Tschööö DVB-T: Du wirst schon jetzt vermisst – es gibt keine Alternative 

Sebastian Trepesch

Vor gut einer Woche wurde DVB-T abgeschaltet. Viele werden mit DVB-T2 HD besser fahren, manch einer aber feststellen: Es gibt keine vernünftige Alternative. Ein Kommentar.

Mitte letzter Woche war es soweit: Ich erwischte mich dabei, schon am Morgen den Fernseher einzuschalten. Bleibt der Bildschirm tatsächlich schwarz? Jep, kein Signal. Ein Sendersuchlauf am folgenden Abend brachte das Bild zurück – wenn auch zunächst nicht jeden Sender. Für Das Erste musste ich erst mal die Antenne umpositionieren. Die Empfangsqualität ist nicht nur vom geographischen Ort, sondern auch (wie bisher) von der Position im Zimmer abhängig. Notfalls benötigt man eine .

DVB-T2 HD, eigentlich eine Qualitätsoffensive

Dass es mit DVB-T nicht mehr weitergehen konnte, ist klar. Der TV-Codec musste zwangsläufig effizienter werden, da der Mobilfunk seinen Tribut zollt. Und Full-HD-Auflösung musste eingeführt werden.

 4K-Fernseher werden immer günstiger und stehen in immer mehr Wohnzimmern. Programm in SD-Auflösung will auf diesen Geräten niemand sehen, die Qualität ist auf den hochauflösenden TVs unterirdisch. Ganz anders Inhalte in Full-HD, am besten noch mit einem zeitgemäßen Codec komprimiert.


Qualitativ ist DVB-T2 HD eine gute Wahl. (Wohlgemerkt: Unter „Qualität“ verstehe ich hier stets das Bild, nicht die Inhalte.) Streamingdienste können höchstens unter optimalen Bedingungen mithalten – und mit der Auflösung 1080p50 von DVB-T2 HD auch nicht immer oder nicht für alle wichtigen Sender. Zu manchen Zeiten ist Onlinestreaming sogar überhaupt nicht möglich.

Neulich in einem Studentenwohnheim in Berlin: Um 20:00 Uhr ist das DSL-Netz so überlastet, dass Zattoo nicht 50, sondern gerade mal ein schlechtes Bild pro Sekunde liefert. Wer hier nicht über die Mobilfunkverbindung fernsehen will, braucht DVB-T2 HD oder Kabel. Freilich, man muss sich natürlich im Verbreitungsgebiet von DVB-T2 HD befinden. Doch dieses Netz kann nicht überlastet sein, weder zu Hause noch im Park.

Aber: Die Komfortfunktionen gibt es (fast) nicht mehr

Soweit, so gut. Mit DVB-T2 HD stieg also die Bildqualität im Vergleich zu DVB-T, aber die Möglichkeiten sanken. Wer auf dem Tablet oder auf dem Smartphone Fernsehen sieht, der schaut (nicht) in die Röhre: Für manche Geräte gibt es noch keinen Empfänger. Und sofern es einen Empfänger gibt, sind praktische – von mir gern genutzte – Funktionen nicht mehr verfügbar.

Was waren das für Zeiten, als man einfach auf Pause drücken und zum Beispiel nach einem Telefonat weiterschauen konnte. Und dann uninteressante Passagen überspringen konnte. Oder einfach zurückspulen konnte. Oder eine ganze Sendung aufnehmen und später ansehen konnte. Mit DVB-T war das möglich, mit DVB-T2 HD ist es das meist nicht. Und auch die Fernseh-Streaming-Apps (siehe Test) leisten dies nur sehr selten.

Fernsehsender sägen am eigenen Ast

Die Schuld tragen nicht der Streamingdienste oder der Standard DVB-T2 HD, sondern die Vorgaben der Sender. Dank den Kooperationsvereinbarungen und Verschlüsselung können die Privaten, die es mit freenet TV zum Pay-TV geschafft haben, nun die komfortablen Funktionen erlauben oder eben verhindern. Letzteres soll wohl zu häufiges Ausblenden der Werbung verhindern.

Online-Streamer sind die Einschränkungen schon gewöhnt, und mit Recordern wie zum Beispiel Save TV gibt es zumindest noch Aufnahmefunktionen. Doch dafür benötigt man also noch ein Dienst mehr, der ebenfalls Geld kostet.

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Fazit: Dass für die Nutzer des Antennenfernsehens TV unkomfortabler geworden ist, daran sind zu großen Teilen die Sender schuld. Eine echte Alternative mit dem Funktionsumfang von manch früherem DVB-T-Receiver gibt es nicht.

Wenn es denn überhaupt einen Empfänger gibt.

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