Synlight: Deutsche Forscher bauen „Supersonne“ für Raumfahrt und Energieerzeugung

Johann Philipp

Deutsche Forscher haben eine künstliche Sonne entwickelt, die 10.000-mal heller scheint als ihr natürliches Vorbild. Das Sonnenstudio à la Tony Stark steht in Jülich bei Aachen, heißt Synlight und soll den Treibstoff der Zukunft herstellen.

Synlight: Deutsche Forscher bauen „Supersonne“ für Raumfahrt und Energieerzeugung

In der Jülicher Dependance im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind 149 Xenon-Lampen, die normalerweise für Groß-Kino-Projektoren verwendet werden, aufgebaut zu einem 14 Meter hohen und 16 Meter breiten Turm. Das Licht der 3,5 Millionen Euro kostenden Anlage kann auf einen kleinen Punkt von 20 × 20 cm gebündelt werden und bündelt auf diesen die 10.000-fache Helligkeit der natürlichen Sonnenstrahlen auf der Erde und Temperaturen bis zu 3.000 Grad Celsius.

Anlage soll Wasserstoff für Flugzeuge und Raumschiffe herstellen

Ziel der Anlage ist es, Wasserstoff effizienter als bisher herzustellen. Dieser Treibstoff hat besonders in der Luft- und Raumfahrt großes Potenzial.

Für Autos seien Elektroantriebe eine Technologie mit Zukunft, für große Flugzeuge aber ungeeignet, erklärt DLR-Projektleiter Kai Wieghardt. Das Problem: Wasserstoff kommt nur in chemischen Verbindungen vor und muss aufwendig abgespalten werden. Mit der Anlage soll das schneller und effizienter als bisher funktionieren. Dazu wird mithilfe der Lampen ein Metall auf 800 Grad erhitzt und mit Wasserdampf besprüht. Bei der großen Hitze reagiert das Metall mit den Sauerstoff-Atomen des Wassers, Wasserstoff bleibt übrig. Wenn die Temperatur anschließend noch einmal erhöht wird, löst sich auch der Sauerstoff wieder vom Metall, der Prozess kann von vorne beginnen.

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Nicht zum Sonnenbaden geeignet

Bei allem Umweltbewusstsein, ein Energiesparwunder ist die Anlage nicht: Das System benötigt 350 Kilowatt Leistung, rechnerisch ein Äquivalent zu immerhin 5.833 einzelnen 60-Watt-Glühbirnen. In 4 Stunden verbraucht die Super-Sonne so viel Strom wie ein vierköpfiger Haushalt in einem Jahr. Dabei ist die Strahlung so hoch, dass ein Mensch selbst die indirekte Strahlung von den Wänden im Raum nicht länger als eine Sekunde aushält. Als Sonnenstudio wäre sie also nicht einmal für Iron Man geeignet.

Mit der Super-Sonne lässt sich aber auch weitaus mehr anstellen: Durch die hohe UV-Belastung können Materialien auf ihre Langlebigkeit getestet werden, was sich nicht zuletzt in der Erforschung von Materialien auszahlt, die im Weltraum genutzt werden sollen. Wir hätten auch noch einen anderen Vorschlag: Raus aus dem Labor und im Winter über Berlin aufhängen. Das sorgt für strahlende Gesichter in der sonst so grauen Jahreszeit.

Bilder, Quelle: DLR, via Handelsblatt

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