Zu langsam: Internetzugänge halten nicht ein, was der Vertrag verspricht

Stefan Bubeck 1

Der Jahresbericht „Breit­band­mes­sung 2015/2016“ der Bundesnetzagentur beweist: Die von Internetprovidern versprochenen Datenraten werden flächendeckend nicht erreicht.

Zu langsam: Internetzugänge halten nicht ein, was der Vertrag verspricht
Bildquelle: Magicmockups / Pixabay.

Du hast zwar einen Internet-Anschluss mit 100 Mbit/s gebucht, aber wenn du abends am Rechner sitzt, bist du froh, wenn wenigstens der Netflix-Stream stabil läuft? Dann bist du nicht allein.

Am 25. September 2015 startete die Bundesnetzagentur ihre Breitbandmessung für Endkunden, nun ist ein 188-seitiger Bericht erschienen, der die Situation bezüglich der Geschwindigkeit von Internetzugängen zusammenfasst. Wer als Kunde ins Detail gehen möchte, dem steht auf einer Webseite der Bundesnetzagentur eine Deutschlandkarte zur Verfügung, die gemessene Werte aufgeschlüsselt nach Anbieter anzeigt. Dem Bericht liegen die Messwerte von 106.159 stationären und 53.651 mobilen Breitbandanschlüssen zu Grunde, die Messungen erfolgten zwischen September 2015 und September 2016.

Breitbandanschlüsse in Deutschland: Starker Abfall der Leistung zur abendlichen Peak-Zeit

„Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erhielten im Download 70,8% der Nutzer mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate; bei 12,4% der Nutzer wurde diese voll erreicht oder überschritten,“ so der erste Satz der Zusammenfassung des Berichts. Was auf den ersten Blick positiv erscheint, zeigt in Wahrheit, dass Endkunden vielerorts nicht die maximale Datenübertragungsleistung erhalten, die vertraglich vereinbart wurde. Andersrum formuliert: Nur jeder achte Kunde bekommt tatsächlich das, was ihm in der Werbung versprochen wurde.

Wer sich selbst als Technikenthusiast bezeichnet, greift nicht selten zu einem superschnellen (Kabel-)Anschluss mit Datenraten jenseits der 200 Mbit/s – zumindest, wenn es am Wohnort überhaupt angeboten wird. Zu diesen Anschlüssen der „Bandbreiteklasse 7“ (200 Mbit/s bis kleiner 500 Mbit/s) stellt die Bundesnetzagentur fest, dass die Leistung im Tagesverlauf schwankt und in den abendlichen Peak-Zeiten stark abfällt.

Ein Umstand, den wir aus eigener Erfahrung bestätigen können und den die Anbieter auch einräumen: „In Berlin haben wir bei VDSL grundsätzlich keine Störungen und auch ausreichende Kapazitäten. Allerdings kann es aufgrund der intensiven Nutzung von VDSL zeitweilig in den Abendstunden zu längeren Antwortzeiten (Ping) und geringeren Downstream-Raten kommen,“ so Vodafone-Sprecher Volker Petendorf Mitte Januar gegenüber Golem.

Grüne: Das grenzt an Kundenbetrug, die Anbieter müssen zahlen

Tabea Rößner (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für digitale Infrastruktur und stellvertretendes Mitglied im Beirat der Bundesnetzagentur, kommentiert den Bericht auf ihrer Webseite. Dabei fordert sie Konsequenzen für die Telekommunikationsunternehmen: „Wenn nicht mal ein Viertel der Nutzer die vertraglich versprochene maximale Bandbreite erhält, dann grenzt das an einen systematischen Kundenbetrug. Die Politik muss die Unternehmen endlich in die Pflicht nehmen, denn es kann nicht sein, dass hohe Bandbreiten versprochen werden, aber nie ankommen. Wir fordern deshalb Mindestbandbreiten sowie Bußgelder und Schadensersatzzahlungen, wenn Unternehmen nicht liefern. Wenn die Telekommunikationsunternehmen nicht eine hohe Mindestqualität der von ihnen versprochenen Maximalbandbreiten liefern können, müssen sie zahlen.“

Auch Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) fordert in einem aktuellen Beitrag, dass die Politik endlich handeln müsse: „Verbraucher müssen die Leistung bekommen für die sie bezahlen. Das Gesetz muss an dieser Stelle dringend nachgebessert werden. Verbraucher haben noch immer keine Rechtssicherheit, unkompliziert ihren Tarif zu mindern, anzupassen oder auch zu kündigen, sollten sich Anbieter nicht an ihre vertraglichen Zusagen halten. Um die vertraglich vereinbarte Surfgeschwindigkeit besser überprüfen und durchsetzen zu können, müssen Mindeststandards für die Dienstqualität festgelegt werden.“

Quellen: Bundesnetzagentur, Golem, Tabea Rößner, VZBV
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