Frauen & E-Sport: Passt das zusammen? – Eindrücke vom PGI 2018

Lisa Fleischer 1

Obwohl E-Sport, anders als klassische Sportarten, eigentlich keine besonderen physischen Voraussetzungen fordert, waren beim PGI 2018 keine Frauen Teil der Pro-Teams. Dafür waren umso mehr Frauen im Publikum anzutreffen. Fragt sich, woher diese Diskrepanz kommt. Auf dem PUBG-E-Sport-Event sind wir übrigens auch Streamer DrDisRespect über den Weg gelaufen. Das hatte er uns zu sagen.

DrDisRespect im exklusiven Interview.

Vom 25. bis 29. Juli 2018 fand in der Berliner Mercedes-Benz-Arena das erste globale PUBG-Turnier statt. In verschiedenen Disziplinen traten zahlreiche professionelle E-Sport-Teams gegeneinander an. Was wie auch bei anderen E-Sport-Events auffiel: Keine Frau war Teil der professionellen Teams, lediglich einige wenige waren beim Charity-Event anzutreffen, an dem sich Streamer und YouTuber mit Profis messen.

Dafür waren umso mehr Frauen im Publikum – vielleicht nicht die Hälfte aller Zuschauer, allerdings wesentlich mehr, als dass sie nur Anhang sein könnten. Das kommt nicht von ungefähr, spielen doch zahlreiche Frauen PUBG. Vor allem seit die mobile Version des Shooters in Umlauf ist, erfreut sich das Spiel bei beiden Geschlechtern reger Beliebtheit. Und auch auf Twitch finden sich unter der PUBG-Stream-Suche neben männlichen erstaunlich viele weibliche Streamer.

Noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen – doch sie werden weniger

Auch auf dem PGI 2018 trafen wir zahlreiche Frauen, die PUBG nicht nur anschauen, sondern aktiv spielen. Während Besucherin Lea Anfangs nur ihrem Freund beim Spielen über die Schulter schaute, spielt sie den Shooter inzwischen selbst – auf ihrem Smartphone. Sie selbst wurde im Spiel bislang noch nicht von anderen belästigt oder komisch angemacht. Allerdings scheint sie auch nicht mit Voice-Chat zu spielen, sondern bleibt anonym. So weiß niemand, welches Geschlecht sie hat . Schließlich ist es nicht unüblich, dass auch Männer einen weiblichen Charakter übernehmen.

Andere Erfahrungen haben die beiden Streamerinnen AnnieHonor und Original_Jasimini gemacht. Beide berichten von maulenden Zuschauern, die weibliche Spieler nicht als Konkurrenz ansehen und sie „zurück in die Küche“ schicken wollen. Allerdings seien das nur zwei Prozent aller Zuschauer – mit denen hat wohl jede Streamerin zu kämpfen, egal, welches Spiel sie spielt.

Im Spiel selbst sehen beide vor allem zufällige Mitspieler als Übel an. Jasimini hat im Voraus Berichte über Negativerfahrungen gelesen und deshalb von Anfang an nur mit Freunden zusammen gespielt. Annie benutzt den Voice-Chat mit allen Spielern zwar ab und zu, deaktiviert ihn aber die meiste Zeit über, da ihr der darin oft Überhand nehmende Frauenhass und die zahlreichen rassistischen Bemerkungen auf die Nerven gehen. Mit dem Spiel aufhören werden sie deswegen aber nicht, meist stehen sie einfach über das Gesagte – ganz nach dem Motto ‚was dich nicht umbringt, macht dich stärker‘.

Immer mehr Frauen finden ihren Platz im E-Sport

Aber nicht nur im Publikum waren weibliche PUBG-Fans zu finden, auch auf der Bühne stand zumindest eine E-Sport-begeisterte Frau: Frankie Ward ist professionelle E-Sport-Kommentatorin und -Moderatorin. Unter anderem eröffnete sie das Charity-Turnier am Freitag – und traf dabei DrDisRespect, Ninja und Shroud, von denen sie selbst Fan ist. Noch heute ziert ein Bild des Turniers ihr Twitter-Profil. Kein Wunder, ist die quirlige Frau doch selbst begeisterte PUBG-Spielerin, in ihrem eigenen Stream spielt sie den Battle Royale-Shooter regelmäßig.

Sie freut sich, dass sie zum wiederholten Male Teil eines PUBG-Turnier sein durfte – und damit eine der inzwischen einigen Frauen in der Gaming-Branche im Allgemeinen und dem E-Sport im Speziellen ist. Frankie selbst hat auch schon Erfahrungen mit Gamern gemacht, die sie nicht ernst nehmen, weil sie eine Frau ist. Sie lässt sich jedoch nicht von ihnen beirren – Frankie weiß, dass sie sehr gut in ihrem Job ist. Zudem ist sie der Meinung, dass diskriminierende Kommentare mehr über denjenigen aussagen, der sie macht – meist sind solche Menschen einfach selbst unsicher und wollen sich auf diese Weise profilieren.

Frankie erzähle, dass sie mit vielen Frauen im E-Sport-Bereich vernetzt ist, sie halten Kontakt und empfehlen sich gegenseitig Veranstaltern. Sie plädiert, dass sich Frauen, die denselben Beruf anstreben wie sie, gerne über Twitter mit ihr in Kontakt treten können, sollten sie Fragen haben. Schließlich soll niemand das Gefühl haben, in der Gaming-Branche Fehl am Platz zu seien – weder Aufgrund der Herkunft, noch des Geschlechts.

Hast auch du das Zeug zum E-Sport-Profi? Mache den Test:

In Zukunft hoffentlich auch Turniere mit Frauen

Auch die PUBG Corporation betont in ihrer Präsentation der eigenen E-Sport-Pläne, gegenüber weiblichen Profi-Spielern offen zu sein. Entscheidend darüber, ob ein Spieler zum Profi erhoben wird, ist nicht sein Geschlecht, alleine seine Skills zählen. Trotz allem war zumindest beim ersten PGI in Berlin keine weiblichen Pro-Spieler anwesend. Das ist auch Fan Lea aufgefallen. Sie betont, dass aus ihrer Sicht kein Grund vorliegt, warum nicht auch Frauen E-Sport-Profis werden sollten. Schließlich muss hier – im Gegensatz zu klassischen Sportarten – niemand bestimmte körperlichen Voraussetzungen erfüllen, um teilzunehmen.

Zu hoffen bleibt, dass sich das Bild auf dem PGI in den nächsten Jahren ändert. Dann finden sich Frauen hoffentlich nicht mehr nur unter den Fans, den eingeladenen Streamern und Moderatoren, sondern auch unter den Pro-Spielern. Die ersten Grundsteine dafür liegen zum Glück schon, PUBG-spielende Frauen gibt es schon jetzt durchaus viele – das beweist nicht zuletzt das PGI 2018.

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