Außer Kontrolle: Chinesische Raumstation stürzt in Kürze auf die Erde

Stefan Bubeck 2

Die Raumstation Tiangong-1 wird demnächst vom Himmel fallen. Wann? Wo? Warum?

Außer Kontrolle: Chinesische Raumstation stürzt in Kürze auf die Erde
Bildquelle: NASA.

Update vom 27.03.2018:
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat das Datum für den Absturz der außer Kontrolle geratenen chinesischen Raumstation Tiangong-1 eingegrenzt:
Er soll zwischen dem 30. März und dem 2. April stattfinden, also am Osterwochenende. Auf der Seite der Behörde heißt es:

Erst einen Tag vor dem Wiedereintritt wird man die Bodenspur, und damit die Region auf der Erde, in der die Station herunterkommen wird, grob bestimmen können. Aber selbst dann unterliegt die Berechnung des voraussichtlichen Wiedereintrittspunkts Einschränkungen. Die Vorhersage auf Kilometer genau ist schon rein technisch nicht möglich – wegen des komplexen Aufbaus der Atmosphäre, des Kräftespiels des wiedereintretenden Objektes sowie der beschränkten Möglichkeiten, die Raumstation ständig im Blick zu behalten.

Update vom 07.03.2018:
Erst war ein Absturz der Raumstation Tiangong-1 („Himmelspalast“) für die zweite Jahreshälfte 2017 vorausgesagt, was aber so nicht eintrat. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) nennt auf einer Informationsseite nun den 29. März bis 9. April 2018 als wahrscheinlichen Absturzzeitraum. Die örtliche Eingrenzung lautet „zwischen 43 Grad Nord und 43 Grad Süd“ – rund um den Erdball. Das betrifft unter anderem Südeuropa (Spanien, Portugal, Griechenland etc.), aber auch Teile Nord- und Südamerikas – eine präzisere Vorhersage ist aktuell nicht möglich. Deutschland, Österreich oder die Schweiz befinden sich jedoch außerhalb der Gefahrenzone.

Der Großteil der insgesamt 8,5 Tonnen schweren Station wird beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen, aber „es wird auf jeden Fall etwas am Boden ankommen“, so Heiner Klinkrad, Honorarprofessor an der TU Braunschweig gegenüber Spiegel Online.

Originalartikel

Tiangong-1 war fünf Jahre lang für Forschungszwecke im Erdorbit unterwegs und wurde mittlerweile verlassen. Beobachter zweifeln seit einiger Zeit daran, dass ein komplett kontrollierter Absturz umgesetzt werden kann – ein Vorgang, wie er nach dem Betrieb einer Raumstation oder von Satelliten normalerweise üblich ist. Der amerikanische Astronom Thomas Dorman hat bereits im Juni 2016 gegenüber space.com den Verdacht geäußert, dass es Probleme geben könnte und die Raumstation nicht mehr unter der Kontrolle Chinas sei. „Es könnte ein mieser Tag werden, wenn Teile davon auf ein bewohntes Gebiet herabstürzen sollten. Laut den Regeln der Wahrscheinlichkeit landen sie im Ozean oder auf unbewohntem Gebiet. Aber denkt daran – manchmal liegt die Berechnung daneben, so dass man das beobachten sollte.“

Die Behörde hat die Lage offiziell im Griff

Eine im September 2016 in Jiuquan abgehaltene Pressekonferenz der chinesischen Raumfahrtbehörde bestätigt nun diese Befürchtungen, allerdings indirekt und mit einer weniger bedrohlichen Wortwahl. Betont wurde vor allem, dass die Raumstation ihre historische Mission erfolgreich erfüllt habe. Man habe berechnet, dass „die meisten Teile“ beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen werden. Wann das exakt passiert und wohin genau der Weltraumschrott dann stürzt, wurde aber nicht erläutert. Der angenommene Zeitraum für den Absturz liegt in der zweiten Jahreshälfte 2017. Man beobachte die Situation genau und werde rechtzeitig internationale Warnungen ausgeben, falls sich eine Kollision abzeichnen sollte, so die Verantwortlichen.

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Wer besonders skeptisch ist, sollte lieber öfter mal nach oben schauen, ob nicht gerade ein Stück vom „Himmelspalast“ – so der übersetzte Name von Tiangong – auf einen herabstürzt. Sicher ist sicher.

Quelle: popularmechanics, xinhuanet, space
Titelbild: NASA; Teaserbild: Getty Images / carton_king

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