DVB-T2 HD: Warum du heute besser keinen DVB-T-Stick für iPad und Android-Tablets kaufst

Sebastian Trepesch 13

Die Fußball-EM naht, und die Werbung für Fernseher und TV-Zubehör läuft auf Hochtouren. Doch Achtung, der Kauf eines Gerätes könnte eine schlechte Investition sein: DVB-T wird eingestellt, DVB-T2-Produkte sind oft nicht mit dem neuen Standard kompatibel.

Video: Alle Infos zu DVB-T2 HD

Was ist DVB-T2 HD?

Vor rund vier Jahren stürmten die DVB-T-Lösungen für Smartphones und Tablets den Zubehör-Markt. Zu Recht, denn die kleinen Kästchen, per WLAN direkt am Gerät angeschlossen, sind praktisch: iPad & Co werden zum mobilen Fernseher, ob in der Küche oder auf der Wiese. Die zugehörigen Apps unterstützen Funktionen wie Pause und Aufnahme. Eine Datenflatrate ist nicht notwendig und eine Abo-Gebühr fällt auch nicht an.

Mittlerweile sieht die Situation anders aus: DVB-T wird von Frühjahr 2017 bis Sommer 2019 schrittweise abgeschaltet. Grund: Die Sendefrequenzen fallen teilweise an den Mobilfunk, zudem wird die Bildcodierungs-Technologie gewechselt. Die bisherigen externen und in TV-Geräten verbauten Empfänger sind dann leider Elektroschrott.

DVB-T2 HD löst DVB-T ab

Der Nachfolger hört auf den Namen DVB-T2 HD, dieser Übertragungsstandard ist zukünftig die terrestrische Ergänzung zu Kabel und Satellit. Mit dem Kompressionsverfahren H.265 („HEVC“) wird eine bessere Bildqualität gewährleistet, zudem ist HD-Auflösung möglich.

Die Testphase startet in ein paar Tagen, am 31. Mai 2016. Der Regelbetrieb ist ab 2017 vorgesehen. Insgesamt sollen 40 Programme verfügbar sein.

Wer sich aktuell ein Empfangsgerät anschaffen will, muss Vorsicht walten lassen:

DVB-T2 HD: Das gibt es beim Kauf eines Empfängers für iPad & Android oder eines Fernsehers zu beachten

Wer sich einen zukunftsfähigen DVB-T-Stick für sein iPad, Android-Gerät, Mac oder PC kaufen will, hat aktuell keine Wahl. Überhaupt keine. Auf Amazon konnten wir noch keinen einzigen kompatiblen Receiver finden. Zwar gibt es DVB-T2-Produkte. Diese sind aber nicht mit dem DVB-T2 HD kompatibel, welches nun in Deutschland startet. 

Wer sich also einen DVB-T-Empfänger für sein Tablet kaufen möchte, muss auf einen veralteten Tuner zurückgreifen. Mittlerweile gibt es recht günstige Exemplare  (vor ein paar Jahren zahlte man normalerweise 120 Euro). Für die EM können sie ihren Dienst leisten, haben aber spätestens 2019 ausgedient. Eine Alternative wäre TV-Streaming über das Internet, mit einem guten Datentarif.

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Für TV-Geräte gibt es dagegen schon Receiver mit DVB-T2 HD , neue Fernseher haben teilweise schon den richtigen Empfänger eingebaut.

Zwei Hinweise informieren über die Kompatibilität mit dem neuen Standard: Das grüne DVB-T2-HD-Logo (Bild rechts), sowie in den technischen Daten der Hinweis auf das Kompressionsverfahren H.265. (Das „falsche“ DVB-T2 verwendet den weniger leistungsfähigen Standard H.264.) 

Natürlich kann man sich auch jetzt noch einen Fernseher mit dem veralteten DVB-T-Tuner zulegen. Will man aber in wenigen Jahren die Sender weiterhin über Antenne und nicht über Satellit oder Kabel empfangen, muss man einen externen Receiver nachkaufen.

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Weitere Einschränkungen und Kosten, die man bei DVB-T2 HD beachten muss

Die Produktauswahl für DVB-T2 HD ist aktuell noch sehr beschränkt. Für iOS- und Android-Geräte werden spätestens mit der IFA im September Lösungen bereitstehen, die ersten Produkte für Mac nach unseren Informationen bereits in wenigen Wochen.

Potentielle Käufer sollten noch folgende Einschränkungen beachten:

Zum Starttermin (31. Mai) kann DVB-T2 HD zunächst nur in 18 Ballungsräumen genutzt werden (Bild oben). Das „Überallfernsehen“ gibt es in diesem Jahr also noch lange nicht überall… Immerhin: Sofern verfügbar, können die Set-Top-Boxen normalerweise das alte DVB-T-Signal noch verarbeiten. 

Nur sechs Programme machen den Anfang: Das Erste HD, ZDF HD, RTL HD, ProSieben HD, Vox HD, Sat 1 HD. Für die Fußball-EM reicht’s.

RTL, ProSieben, Sat1 und Co werden kostenpflichtig – oder sind gar nicht mehr empfangbar: Die Privatsender werden zwar in diesem Jahr kostenlos sein, wollen aber nach der Testphase eine gemeinsame Übertragungsgebühr von 5 Euro pro Monat verlangen („Freenet-TV“). Lohnt sich der Wechsel zum Kabelfernsehen? Normalerweise nicht, denn das ist teurer und ein Tuner im Fernseher oder als Set-Top-Box wird ebenfalls benötigt.

Will man die Privatsender empfangen, benötigt man einen Receiver mit Decoder-Unterstützung (CI+): Der Decoder (Preis: voraussichtlich ) entschlüsselt die kostenpflichtigen Programme (s.o.). Er wird in den Slot des DVB-T2-HD-Fernsehers oder der Set-Top-Box eingesteckt. Beim Gerätekauf am besten auf das grüne DVB-T2 HD-Logo achten. DVB-T2-HD-Empfänger ohne diese Logos können nur die freien Programme anzeigen. Besonders bei den kommenden Sticks für Tablets und Computer dürfte dies der Fall sein. Zudem gibt es Produkte, in denen der Decoder bereits eingebaut ist – sie zeigen zusätzlich das „freenet TV“-Logo. 

Fazit: Es wird umständlich.

Antenne an den Fernseher anstecken, Sendersuchlauf starten, fertig – so einfach könnte es sein, so einfach war es mal. Mit der Verschlüsselung einerseits, mit den verwechslungsgefährdeten Begriffen andererseits wird es kompliziert. Für technisch wenig versierte Nutzer dürfte es zudem wenig vertrauenserweckend sein, dass die bisherige DVB-T-Hardware bald überhaupt nicht mehr genutzt werden kann.

Wer sich einen neuen Receiver oder Fernseher kauft, sollte auf das DVB-T2 HD-Logo achten. Diese Geräte können öffentlich-rechtliche Programme frei empfangen und unterstützen den Decoder für die kostenpflichtigen privaten Sender.

Für Mac, PC, iPad und Android-Tablet wartet ihr am besten mit dem Kauf noch ein paar Monate: Aktuell sind die neuen Produkte noch nicht verfügbar. Die bisherigen Empfänger sind , aber bald Elektroschrott.  

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Video: Ein Smartphone-DVB-T-Empfänger im Test

Elgato DVB-T Review.

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