FaceTime: Warum Apple Steve Jobs' Versprechen immer noch nicht eingelöst hat

Florian Matthey

Als Steve Jobs vor acht Jahren das neue iPhone-Feature FaceTime präsentierte, machte er ein Versprechen, das Apple bis heute nicht eingelöst hat – auch nicht mit der neuen Generation des Video-Chat-Dienstes in iOS 12. Jetzt gibt es eine Theorie für den Grund, der dahinter steckt.

FaceTime: Warum Apple Steve Jobs' Versprechen immer noch nicht eingelöst hat
Bildquelle: Apple.

FaceTime: Steve Jobs versprach 2018 einen offenen Standard

Vor ziemlich genau acht Jahren, zur Eröffnung der WWDC 2010, präsentierte Steve Jobs das iPhone 4 – und einen eigenen Video-Chat-Dienst, den Apple „FaceTime“ taufte. Jobs verkündete dabei aber auch einen überraschenden Plan: FaceTime setze auf viele etablierte Technologien und werde nicht nur mit Apple-Geräten funktionieren. Stattdessen plane Apple einen „offenen Standard“ für FaceTime.

Daraus ist allerdings nie etwas geworden – stattdessen ist es für uns heute wie bei iMessage eine Selbstverständlichkeit, dass FaceTime nur mit Apple-Geräten funktioniert. Nun könnte es sein, dass sich Apple einfach dagegen entschieden hat, das Versprechen des langjährigen Apple-CEO einzulösen. Doch der Grund ist wahrscheinlich ein anderer.

FaceTime weiterhin Apple-exklusiv: Ein Patentstreit ist der Grund

CNet glaubt, dass Apples langjähriger Rechtsstreit mit dem „Patenttroll“ VirnetX dahinter steckt. Ein „Patenttroll“ ist ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Patente für Erfindungen anderer Unternehmen aufzukaufen und gegen Unternehmen vorzugehen, die die Erfindungen ohne eine Lizenz verwenden. Seit Jahren geht VirnetX wegen mutmaßlicher Patentverletzungen gegen Apple vor, wobei es dem Unternehmen eben um Apples Video-Chat-Funktion FaceTime geht.

Solange der Rechtsstreit läuft, muss Apple FaceTime so umsetzen, dass es die Technologien, die von VirnetX beansprucht werden, nicht verwendet. Die wichtigste darin begründete Veränderung ist, dass die iPhones, iPads und Macs nicht direkt miteinander kommunizieren können. Stattdessen muss die Kommunikation über einen zwischengeschalteten Apple-Server laufen, um eine Verbindung aufzubauen.

Damit FaceTime auch auf anderen Geräten funktioniert, müsste Apple entweder eigene Server-Kapazitäten an die Unternehmen, die FaceTime anbieten möchten, „vermieten“ oder es ihnen ermöglichen, selbst einen Server zwischenzuschalten – was andere Probleme, beispielsweise in Sachen Sicherheit, mit sich brächte.

Wenn ihr euch nicht an Steve Jobs‘ Versprechen aus dem Jahr 2010 erinnern könnt: In diesem Video könnt ihr es ab 1 Stunde und 36 Minuten sehen:

Streit um FaceTime: VirnetX gewann die bisher letzte Runde

Und so wird Apple sein Versprechen wohl auch in absehbarer Zeit nicht einlösen können – erst letztes Jahr sprach ein Gericht in den USA VirnetX eine Schadensersatzsumme in Höhe von fast 440 Millionen US-Dollar zu; Apple legte allerdings Rechtsmittel ein, sodass der Streit sich noch längere Zeit hinziehen wird.

Mit iOS 12 wird FaceTime erstmals Videokonferenzen mit bis zu 32 (!) Personen unterstützen. Die Reaktionen dazu und zu anderen WWDC-Neuheiten seht ihr in unserer Bilderstrecke.

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WWDC: Die 9 besten Reaktionen zur Apple-Keynote.

Und so bleibt für Video-Chats zwischen Geräten verschiedener Hersteller weiterhin nur die Option, andere Dienste zu benutzen – wie beispielsweise Microsofts Skype. Dieses verletzt nämlich keine VirnetX-Patente mehr: Nach einem ähnlichen Rechtsstreit, in dem ein Gericht VirnetX zwischenzeitlich 200 Millionen US-Dollar zugesprochen hatte, einigten sich VirnetX und Microsoft Ende 2014 auf eine Lizenzvereinbarung.

Quelle: CNet via 9to5Mac

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