Die von der Bundesregierung unterstütze „BLIKK-Medienstudie“ untersuchte über 5.500 Kinder und Jugendliche und kommt zu radikalen Schlussfolgerungen: Macht das Smartphone schon Babys krank?

 

Forschung und Wissenschaft

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Smartphone- und Tablet-Nutzung führt bei Kindern zu Entwicklungsstörungen wie Konzentrationsschwäche, Sprachentwicklungsstörung, Hyperaktivität, Einschlafstörungen und Fettleibigkeit. Zu diesem radikalen Schluss kommt die BLIKK-Medienstudie vom Bundesministerium für Gesundheit.

Auffälligkeiten bei mehr als einer Stunde Medienkonsum

Insgesamt wurden 5.573 Kinder und deren Eltern zum Umgang mit digitalen Medien befragt und anschließend die körperliche, geistige und soziale Verfassung der Teilnehmer untersucht. Die Kinder wurden in drei Altersklassen unterteilt: Babys im Alter von einem Monat bis einem Jahr, Kleinkinder von 2 bis 5 Jahren und Jugendliche von 8 bis 13 Jahren.

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Babys haben Einschlafprobleme

Eltern und Kinder füllten Fragebogen aus, um die Nutzung der digitalen Medien festzustellen. Die Auswertung ergab, dass Babys, deren Mütter beim Stillen ein Smartphone benutzen, häufiger durch Einschlafprobleme und Fütterungsstörung auffallen. Da empfiehlt es sich, das Kind auf den Rücken zu schnallen und einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen:

Kleinkinder und Jugendliche neigen zu Hyperaktivität

Bei Kleinkindern und Jugendlichen zeigen sich gemeinsame Verhaltensauffälligkeiten: Eine tägliche Nutzung von Smartphones und Tablets von mehr als einer Stunde, führt zu Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche. Weiterhin fanden die Forscher heraus, dass auch ein erhöhter BMI in Verbindung mit zu viel Smartphone-Konsum gebracht werden kann. Auch die Sprachentwicklung sei gestört. Fast 70 Prozent der Kinder können sich nicht länger als 2 Stunden ohne digitale Medien beschäftigen.

Beunruhigende Zahlen zur Medienkompetenz

Die Teilnehmer der Studie sollten sich auch über die eigene Kontrolle der Mediennutzung einschätzen: Ein nennenswerter Teil der befragten Jugendlichen gab an, Probleme zu haben, die eigene Internetnutzung selbstbestimmt zu kontrollieren und berichtet von negativen Konsequenzen ihrer Internetnutzung im Alltag. Bei der Befragung der Eltern fiel dagegen auf, dass sich 41 Prozent bisher überhaupt nicht über Mediennutzung informiert haben.

Medienkompetenz als Schulfach

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, meint zu den Ergebnissen: „Diese Studie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos, in der Entwicklung eigener Medienkompetenz, allein gelassen werden. Für mich ist ganz klar: Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen!“ Viele Politiker aus unterschiedlichen Bundesländern fordern immer wieder, in den Schulen ein Fach „Medienkompetenz“ einzuführen, auch im Hinblick auf die Problematik der Fake-News in sozialen Netzwerken.

Das Bundesministerium für Familie rät zu maximal 75 Minuten Internetnutzung für Kinder von 12 bis 13 Jahren pro Tag. Zwischen 7 und 8 Jahren nur von 30 bis 60 Minuten pro Tag.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Heise