenn auf einmal genau das beworben wird, wofür wir uns interessieren. Ich persönlich empfinde personalisierte Werbung – für sich allein genommen – nicht als störend oder beängstigend.

Allerdings sollte die Frage sein: Woher kommen diese Daten überhaupt? Es ist eine Sache, wenn ich willentlich Information über mich preisgebe, eine ganz andere, wenn mir nicht klar ist, dass gerade mein Smartphone oder PC Infos über mich mittels Mikrofon sammelt.

Diesen Abfluss meiner Daten kann ich kaum noch steuern, weil ständig der nächste Konzern mithört und vermeintlich weiß, was ich will. Dabei könnte es sich bei meinen Formulierungen ggf. um einen Scherz handeln, wenn ich zum Beispiel sarkastisch sage: „Ich interessiere mich brennend dafür, wie ich meinen Zucker-Spiegel senken kann!“, während ich ein Stück Kuchen esse.

Es geht hier also um Falsch-Erkennung von Informationen, da der Algorithmus nicht zwischen ernstgemeinten und sarkastischen Formulierungen unterscheiden kann.

Die Filterblase: Wenn die eigene Welt anfängt, immer kleiner zu werden

Je mehr Daten über uns gesammelt werden, desto präziser können Facebook, Twitter und andere Plattformen unseren Feed auf unsere persönlichen Interessen zuschneiden – eine Filterblase entsteht. Das heißt, dass Menschen Vorschläge auf Basis ihres bisherigen Verhaltens oder das einer Gruppe, in die das einzelne Individuum einsortiert wird, bekommen.

Das hat den Nachteil, dass die Erweiterung des eigenen Horizonts gehemmt wird, weil keine Informationen außerhalb dieser Gruppe – und sei das auch nur Werbung – an den Einzelnen herankommt. Eine Veränderung schlechter Angewohnheiten, beispielsweise das Essen gesunder statt zu fettiger Lebensmittel, wird so erschwert.

Es kommt zur Verallgemeinerung des Einzelnen und den Aufbau von Filterblasen.

Falsche Verknüpfung von Informationen: Der Algorithmus ist nicht unfehlbar

Des Weiteren möchte ich auf einen weiteren wichtigen Aspekt eingehen – Metadaten und die Verknüpfung von Informationen. Für sich genommen ist zum Beispiel die Information, dass ich gerne Mohnkuchen esse, harmlos. Nun aber verknüpfe ich diese Information mit meinem Musikgeschmack und den aktuellen Wetterdaten und zeichne daraus folgende Fiktion:

Es lässt sich erkennen, dass ich abends gern zur Melancholie neige, weil das Wetter nun mal schlecht ist, ich nicht unterwegs bin, deprimierende Musik Zuhause läuft und ich erst kürzlich Mohnkuchen gekauft habe – eine Information, die der Algorightmus anhand der Metainformationen aus meinem Bewegungsprofil berechnet hat. Für die Krankenkasse ist diese Information sehr viel wert, weil sie so identifizieren könnte, dass ich zur Depression neige.

Hier wird es problematisch. An diesem Punkt werden Annahmen über mich aufgestellt, die aus Informationen stammen, welche einzeln betrachtet vollkommen harmlos sind. Des Weiteren kann es sein, dass ein paar dieser Informationen schlichtweg nicht stimmen oder ich sie nicht in den Händen Dritter wissen will – der Algorithmus ist schließlich nicht unfehlbar.

Aus einer Kombination von Metainformationen und bestehenden Daten werden neue Informationen über uns aus der Luft gezaubert.

Google, Amazon und Co: Wie sicher sind meine Daten bei euch wirklich?

Wer garantiert mir, dass das Unternehmen keinen Mist mit meinen Daten baut und sie veräußert oder gar gestohlen werden? Klar, ich kann, sollte es zu einem Missbrauch kommen, klagen und es gibt Strafen. Aber wer sagt, dass ich den Missbrauch überhaupt mitbekomme?

Außerdem könnten ja auch anonymisierte Informationen verkauft werden, die dann dazu dienen, die Algorithmen anderer Firmen zu trainieren – zum Beispiel die meiner Krankenkasse. Ich habe also faktisch keine Hoheit über meine Informationen, weil ich nicht weiß, was das Unternehmen, dem ich sie anvertraue, wirklich damit anstellt.

Bilderstrecke starten
16 Bilder
Datenschutz bei GIGA: Das sind die Tipps der Redaktion.

Es braucht Regeln und Transparenz im Umgang mit personenbezogenen Daten. Es muss für Unternehmen verpflichtend sein offenzulegen, wie diese Daten verarbeitet werden und womit die Wertschöpfung, insbesondere die finanzielle, zustande kommt. Hier ist letzten Endes der Gesetzgeber gefragt.

Anmerkung: Die in diesem Gast-Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA TECH

  • Samsung Galaxy Watch Active im Hands-On-Video: Smartwatch für Sportbegeisterte

    Samsung Galaxy Watch Active im Hands-On-Video: Smartwatch für Sportbegeisterte

    Passend zum Galaxy S10 hat Samsung auch eine neue Smartwatch in petto: die Galaxy Watch Active. Dem Namen entsprechend richtet sich die intelligente Uhr vor allem an Sportbegeisterte. Auf ein heiß geliebtes Feature bisheriger Samsung-Smartwatches müssen Käufer allerdings verzichten, wie Kollege Frank im Hands-On-Video zeigt. 
    Kaan Gürayer
  • Samsung Galaxy S10 5G angekündigt: Ist das schon die Zukunft?

    Samsung Galaxy S10 5G angekündigt: Ist das schon die Zukunft?

    Nach Jahren des Wartens nimmt das Buzzword 5G 2019 Gestalt an. Samsung bringt eine Galaxy-S10-Variante auf den Markt, die den neuen Datenstandard unterstützt. Die 5G-Kompatibilität ist aber nicht das einzige Merkmal, welches das Galaxy S10 5G von seinen Schwestermodellen unterscheidet.
    Frank Ritter
* gesponsorter Link