FaceTime funktioniert nicht mit iOS 6: Gericht lässt Sammelklage gegen Apple zu

Florian Matthey 7

Ein US-Gericht hat eine Sammelklage gegen Apple zugelassen – von Benutzern älterer iPhones, die gerne beim iOS 6 bleiben wollen. Mit dieser iOS-Version funktioniert FaceTime nämlich nicht mehr. Völlig aussichtslos ist die Klage nicht.

FaceTime funktioniert nicht mit iOS 6: Gericht lässt Sammelklage gegen Apple zu

Die US-Bezirksrichterin Lucy Koh – die bereits vor einigen Jahren mit dem Patentkrieg zwischen Apple und Samsung befasst war – hat eine neue Sammelklage gegen Apple zugelassen. Damit hat sie gleichzeitig einen Antrag des Unternehmens, die Klage als unzulässig abzuweisen, zurückgewiesen. Stein des Anstoßes sind ältere iPhones, FaceTime und das iOS 6 – sowie der Unwillen der Benutzer, auf iOS 7 zu upgraden.

Wir erinnern uns: Bereits im Jahr 2010 brachte Apple mit dem iPhone 4 das erste iPhone mit Frontkamera und somit Videochat-Unterstützung auf den Markt. Gleichzeitig startete Apple einen eigenen Videochat-Dienst namens FaceTime. Dieser lässt sich mit den Geräten auch weiterhin benutzen – solange die Benutzer nicht beim iOS 6 bleiben.

Grund dafür, dass der Dienst mit iOS 6 nicht mehr funktioniert, ist ei weiterer Apple-Rechtsstreit – mit dem Unternehmen VirnetX. VirnetX sah in Apples Technologie für direkte Peer-to-Peer-Verbindungen (P2P) für FaceTime-Anrufe eine Verletzung der eigenen Patente. Das Unternehmen konnte sich gegen Apple durchsetzen, sodass Apple wiederum zunächst auf indirekte Verbindungen mit Akamai als Hosting-Provider setzen musste. Dafür zahlte Apple Gerichtsdokumenten zufolge 50 Millionen US-Dollar pro Jahr.

iPhone 8 Gerüchte.

Um diese Ausgaben zu vermeiden, entwickelte Apple eine andere P2P-Lösung, die ohne geistiges Eigentum von VirnetX auskommt – und führte diese mit dem iOS 7 ein. Im April 2014 schaltete Apple die Akamai-Hosting-Lösung dann komplett ab – sodass Benutzer, die beim iOS 6 bleiben wollten, im Regen stehen blieben. Apple sprach zunächst von einem „Bug“, räumte dann aber den beschriebenen Sachverhalt ein.

Apple hatte in dem jetzigen Rechtsstreit unter anderem damit argumentiert, dass Kunden keinen Anspruch auf FaceTime hätten, da der Dienst kostenlos sei, sie also auch nichts für FaceTime bezahlt hätten. Die Richterin Koh konnte dieser Argumentation aber nicht folgen: Apple habe das iPhone offensiv mit FaceTime als Feature beworben; Kunden hätten daher mit dem Kaufpreis für das jeweilige Gerät auch für FaceTime bezahlt.

Der Grund, warum einige Kunden beim iOS 6 bleiben wollen, ist, dass das iOS 7 ihre Geräte verlangsamt – dass aktuelle iOS-Versionen auf älteren Geräten weniger performant sind, ist ein seit Jahren bekanntes Phänomen. Apples Anwälte argumentierten diesbezüglich, dass die Betroffenen sich davon ja gar kein Bild hätten machen können, da sie ja eben beim iOS 6 geblieben seien. Auch diese Argumentation war für das Gericht aber nicht überzeugend genug für eine direkte Abweisung der Klage.

Wie der Rechtsstreit ausgehen wird, ist natürlich schwer vorherzusagen. Die Tatsache, dass das Gericht die ersten Apple-Anträge nicht sofort zurückgewiesen hat, spricht aber dafür, dass die Klage nicht völlig aussichtslos ist.

Quelle: via Mac Rumors, AppleInsider

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