Cannabis gegen Krebs: Erkenntnisse und Vorurteile zu Cannabis als Medizin und Rick-Simpson-Öl

Christin Richter 5

Kann Hanföl Krebs heilen? Das Internet ist voll von Berichten über Hanföl gegen Krebs und der wundersamen Hanfpflanze als Heilmittel. Auch Cannabisöl ist diesbezüglich in aller Munde. Der Anbau, Besitz und Handel mit der als Rauschmittel bekannten Hanfpflanze ist in vielen Ländern im Gegensatz zu Legal Highs wie Cloud Nine und Spice verboten. Lest nachfolgend im Ratgeber, welche Zusammenhänge es bei Cannabis und dem Kampf gegen den Krebs gibt und welche Wirkung Cannabis-Medizin haben kann.

Cannabis gegen Krebs: Erkenntnisse und Vorurteile zu Cannabis als Medizin und Rick-Simpson-Öl

Krebstherapien sind ein heikles Thema. Hanföl soll positive Wirkungen auf Patienten weltweit haben – diesen Eindruck erhalten Suchende, wenn sie das Internet durchforsten. Wird das Potenzial der Hanfpflanze unterschätzt? Was ist dran an den verschiedenen Behauptungen, dass Cannabis Krebs geheilt habe? Hanf ist eine alte Kulturpflanze, die immer wieder für ihre Wirkung gelobt aber auch kritisiert wird. Es kursieren die Theorien, dass Cannabis für die Pharmaindustrie als Krebsmedikament eventuell nicht erträglich genug sei und seine Entwicklung deswegen so lange dauern würde. Auch das Cannabis-Verbot spielt den Forschern nicht in die Karten und bremst hierzulande die Entwicklung. Da ist es kein Wunder, dass beispielsweise das Rick-Simpson-Öl als Wundermittel gegen Krebs gehypt wird. Was ist dran an der Hanföl-Wirkung?

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Wir sind keine Mediziner auf diesem Gebiet und können hier nur eine kleine Auswahl an Informationen als Überblick zum Thema allgemein präsentieren. Es gab über die letzten Jahre viele Einzelstudien und Fälle, die wir hier nicht aufgezählt haben. Wendet euch an euren Arzt oder Experten eures Vertrauens, wenn ihr mehr wissen wollt.

Hanf gegen Krebs: In Israel ist Cannabis als Medizin legal

In Israel wird nicht nur fleißig geforscht, hier gibt es Cannabis als Medikament in Apotheken. Der THC-und CBD-Gehalt variieren und so wird auch für Kinder und Patienten, die nicht rauchen wollen, eine individuelle Dosis und Verabreichungsform gefunden. Staatlich kontrollierte Cannabis-Züchter beliefern die Apotheken und so werden dort beispielsweise Nebenwirkungen bei der Krebstherapie legal gelindert. Allerdings gebe es noch keinen Patienten im größten Israelischen Krankenhaus, der durch die Pflanze von Krebs geheilt wurde (Quelle: Cannabis gegen Krebs Doku auf 3sat).

Cannabis gegen Krebs

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Auswahl an Erkenntnissen zu Cannabis als Medizin gegen Krebs

Burkhard Hinz von der Universität Rostock forscht auch im Bereich Wirkung des medizinischen Marihuanas. Hanf und Cannabis enthalten unterschiedliche Mengen an Cannabinoiden, zu denen auch TetraHydroCannabinol – der berühmt-berüchtigte psychoaktive Stoff THC mit der berauschenden Wirkung – und CannaBiDiol (CBD) gehören. THC wirkt entkrampfend und gegen Übelkeit und Erbrechen bei der Krebstherapie und wird tatsächlich in einigen Kliniken begleitend zur Chemotherapie genutzt. CBD dagegen ist nicht illegal und zur Therapie bei Multiple Sklerose und Spastiken zugelassen (Quelle: welt.de)

Laut Burkhard Hinz bewirke CannaBiDiol, dass sich auf der Tumorzelle Oberflächenproteine ansammeln, auf die eigene Zellen des Immunsystems reagieren. Sie lassen die markierte Tumorzelle zerplatzen (Quelle: n24.de). Diese Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2014 und wurden allerdings nur im Labor durchgeführt.

Cannabis gegen Krebs

Eine weitere vielversprechende Studie namens Do cannabinoids cure cancer? stammt von Dr. Manuel Guzmán (Quelle: cannabis-med.org). Der Professor der Biochemie und Molekularbiologie in Madrid wandte THC bei neun Patienten mit Gehirntumor an, bei denen die Standard-Therapie bislang wirkungslos war. Er vermutet, dass der Tumor zumindest teilweise auf THC reagierte: Im Verlauf der medizinischen Studie wurde das Tumorwachstum gebremst, nachdem THC durch einen Katheter direkt ins Gehirn geleitet wurde. Allerdings besaß er keine Kontrollgruppe und eine zu geringe Teilnehmerzahl, um repräsentative Ergebnisse für die breite Bevölkerung zu erzielen, wie er selbst schreibt.

Es bleiben viele Fragen offen, beispielsweise, ob die Tumore wirklich aufgrund des THCs oder aufgrund der vorherigen Standard-Therapie oder auf deren Kombination erfolgreich war und ob der Tumor von sich aus das Wachstum stoppte.

Dokumentation Cannabis gegen Krebs

In der Doku Cannabis gegen Krebs von 3sat wird gezeigt, wie in einer Universität in Israel unterschiedliche Cannabis-Öle verschiedene Wirkungen auf Krebszellen haben können. Diese vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass das Öl keine Wirkung, aber auch Verformungen und das Absterben der Krebszellen zur Folge haben können. Außerdem erfährt der Zuschauer, dass bislang keine Nebenwirkungen bei dem Einsatz medizinischem Marihuanas eingetreten sind und auch schon mindestens einem Kind in Deutschland so geholfen wird. Der kleine Patient bekommt synthetisches THC und sein Tumor zeigte drei Jahre seit Beginn der Behandlung keine Wachstumstendenz.

Cannabis gegen Krebs: Rick-Simpson-Öl als Heilmittel gegen Krebs?

Rick Simpson ist der Erfinder des gleichnamigen Öls, das er bei sich selbst gegen Hautkrebs angewandt hat. Er hat selbst regelmäßig das Öl per E-Zigarette verdampft. Mittlerweile verbreitet er seinen Erfolg der Krebstherapie mithilfe des Rick-Simpsons-Öls (RSO) weltweit und ist im Internet mittlerweile bekannt. Auch der erfolgreiche Dokumentarfilm „Run From The Cure“ hat ihn berühmt gemacht. Beweise und eindeutige medizinische Zusammenhänge gibt es nicht, besonders kritisch anzumerken ist, dass Rick Simpson ganz von Schulmedizin und den Standard-Therapien zur Krebsbehandlung abrät. Rick Simpson-Öl ist nicht legal zu bekommen sondern sollte selbst hergestellt werden – auch das ist in Deutschland illegal. Das Rick-Simpson-Öl ist aber nicht mit einem CBD-Öl gleichzusetzen. Unterschiede lest ihr auf zamnesia.com.

Vorurteil Abhängigkeit bei Hanfpflanzen

Für Außenstehende wirkt der Einsatz von Cannabis als medizinisches Heilmittel merkwürdig, einige haben das Vorurteil, dass die Patienten abhängig werden könnten. Die Gefahr der Abhängigkeit von Cannabis droht aber nur, wenn man das Gefühl erlebt, high zu werden. In den in einigen Ländern angewandten Konzentrationen und auf den Wegen der Verabreichung tritt dieses Gefühl allerdings nicht auf. Die Wirkung von Hanföl wird schmerzlindernd eingesetzt. Dadurch, dass die Krebspatienten von dem Cannabis nicht high werden, entsteht auch keine Sucht und kein Verlangen, diesen Effekt zu wiederholen.

Cannabis gegen Krebs legal einzusetzen, bleibt ein Thema der Zukunft

Ärzte in Deutschland therapieren bislang auf eigenes Risiko, dass sie die Kosten für die Therapie eines Tages an die Krankenkassen zurückzahlen müssen. Es fehlt noch die fundierte wissenschaftliche Grundlage, allerdings gibt es zig Hinweise. dass Cannabis das Ergebnis einer Standard-Therapie verbessert. Auftrag der Forschung ist jetzt, herauszufinden, welche bestimmten Cannabinoide warum in welcher Menge und welcher anschließenden Dosierung genutzt werden können, um Krebspatienten zu behandeln.

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