Ammen-Dornfinger: Neue Giftspinne erobert Deutschland - Was steckt dahinter?

Selim Baykara 2

Der Ammen-Dornfinger sorgt derzeit in den sozialen Medien wie Facebook und Co. für heftige Aufregung. Bei der Giftspinne handelt es sich um eine hochgiftige Webspinne, die bislang nur im Mittelmeerraum heimisch war. Neuen Berichten zufolge wurde der Ammen-Dornfinger jetzt aber auch in Berlin gesichtet. Ist die neue Spinne auch in Deutschland auf dem Vormarsch? Und welche Folgen hat ein Biss auf die Gesundheit? Alle wichtigen Fakten findet ihr in diesem Artikel.

Hoaxes auf Facebook.

Mit dem Klimawandel ändert sich nicht nur das Wetter, sondern auch die örtliche Tier- und Pflanzenwelt. Alte Arten sterben aus, dafür machen sich neue Organismen in unseren Breitengraden heimisch. Ein Neuankömmling sorgt derzeit für heftige Aufregung und erhitzte Gemüter - der Ammen-Dornfinger. Dabei handelt es sich um eine der giftigsten Spinnen Europas: Ein Biss kann ernsthafte Folgen für den Menschen haben - allerdings kannte man die Giftspinne bislang nur aus dem Mittelmeerraum. Das könnte sich jetzt ändern.

Ammendornfinger Artikelbild

Ammendorn-Finger: Wird die Giftspinne jetzt auch in Deutschland heimisch?

Neuen Medienberichten zufolge breitet sich der Ammendorn-Finger zunehmend auch in Deutschland aus. Einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge wird die giftige Webspinne immer häufiger im Raum Brandenburg in der Nähe des Falkensees hinter Spandau gesichtet. Die Zeitung zitiert den Diplom-Biologen Carsten Scheibe, der davor warnt, dass die Giftspinne sich demnächst auch in der deutschen Hauptstadt ausbreiten könne.

Der Ammen-Dornfinger - Wichtigste Facts im Überblick

  • Der Ammen-Dornfinger (wissenschaftlicher Name: Cheiracanthium punctorium) ist eine der giftigsten Spinnen Mitteleuropas und eine Unterart der Webspinnen.
  • Aufgrund der Erwärmung des Klimas wird der Dornenfinger zunehmend auch in Deutschland heimisch.
  • Die Spinne hat einen bräunlich gefärbten Körperr, acht helle Beine und zwei kräftige Kieferklauen, die auch festere Kleidung, z.B. Jeanshosen durchdringen können.
  • Der Dornfinger ist ungefähr 1,5 cm lang - er ist deutlich an dem rotorangenen Vorderkörper zu erkennen, der auch als Warnsignal dient.
  • Ein Biss der Spinne kann medizinisch relevante Folgen haben, z.B. Schüttelfrost oder Erbrechen.
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Bissen sind nicht bekannt.
  • Ab August bauen die Weibchen im hohen Gras Brutnester, indem sie mehrere Pflanzen zusammenbinden.
  • Nach dem Ausbrüten bewacht die Mutterspinne die Eier und später auch die geschlüpften Jungtiere wie eine Amme. Daher rührt auch der Name der Spinne.

Der Biologe ist nicht der Einzige. der vor der neuen Spinnenart warnt. Auch der Spinnenexperte Julian Heiermann sagt: „Zunehmend muss man damit rechnen, dem Ammen-Dornfinger zu begegnen“. Grund für die Ausbreitung sei der Klimawandel und die daraus resultierende Veränderung der Umweltbedingungen. Die Spinne sei „infolge der Klimaerwärmung vom Mittelmeer zu uns gewandert.“ Daneben warnt auch der deutsche Naturschutzbund NABU, dass der Ammen-Dornfinger auf dem Vormarsch sei. Bleibt die Frage: Wie gefährlich ist der Ammen-Dornfinger wirklich? Und wo droht Spaziergängern und Naturliebhabern die größte Gefahr?

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Vorsicht vor Warnungen auf Facebook und Co.

Auf Facebook und anderen Netzwerken. kurieren derzeit verschiedene Warnungen vor dem Ammen-Dornfinger - und wie man das aus den sozialen Medien kennt, wird natürlich mal wieder maßlos übetrieben und mit möglichst schockierenden Überschriften und/oder Fotos Panikmache betrieben. So wie zum Beispiel auf diesem Bild:

Bei der Quelle handelt es sich um die Seite tierfreund.co - einem Ableger von heftig.co, die ja nicht gerade für zurückhaltende Überschriften bekannt sind. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine gezielte Übertreibung: Ja, der Ammen-Dornfinger kann für den Menschen gefährlich werden und ein Biss ist auch durchaus schmerzhaft (siehe nächster Abschnitt). Das heißt aber nicht, dass in jedem Fall Wunden wie in dem Foto oben auftreten. Bei einigen Personen wurden Schwellungen beobachtet, während andere Betroffene unterschiedlich darauf reagierten - ähnlich wie z.B. bei einem Wespenstich, der bei unterschiedlichen Personen auch nicht immer die gleichen Auswirkungen hat.

Facebook Thumbs Down Banner

Daher gilt wie immer: Passt bei solchen Meldungen in den sozialen Netzwerken gut auf. In vielen Fällen geht es dabei nicht hauptsächlich darum, den Leser zu informieren, sondern mit möglichst schockierenden Aussagen zu verunsichern. Dazu kommen Falschmeldungen bzw. Hoaxes, die es dem Nutzer noch weiter erschweren eine echte von einer falschem Nachricht zu unterscheiden.

Wie giftig ist der Ammen-Dornfinger? Was passiert bei einem Biss?

Laut NABU ist der Ammen-Dornfinger die einzige Spinnenart in Mitteleuropa, die in der Lage ist, mit ihren kräftigen Kieferklauen die menschliche Haut zu durchdringen und ihr Gift zu injizieren. Ein Biss der Spinne kann dabei durchaus ernsthafte Folgen haben: Das Nervengift führt zu einem stechenden Schmerz in der Wunden, außerdem schwellen die betroffenen Gliedmaßen unter Umständen stark an.

  • Gebissene vergleichen den Biss der Spinne oft mit einem Wespenstich - ähnlich wie hier sind vor allem Allergiker besonders gefährdet.
  • Bei Allergiker kann es so z.B. zu Herzrasen kommen.
  • In seltenen Fällen kann es neben dem Schmerz auch noch zu Fieber, Kreislaufversagen, Schwindel, Schüttelfrost oder Erbrechen kommen.
  • Nach spätesten drei Tagen sind die Symptome wieder verklungen - allerdings kann der Schmerz auch noch ein wenig länger anhalten.
  • Todesfälle oder bleibende Schäden sind bislang nicht im Zusammenhang mit Bissen des Ammen-Dornfingers bekannt.

Video zum Thema: Geniale Gifte - Tödliche Waffen der Tiere

Wo kommt der Ammen-Dornfinger vor?

  • Ursprünglich stammt der Ammen-Dornfinger aus mediterranen Gefilden südlich der Alpen, in Deutschland wurde die Giftspinne erstmals 1950 in Brandenburg gesichtet.
  • Bevorzugter Lebensraum der Giftspinne ist hohes Gras - der Ammen-Dornfinger ist daher häufig auf Waldlichtungen und Ackerflächen, aber auch an Wegrändern oder Bahndämmen anzutreffen.
  • Als nachtaktives Tier hält sich der Ammen-Dornfinger tagsüber in geschlossenen Wohngespinsten.
  • Generell ist die Spinne eher scheu und ein Einzelgänger.
  • Wird ein Weibchen in ihrem Nest gestört, verteidigt sie es aber aktiv und mit großer Entschlossenheit.
  • Dornfinger leben nur ein Jahr - geschlechtsreife Männchen trifft man üblicherweise von Juni bis September, Weibchen von Juli bis November an.

Kein Grund zur Hysterie

Trotz der jüngsten Berichten in den Medien und teils panikartigen Reaktionen in den sozialen Netzwerken warnen Experten und Insektenforscher vor übertriebener Hysterie. Spaziergänger die sich durch hohes Gras bewegen sollten demnach gut aufpassen - Grund zur Panik bestehe aber nicht. Dem Experten Lars Friman zufolge verkraftet ein Mensch mit durchschnittlicher Konstitution den Biss der Giftspinne „besser als einen Wespenstich.“ Sylvia Voss, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie pflichtet ihm bei: „Bisse, die die menschliche Haut durchdringen, sind ungefährlich, aber unangenehm“.

Zudem dürfe man die Spinnen nicht verteufeln und dämonisieren. „Bis auf wenige in Mitteleuropa beheimatete Arten lähmen und töten alle Spinnen mit Gift“ so die Ärztin, die in ihrer Freizeit die verschiedenen Spinnenarten dokumentiert. Und obwohl Bienen- oder Wespenstiche viel häufiger zustechen, würde deshalb niemand auf die Idee kommen, von „Giftbienen“ zu sprechen.

Lest bei uns auch, was es mit der berüchtigten Bananenspinne auf sich hat.

Bildquellen: Mirko Graul, Rainer Fuhrmann , Nermin1989, Elya Vatel

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