Roboter-Revolution: Diese nachwachsende Schlange lässt sich nicht aufhalten

Stefan Bubeck

Wird dieser ultraflexible Roboter eines Tages Leben retten oder als Miniversion in unsere Körper eindringen? Das Konzept einer Gruppe von Stanford-Forschern fasziniert und ist aus dem Alltag bekannt – von umgedrehten Socken.

Roboter sind starre Metallkästen mit Greifarmen und einer Antenne auf dem Kopf? Dieses Klischee ist längst überholt. Was uns die Forschergruppe um Elliot W. Hawkes und Laura H. Blumenschein demonstriert, das erinnert eher an den flüssigen T-1000 aus Terminator 2 als an den liebenswürdigen, aber unflexiblen WALL·E.

Stanford Roboterschlange: Inspiriert von der Natur

„Wir nutzen Luft, um den Roboter wachsen zu lassen, es wären stattdessen aber auch Flüssigkeiten denkbar,“ erklärt Elliot W. Hawkes, Forscher an der Stanford University (Kalifornien, USA). Der in einem ausführlichen wissenschaftlichen Papier beschriebene Prototyp besteht aus Folie, zukünftig könnten deutlich robustere Materialien wie Nylon oder Kevlar zum Einsatz kommen. Die Idee stammt aus der Natur: Weinranken, Nervenstränge und Pilze waren das Vorbild.

Selbst Laien erschließt sich das Prinzip auf Anhieb: Der Roboter gleicht vom grundlegenden Aufbau her einer umgedrehten Socke, die man wieder zurück in die vorgesehene Form bringt. Aus der Mitte wird so neues Material für eine ständig wachsende Außenwand nachgeführt. Erste Versuche starteten mit einer Gesamtlänge von nur 28 Zentimetern, mittlerweile haben die Wissenschaftler 72 Meter erreicht. Die Folie befindet sich auf einer Rolle, die sich mit dem Wachstum der Schlange abwickelt, theoretisch könnte also eine größere Rolle auch noch extremere Längen ermöglichen.

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21 Dinge, die es schon länger gibt als die meisten Menschen glauben.

Ein Roboter für Erdbeben und komplizierte Operationen

An der Spitze befindet sich ein „Kameraauge“ – so kann sich der Roboter in labyrinthartigen Umgebungen eigenständig einen Weg suchen. Sein großer Vorteil: Die Energieversorgung kann stationär erfolgen, er muss weder Akku noch Antrieb mit sich führen, beides könnte viele Meter weit weg stehen. So tun sich viele Einsatzmöglichkeiten für spätere Weiterentwicklungen auf. Denkbar etwa als Rettungsroboter nach Erdbeben, der sich zu verschütteten Menschen durcharbeitet. Schon der Prototyp ist in der Lage, Objekte bis 100 Kilo Gewicht anzuheben, indem er seinen Körper darunter legt und sich aufpumpt.

Auch deutlich kleinere Versionen sind in Planung. Die Forscher haben eine 1,8-Millimeter-Variante entworfen, die als Vorlage für spätere medizinische Anwendungen dienen könnte. Bereits jetzt werden bei der Minimal-invasiven Chirurgie schlauch- beziehungsweise röhrenförmige Instrumente eingesetzt, um Operationen im Körperinneren durchzuführen. Dazu muss das Instrument allerdings an sensiblen Strukturen vorbeigeschoben werden, es entsteht Reibung. Der Schlangenroboter aus Stanford wäre hier im Vorteil, er wird fortlaufend länger, ohne sich dabei tatsächlich zu bewegen.

Quelle: Stanford University

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