DSGVO: Was euch die Regelung bringt und wo sie versagt

Stefan Bubeck 3

Das Recht auf Datenmitnahme ist von der Idee her logisch: Wenn ihr von einem Dienst zu einem anderen Dienst umziehen wollt – etwa vom Musikstreamingdienst Spotify zum Konkurrenten Apple Music – dann sollte das problemlos möglich sein. Die DSGVO sorgt also für „Daten-Portabilität“: Wer etwa dutzende Playlists erstellt hat, kann sie alle herunterladen (exportieren) und beim neuen Anbieter hochladen (importieren). Dazu hat jeder Nutzer das Recht seine Daten „in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten“.

Beim zweiten Schritt liegt aktuell das Problem, denn man kommt zwar (in immer mehr Fällen) an solche Daten heran – aber dann kann man sie nicht woanders weiterverwenden.

Von Spotify zu Apple Music umziehen – das bleibt kompliziert

Zwar lassen sich die Daten bei Spotify anfordern – man erhält dann eine JSON-Datei – aber die ist in der Praxis nutzlos. Denn bei Apple Music (aber auch bei Google Play Music) gibt es keine Importmöglichkeit für diese Daten (egal welches Format). Das ist einfach technisch nicht umgesetzt und allem Anschein nach auch nicht vorgesehen. Zum einen ist Apples „Walled Garden“ ein geschlossenes Ökosystem, bei dem möglichst wenig von außen eindringen soll, zum anderen werden die Anbieter seitens der DSGVO nicht explizit dazu gezwungen, solche Importmöglichkeiten bereitzustellen. Ergebnis: Download ja, Upload nein.

Der deutsche IT-Branchenverband Bitkom kommentiert diese Situation und meint, dass „gemeinsame Standards und interoperable Systeme erst noch geschaffen werden“ müssten, die eine leichte Ausübung des Rechts für den Betroffenen ermöglichen. Der Journalist Thomas Heuzeroth (Die Welt) fasst zusammen: „Keiner der größeren Musikstreaming-Dienste bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, Daten von anderen Anbietern zu importieren.“ Mit anderen Worten: Playlists müssen im genannten Beispiel weiterhin manuell übertragen werden – damit ist man als Nutzer, je nach Sammlung, stunden- oder sogar tagelang beschäftigt.

Ob sich alle Unternehmen zeitnah auf einen Format-Standard einigen, das darf bezweifelt werden. Bis hier eine Lösung gefunden und umgesetzt wird, bleibt das „Recht auf Datenmitnahme“ einer der Schwachpunkte der DSGVO. Frei nach dem Songtitel einer deutschen Indie-Rockband: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“

Quellen: Digitale Gesellschaft e.V., Handelsblatt, FAZ, NDR, BMWI, DSGVO (PDF), Bitkom (PDF), Gründerszene/Welt

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