„Smart-Home“ – das bedeutet mehr, als Licht-, Sound- oder Rolladensteuerung per App. Wunderbarer Duft, der exakt dosiert aus dem Aroma-Diffuser strömt, erobert in den USA die Shoppingcenter, Hotellobbys und Wohnzimmer. Über den digitalisierten Duft.

 

Forschung und Wissenschaft

Facts 

Düfte sind direkter als das, was wir mit den Augen und Ohren wahrnehmen: Sie wirken auf das limbische System – dem Teil des Gehirns, der unsere Emotionen verarbeitet. Kein Wunder also, dass ein plötzlich aufgenommener Duftschweif Erinnerungen explosionsartig ins Bewusstsein rufen kann: „Das riecht wie im Urlaub auf Kreta!“ Rund 10.000 verschiedene Duftnoten kann ein Mensch unterscheiden – die Wohnung mit einer schnöden Duftkerze zu beräuchern, wird dieser Fähigkeit nicht gerecht. Das sehen auch einige Tech-Unternehmen so, die das Geschäft mit dem Geruch ins digitale Zeitalter bringen.

Die Duft-Spezialisten entdecken die Wohnzimmer

Die Unternehmen heißen „AirEsscential“, „Aroma360“, „ScentAir“, „Scent Communication“ oder „AirCreative“: Weltweit ist die sogenannte Raumbeduftung längst ein prosperierender Geschäftszweig, auf den sich zahlreiche Firmen spezialisiert haben. Für deren Geschäftskunden ist Raumduft ein wichtiges Handlungsfeld, das es zu beackern gilt. Man denke an die Besucher von Einkaufszentren und Boutiquen: Eine angenehme Atmosphäre soll das Shopping-Erlebnis verbessern und so die Einzelhandelsumsätze positiv beeinflussen. Ein anderes Beispiel: Im Mercedes-Benz Museum sorgt im Eingangsbereich ein Duftsystem für den Geruch einer über 100 Jahre alten Auto-Werkstatt. So werden alle Sinne angesprochen, der Besucher erfährt ein besonderes Erlebnis, das er so vielleicht noch nicht kannte.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die High-Tech-Duftindustrie auch die privaten Haushalte ins Visier nimmt. Dort wo Duftkerzen, Räucherstäbchen und allenfalls mal ein einfaches System für die Steckdose vorkommen, brechen nun neue Zeiten an. Beduftet wird hier zunehmend mit Designer-Aromastoffen aus dem Diffuser. Gesteuert wird die richtige Prise per Smartphone-App. So kann man sich das dann vorstellen:

AERA Duftsystem (Herstellervideo)

Hier gibt es die passende App im Playstore:

Entwickler: Prolitec Inc.
Preis: Kostenlos

Das 200-Dollar-System Aera von Prolitec geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt sich mit Amazons Digital-Assistent Alexa per Sprache steuern. Die gewünschte Duft-Stufe wird dabei mit einer Zahl zwischen 1 und 10 angegeben, den Rest macht dann das smarte Gadget. Alles in allem also deutlich fortgeschrittener als ein Räucherstäbchen oder ein Strauß frischer Blumen. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Ein Aroma-Ampulle hält rund 60 Tage und muss danach ersetzt werden. Kostenpunkt: 50 US-Dollar. Keine günstige Angelegenheit.

Deutlicher günstiger, dafür aber ohne App und Alexa ausgestattet, ist der Soehnle Modena:

Hierzulande ist Aera (noch) nicht erhältlich. In den USA können die High-Tech-Duft-Hersteller bereits beeindruckende Erfolge im Privatkundengeschäft vorweisen. „Wir haben ein jährliches Wachstum von 35 Prozent verzeichnet, in jedem Jahr seit unserem Start 2007,“ so Spence Levy, President Air Esscentials, gegenüber der New York Times. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser Trend auch hier den Wohnraum erobert.

Quellen: New York Times, Scent Communication, Aera