Handynacken: Das neue Volksleiden

Kaan Gürayer 10

Ein neues Volksleiden erschüttert die Republik in ihren Grundfesten: der „Handynacken“. Wer ständig mit gesenktem Kopf auf sein Smartphone starrt, warnen Ärzte, setze seinen Nacken extremen Belastungen aus. Folgen könnten Kopfschmerzen und eine dauerhafte Fehlhaltung des Nackens sein. Berechtigte Sorge oder Panikmache? 

Handynacken: Das neue Volksleiden

Unsere moderne Lebensweise kommt ohne Zweifel mit vielen Annehmlichkeiten daher, kann manchmal aber auch krank machen: „Zivilisationskrankheiten“ nennen Mediziner dieses Phänomen. Zu ihnen gehören unter anderem Diabetes, Herz- und Kreislaufkrankheiten und auch Karies. Ob „Handynacken“ aber dazu zählt, wie manche Medien jetzt berichten, darf aber zumindest bezweifelt werden. Worum geht’s? Kern des Problems soll der gesenkte Kopf sein, der mit dem ständigen Schauen aufs Smartphone einhergeht und zu Nackenproblemen führen soll. Laut Kenneth K. Hansraj, einem Wirbelsäulenchirurgen aus New York, kämen viele Nutzer täglich auf bis zu vier Stunden an Smartphone und Tablet. Das kann zu einer Fehlhaltung führen, meint auch Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte: „Wir sprechen seit einigen Jahren in solchen Fällen vom Handynacken“

Eigentlich wiegt der Kopf eines Erwachsenen Menschen im Durchschnitt zwischen 4 bis 6 Kilo. Doch wie Kenneth K. Hansraj in einer Modellstudie 2014 ermittelt hat, steige das Gewicht auf die Halswirbelsäule, wenn der Kopf gesenkt wird. Um zusätzliche 13 Kilo wird die Wirbelsäule belastet, wenn der Kopf um circa 15 Grad nach vorn gebeugt wird. Beim Schauen aufs Smartphone-Display ergebe sich in der Regel aber eine Neigung von 60 Grad – was im Umkehrschluss zu einer Gesamtbelastung für Nacken und Rücken von 27 Kilo führe. Im schlimmsten Fall, wenn die Belastung dauerhaft bleibe, könne das zu Verspannungen, Kopfschmerzen oder gar frühzeitigem Verschleiß der Bandscheiben führen.

„Handynacken“: Wie realistisch ist das Verhalten?

Ohne die Aussagen der Mediziner grundsätzlich in Zweifel zu ziehen, stellt sich dennoch die Frage, wie realistisch das beschriebene Verhalten ist? Wir verharren ja in aller Regel nicht dauerhaft in gesenkter Kopfposition, sondern lediglich für ein paar Sekunden – Smartphone schnell raus, auf WhatsApp antworten und schon verschwindet der mobile Begleiter wieder in der Tasche. Selbst ausgiebige Chat-Sessions werden im Normalfall durch Pausen unterbrochen. Außerdem gibt es die angesprochene Kopfhaltung ja nicht nur bei der Nutzung von Smartphones oder Tablets, sondern auch beim Lesen, Videospielen – und einige Zeitgenossen sollen sich ja sogar mit gesenktem Kopf das Essen reinschieben. Sollen wir dann vom „Buchnacken“, „Nintendo 3DS-Nacken“ oder „Fress-Nacken“ sprechen? Wie immer gilt daher: „Dosis sola venenum facit“ – die Menge macht das Gift. Wer grundsätzlich einen gesunden Lebenswandel pflegt und auf die Zeichen seines Körpers hört, muss sich vor dem „Handynacken“ nicht fürchten.

Quelle: Berliner Morgenpost, via SmartDroid

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