Graufilter: Dafür werden sie eingesetzt

Marco Kratzenberg

Wer an seiner Kamera auf einfache Weise interessante Effekte erzielen will, kommt an einem Graufilter nicht vorbei. Vors Objektiv geschraubt scheinen diese sogenannten Neutraldichtefilter erst einmal nur das Licht abzuschwächen, aber dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten!

Graufilter ist der am häufigsten gebrauchte Name für diese abgedunkelten Glasscheiben. Wenn es besonders professionell klingen soll, wird auch Neutraldichte- oder ND-Filter genutzt. All diese Begriffe bezeichnen Objektiv-Vorsätze aus Glas oder Kunststoff, die, ähnlich einer Sonnenbrille, das einfallende Licht abdunkeln. Aber wofür eigentlich? Was soll damit erreicht werden?

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Wie funktionieren Graufilter?

Wer sich schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, wie eine Sonnenbrille eigentlich funktioniert, wird das Prinzip hinter einem Graufilter sofort verstehen. Durch die starke Sonneneinstrahlung werden die Pupillen unserer Augen winzig klein gestellt. Dadurch verändert sich aber auch unser Scharfsehen. Außerdem kann die Pupille nicht endlos verkleinert werden, sodass die einfallende Lichtmenge immer noch zu groß ist.

Sobald wir die Augen beschatten oder eine Sonnenbrille aufsetzen, kann die Pupille vergrößert werden. Die Menge der Informationen, die unsere Pupille passieren können, wird wieder größer.

Graufilter haben ein ähnliches Prinzip: Durch die Abdunkelung des einfallenden Lichtes wirkt es für die Kamera so, als wäre es dunkler. Daraus resultieren verschiedene Konsequenzen. Wenn es dunkler ist, kann die Kamera mit längeren Verschlusszeiten und höheren Blendenstufen arbeiten. Ihr könnt mit einem Graufilter also im hellen Tageslicht so tun, als wäre es Abend oder Nacht. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für eure Fotos. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr könntet tagsüber so einen Effekt wie oben im Foto erreichen. Indem die Verschlusszeit verlängert wird, verschwimmen bewegte Objekte. Mit einem ND-Filter ist das möglich – und mehr!

Sofortbildkameras haben auch ihren Charme, wie dieses Video über die Leice sofort zeigt:

Sofortbildkamera: Leica Sofort.

Welche Effekte bringt ein Graufilter?

Die beiden Haupteffekte der Graufilter sind die Möglichkeiten, einerseits die Verschlusszeiten verlängern zu können und andererseits höhere Blendenstufen zu bieten. Bereits ein relativ schwacher ND-0,6-Filter kann zwei Blendenstufen mehr ermöglichen. Gleichzeitig kann die Verschlusszeit vervierfacht werden.

Große Blenden sorgen für eine größere Schärfentiefe, auch ohne Stativ. Längere Belichtungszeiten sorgen im negativen Fall für verwackelte Bilder. Aber wenn man Bewegungsunschärfen darstellen will, sind sie das Mittel der Wahl. Tagsüber ist es aber kaum möglich, über bestimmte Belichtungseinstellungen hinaus zu verstellen. Eine Belichtungszeit von 1/60 ist an einem hellen Tag normalerweise nicht zu erreichen.

Hier setzen Graufilter an: Durch ein Wegfiltern des Lichtes könnt ihr ganz andere Belichtungszeiten nutzen. Und wofür das Ganze? Ganz einfach, es geht um Bewegungsunschärfe bis hin zu Bewegungsauslöschung. Wenn ihr mit so einem ND-Filter das Licht wegnehmt, müsst ihr auch tagsüber länger belichten, um etwa ein Gebäude zu fotografieren. Diese längere Belichtung lässt aber auch bewegte Objekte verschwimmen. Und wenn ihr lang genug belichtet, verschwinden sie sogar aus dem Bild. Dieses Phänomen wird gern in der professionellen Architekturfotografie genutzt, um interessante Gebäude ohne Personen oder Verkehr davor aufzunehmen.

Auch in der Naturfotografie haben Graufilter ihre Freunde. Wasserfälle oder bewegte Flüsse scheinen plötzlich eingefroren zu sein. Auch bei Aufnahmen in extrem hellen Umgebungen, wie etwa am Strand, helfen sie dabei, schärfere Kontraste zu erreichen und die Überblendung zu verringern.

Graufilter sind gar nicht so teuer. Ihr bekommt sie . Falls möglich, solltet ihr mit den Filtern eines Freundes ausprobieren, ob ihr damit zurechtkommt und welche Filterstufen ihr für euer Vorhaben benötigt. Unter dem vorherigen Link findet ihr auch günstige Set-Angebote, wie beispielsweise . Durch Doppelgewinde lassen sich die Filter übereinander setzen, sodass ihr weitere Abstufungen erreicht.

Was bedeuten die Abstufungen der ND-Filter und wie setzt man sie ein?

Man sollte immer mehrere Graufilter in verschiedenen Abstufungen bei sich tragen, denn es gibt sie in verschiedenen Graden. Gemessen wird der Wert in Neutraldichte, ND oder NDx. Eine Neutraldichte von 0,0 entspricht einer normalen Glasscheibe. Sie hat eine Lichtdurchlässigkeit von 100 %.

Bei einer ND von 0,3 beträgt diese nur noch 50 %. Hier können schon eine höhere Blendenstufe sowie eine Verdoppelung der Belichtungszeit genutzt werden. Das geht in kleinen Schritten weiter.

Eine Neutraldichte von 3,0 bewirkt schon eine längere Belichtungszeit um den Faktor 1.000. Also könnt ihr eine ganze Sekunde belichten, anstatt 1/1000 zu nehmen. Der Bruchteil der ursprünglichen Lichtmenge beträgt dann nur noch 1/1024.

Die verschiedenen Effekte erfordern unterschiedliche Filterstärken. Das hängt davon ab, was ihr erreichen wollt. Einen Wasserfall mit Schleiereffekt erreicht ihr schon mit einem Graufilter der Stärke ND64. Soll das Meer wie bewegungslos eingefroren aussehen, dann nutzt einen Filter der Stärke ND1000. Den Filter könnt ihr auch für architektonische Aufnahmen verwenden, bei denen die Menschen drumherum verschwinden sollen. Dann könnt ihr auch tagsüber – mit Stativ – 3 Minuten belichten, um menschenleere Plätze zu fotografieren.

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