Gerichtsurteil: Auch Spam-Ordner müssen täglich kontrolliert werden

Julien Bremer 9

Wer seinen E-Mail-Account für geschäftliche Zwecke nutzt, der sollte regelmäßig auch den Spam-Filter checken. Einem Anwalt kam sein nachlässiges Verhalten nun teuer zu stehen. 90.000 Euro muss dieser nun zahlen, weil er eine E-Mail nicht weiterleitete.

Gerichtsurteil: Auch Spam-Ordner müssen täglich kontrolliert werden

Aber der Reihe nach: Ein Rechtsanwalt vertrat seine Mandatin in einem Verfahren. Während der Vergleichsverhandlungen versäumte es der Jurist, eine wichtige Mail an seine Klientin weiterzuleiten. Dies hatte zur Folge, dass die Verhandlungen scheiterten, da die Frist verpasst wurde. Der Beklagten entstand somit ein Schaden von 285.000 Euro, den sie an die Gegenseite zahlen musste.

Daraufhin klagte die Frau gegen ihren Rechtsanwalt auf Schadensersatz. Vor Gericht gab der Beschuldigte an, dass die besagte E-Mail versehentlich im Spam-Ordner gelandet sei und er erst drei Tage später nach einem Telefonat auf die Nachricht aufmerksam wurde. Bis zur Weiterleitung verging insgesamt über eine Woche.

Das Landgericht Bonn verurteilte den Rechtsanwalt zu Schadensersatz in Höhe von 90.000 Euro. Zur Begründung hieß es, dass er durch die verspätete Weitergabe der Mail seine anwaltlichen Pflichten verletzt habe. Dass die Mail im Spam-Filter landete, entlastete den Beklagten nicht. Vielmehr habe dieser die Pflicht, diesen täglich zu kontrollieren. Das Urteil stammt bereits vom Januar dieses Jahres, wurde aber erst kürzlich veröffentlicht.

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Der Spam-Filter schützt vor Strafe nicht

Da die Mail-Adresse des Anwalts in seinem Briefkopf aufgeführt ist, stellt er diese als Kontaktmöglichkeit bereit. Daher muss er auch Sorge tragen, dass ihn eingehende Mails erreichen. Inhaber von geschäftlichen Mail-Accounts müssen also täglich ihren Spam-Filter kontrollieren, um zu überprüfen, dass keine wichtigen Nachrichten verloren gehen.

Auf dem ersten Blick ein logisches Urteil: Der Anwalt ist seiner Pflicht nicht nachgekommen und wird für den entstandenen Schaden zur Rechenschaft gezogen. Doch es gibt auch kritische Stimmen, wie vom Medienanwalt Tim Hoesman. Dieser gibt an, dass die Spam-Filter in der Regel sehr gut arbeiten und eine hohe Trefferquote haben. Wenn man nun verpflichtet ist, täglich den Spam-Ordner durchzuforsten, kann man die Spam-Filter auch gleich abschalten.

via heise.de

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