Andromium: Kickstarter-Projekt will Smartphone per Docking-Station in Desktop-PC wandeln – mitsamt passender Software

Lukas Funk 6

Das Kickstarter-Projekt Andromium verspricht als Kombination von App und Docking-Station jeden Bildschirm mithilfe des Smartphones in einen Desktop-PC zu verwandeln. Das Unterfangen tritt damit in die Fußstapfen des Motorola Atrix Lapdock und von Ubuntu for Android.

Andromium: Kickstarter-Projekt will Smartphone per Docking-Station in Desktop-PC wandeln – mitsamt passender Software

Moderne Smartphones bieten mit ihren Mehrkerprozessoren mit Taktraten bis zu 2,7 GHz und 2 GB oder mehr RAM mehr Rechenleistung als so mancher Office-Rechner. Die Idee liegt also nahe, das Smartphone mit einem großen Bildschirm zu koppeln, Maus und Tastatur anzuschließen und als Desktop-Rechner zu benutzen.

Genau dies hat das Team von Andromium im Sinn, unter dessen Mitgliedern sich auch Ex-Googler Gordon Zheng findet und das derzeit auf Kickstarter nach Investoren sucht. Mittels eines USB-Docks soll dabei das Video- und Audio-Signal des Smartphones auf einen Bildschirm oder Fernseher übertragen werden. Zusätzliche USB-Ausgänge am Dock erlauben das Koppeln weiterer Peripheriegeräte wie Boxen und kabelgebundene Mäuse und Tastaturen.

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Doch das Dock selbst ist nur die halbe Miete: Bekanntermaßen ist Android für die Touch-Eingabe optimiert, weshalb ein spezieller Launcher, der sich an Windows 7 und OS X orientiert, für waschechtes Desktop-Feeling sorgen soll. Dies beinhaltet unter anderem Features wie überlappende Fenster und echtes Multitasking. Doch auch im Desktop-Betrieb läuft das Smartphone im Hintergrund: Android-Apps können im Vollbild auf Andromium OS geöffnet werden, Anrufe werden auch weiterhin durchgestellt. Dass es sich dabei um mehr als den Wunschtraum einiger Nerds handelt zeigt dieses Demo-Video eines Andromium-Prototypen:

Neu ist die Idee indes nicht. Im Jahr 2011 versuchte Motorola mit dem Lapdock das Motorola Atrix in ein Netbook zu verwandeln, scheiterte aber an der damals noch zu schwachen Hardware. Auch Canonical hatte mit Ubuntu for Android und dem ambitionierten – aber nie umgesetzten – Ubuntu Edge ähnliche Pläne, die aber zugunsten von Ubuntu Touch aufgegeben wurden. Und schließlich hat auch Samsung ein entsprechendes Dock für das Galaxy Note 2 im Programm.

Ursprünglich war Andromium lediglich für die Samsung Galaxy S- und Galaxy Note-Familie geplant. Nachdem das Projekt durch Berichte von einschlägigen Publikationen aber Wind aufnahm, wurden Umsetzungen unter anderem für Nexus 4, 5 und 7, HTC One (M7 und M8) sowie Tablets verschiedener Größen angekündigt. Da diese Geräte allerdings über USB-Schnittstellen mit verschiedenen Standards verfügen, werden jeweils auch unterschiedliche Docks benötigt.

In unserer Redaktion sind wir derweil uneins über den Nutzen des Projekts. Einerseits besteht die Hoffnung, dass Smartphones mit Dock tatsächlich zumindest einfache Office-Desktops ablösen könnten und im Gegensatz zu diesen dank Google Play-Anbindung und flotter Hardware auch das Spielen ermöglichen – dass man seine Daten unabhängig von Cloud-Anbietern zusätzlich auf Smartphone und (Quasi-)PC immer dabei hat, ist ein weiterer Vorteil. Andererseits wird es vermutlich schwer sein, ein so ungewöhnliches Konzept in der breiten Masse durchzusetzen, zumal die Hardware, die durch Andromium redundant gemacht werden soll, auf den Schreibtischen der meisten schon vorhanden ist.

Gerne lassen wir uns aber eines Besseren belehren – wir sind gespannt auf den weiteren Verlauf des Projekts. Wer selbst einsteigen möchte: Die Unterstützung beginnt bei 2 US-Dollar, ab 29 US-Dollar erhalten Unterstützer ein Exemplar des Docks und einen Key für Andromium OS als Play Store-Download.

Quelle: Andromium bei Kickstarter [via Android Community]

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