Eine tragische Meldung ereilte heute sämtliche Medien - egal ob Radio, Fernsehen oder die großen Online-Magazine (und damit auch uns): Ein 14-jähriger Schüler flippt vollkommen aus, weil ihm seine Eltern den Internetzugang verwehrten. Die ganze Welt ist erschüttert. Ein Kommentar zur Meldung.

 

Videospielkultur

Facts 

Die Tragödie ereignete sich im badischen Eschbach, wo der Junge bis zu 18 Stunden täglich sogenannte „Internetspiele“ spielte. Den Eltern war es irgendwann genug und sie sperrten kurzerhand den Internetrouter weg, um den Jungen wieder zurück ins Leben zu holen.

Doch der Killerspieler* wurde wütend, schlug seine Eltern und beschoss seine Mutter mit einer „Spielzeugpistole“. Die Erziehungsberichtigen wurden nicht Herr der Lage und schalteten die Polizei ein, die den Killerspieler* kurz darauf beruhigen konnte.

Dank des zügigen Handelns der Beamten wurde niemand verletzt. Die Spielzeugpistole wurde vermutlich sichergestellt.

Die Originalmeldung von N24 findet ihr hier.

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9 Gamer-Sprüche, die eure Eltern nicht checken

Kommentar: Es muss ein Killerspiel gewesen sein!

Am schnellsten berichtete die Deutsche Pressegantur (DPA), hierfür möchten wir uns noch einmal herzlichst bedanken. Ohne sie hätten wir von dieser weltbewegenden Geschichte wohl gar nichts mitbekommen. Vielleicht auch, weil jedes andere Magazin ohne Hilfe der DPA nie auf die Idee gekommen wäre, über diesen Quatsch zu berichten.

Für die kleine Familie mag es vielleicht tragisch sein und vielleicht gibt es auch momentan nicht genügend Stoff - aber muss denn wirklich so etwas Thema werden? Alleine schon durch Begrifflichkeiten wie „Internetspiele“ oder „rastet völlig aus“ (wie soll er denn sonst ausrasten? So halb?) lässt sich erkennen, dass hier einfach mal wieder auf diese komischen Internetspiele (oder hat er vielleicht doch nur Farmville gespielt?) gedroschen werden muss.

Natürlich darf in der besagten Meldung die Erwähnung der „Spielzeugpistole“ nicht fehlen. Ob es vielleicht ein Kaliber „Patronen mit Saugnäpfen“ oder vielleicht doch eine Soft Air-Waffe war, werden wir wohl nie erfahren. Natürlich ist vielen, die sich mit dem Thema beschäftigen klar, dass man auch bei einer gepflegten Runde FIFA und einem gezogenen Internetkabel ausrasten kann. Aber nicht den schlecht Informierten, die auch noch ein reißerisches Egoshooter-Bild über dem Artikel präsentiert bekommen.

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Videospiele: RTL berichtet negativ - GIGA reagiert

Leser bekommen eine Meinung aufgedrückt

Bei keinem Thema wird dem Leser mehr eine Meinung aufgedrückt, als bei Computerspielen. Und falls es gerade mal keinen Amoklauf gibt, nimmt man eben einen Teenager, der ausflippt. Was mich aber am meisten enttäuscht, ist die Quelle der News: Die Deutsche Presseagentur. Viele Nachrichtenseiten und Radiosender übernehmen die News häufig, ohne überhaupt einen Blick auf diese zu werfen.

Dabei trägt die DPA eine große Verantwortung und sollte deshalb sorgfältig und gewissenhaft arbeiten. Vor allem sollte dem Leser aber keine Meinung aufgedrückt werden. Genau das ist in diesem Fall meiner Meinung nach passiert. Vielmehr suggeriert das mitgelieferte Titelbild eines Egoshooters geradezu, dass ein Gewalt verherrlichendes Spiel Materie des Streits gewesen sein muss, obwohl dieser Fakt überhaupt nicht bekannt ist.

Falls das nächste Mal das Sommerloch zuschlägt, haben wir noch folgende Themen für euch:

Ehepaar stritt sich heftig - Vase fliegt auf den Boden!

Schülerin bekommt eine schlechte Note und weint trauig!

Redakteur liest einen Artikel über Killerspiele und fasst sich an den Kopf!

*Anmerkung: Vielleicht ein Killerspieler. Oder auch nicht.

Bildquellen: Toxic, Topsailnewsonline, Toledoblade, Allw

Welches Spiel soll ich 2020 spielen? (Quiz)

Martin Malischek
Martin Malischek, GIGA-Experte.

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