Hannes Bochtler, Anouk Theiler und Co.: Virus per WhatsApp-Kontakt? So ein Quatsch

Martin Maciej

Immer wieder wird auf WhatsApp und Facebook vor bestimmten Kontakten gewarnt, die euer Handy „hacken“ wollen. Besonders populär sind dabei Kontakte mit den Namen „Hannes Bochtler“ und „Anouk Theiler“. Wer die Anfrage annimmt, riskiert angeblich, dass ein Virus die gesamte Festplatte des Computers oder des Handys zerstört. Hier erfahrt ihr, was wirklich dahintersteckt.

Hannes Bochtler ist im Internet inzwischen ein echter Star. Alle paar Monate taucht sein Name in Kettenbriefen auf. Manchmal wechselt der Name und so übernehmen seine„Kollegen“ Marcel Hohmann, Christian WickAnouk TheilerTobias Mathis oder Ute Lehr die Rolle des bösen „Hackers“. Die Warnung wird vor allem über WhatsApp oder per Facebook verbreitet. Demnach handelt es sich bei Hannes Bochtler und Co. um einen Virus. Dieser „fresse“ sich durch die Kontakt-Liste und zerstöre alle Daten auf dem Computer.

An dieser Stelle zunächst einmal eine Entwarnung: Diese Meldung ist falsch. Es gibt keinen Virus-Kontakt namens Hannes Bochtler (oder Marcel Hohmann und so weiter). Bei der Geschichte handelt es sich um einen sehr alten Kettenbrief, der immer wieder aufgewärmt und neu verbreitet wird. Der Fachbegriff für diese Art der Meldungen im Internet lautet Hoax.

Im Video zeigen wir euch, was der Sinn von solchen Hoax-Nachrichten ist:

Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.

Vor Hannes, Anouk,  Marcel, Ute und Co. wird schon seit mehreren Jahren in den sozialen Medien gewarnt. Kettenbriefe dieser Art kursieren immer wieder bei WhatsApp oder in anderen sozialen Medien. Der Text der Warnungen variiert leicht, eigentlich ändert sich aber nur der Name des vermeintlichen „Freundes.“ Angefangen hat es 2012 mit dem Kontakt Marcel Hohmann. Später wurden dann Ute Lehr, Tobias Mathis, Christian Wick, Domenik Beuting und Anouk Theiler daraus. Jetzt sind wir bei Hannes Bochtler angekommen – die Warnung ist aber so falsch wie eh und je.

WhatsApp SIM: Günstig Prepaid-Karte mit LTE-Speed kaufen! *

Hannes Bochtler und Co.: Warnung vor Hacker auf WhatsApp

In der Nachricht heißt es, dass sich hinter der Kontakt-Anfrage von Hannes Bochtler ein gefährlicher Virus verberge. Auch vor einer Telefonnummer wird gewarnt. Man dürfe den Anruf keinesfalls annehmen, da hier ein Hacker dahinterstecke. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, sollte man allerdings erkennen, dass die Warnung Unfug und frei erfunden ist. Der Erfinder des Kettenbriefes schmeißt einfach unterschiedliche Sachverhalte in einen Topf.

  • Ein Virus kann nicht einfach aufs Handy oder auf einen Computer gelangen, indem man einen Kontakt hinzufügt.
  • Eine Verbreitung des Virus über die Kontaktliste in WhatsApp ist ebenfalls nicht einfach so möglich.
  • Die Festplatte des Computers hat mit dem Handy überhaupt nichts zu tun.
  • Gleiches gilt für die Telefonnummer des angeblichen Hackers: Per Anruf kann man kein Smartphone hacken oder irgendwelche Viren verbreiten.
  • Bei WhatsApp kann man gar keine Kontakte annehmen. Hat ein Nutzer eure Telefonnummer, können euch ohne vorherige Bestätigung Nachrichten verschickt werden. An anderer Stelle erfahrt ihr, wie ihr mit WhatsApp-Nachrichten von Unbekannten umgehen solltet.

In der Warnung werden also verschiedene Dinge miteinander vermischt, die man alle schon einmal gehört hat und die auch tatsächlich existieren. Ja, es gibt Apps, die unzulässigerweise auf die Kontaktliste zugreifen. Es gibt gefährliche Ping-Anrufe, bei denen man unwissentlich per Telefon abgezockt wird. Und ja… natürlich gibt es auch Hacker, die Viren verbreiten – auch per Smartphone. Das eine hat mit dem anderen aber erst einmal nichts zu tun!

Die Geschichte ist also frei erfunden. Ihr müsst nicht befürchten, dass euer Handy von einem bösen Hacker angegriffen oder über einen Kontakt mit einem Virus infiziert wird. Einen Hannes Bochtler gibt es aber übrigens wirklich. Er ist Verteidiger beim Fußball-Sechstligisten SV Egg aus dem Allgäu. Regelmäßig dürfte er sich vermutlich wundern, warum alle nach seinem Namen googeln…

Hier haben wir die Top 10 der bescheuertsten Hoaxes auf Facebook zum Nachlesen zusammengestellt. Unglaublich, dass so viele Leute diese Meldungen ernst nehmen…

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Facebook-Hoaxes: Diese 10 Falschmeldungen sind so dumm, dass wir weinen müssen .

Ute Lehr, Hannes Bochtler und Co.: Das steckt hinter dem Hoax

Bei der Warnung vor Hannes Bochtler, Anouk Theiler, Tobias Mathis, Ute Lehr und wie sie auch immer heißen mögen, handelt es sich um eine moderne Form des altbekannten Kettenbriefs. Diese Botschaften wurden früher per Post verschickt, heute läuft das Ganze über die sozialen Netzwerke wie WhatsApp und Facebook. Meistens handelt es sich dabei um schockierende Meldungen oder Warnungen, die man mit so vielen Bekannten und Freunden teilen soll. Schickt man die Meldung nicht weiter, drohen negative Konsequenzen. In frühen Brieftagen sollte so ewiges Pech auf jemanden warten, im digitalen Zeitalter sind angeblich die eigenen Daten und Geräte in Gefahr. Die Mehrzahl dieser Nachrichten ist frei erfunden. Weil fast jeder WhatsApp und Co. nutzt, erreichen die Meldungen dennoch ein sehr großes Publikum und sorgen regelmäßig für Aufsehen.

In den meisten Fällen tauchen diese Meldungen nach einer gewissen Zeit erneut auf, häufig auch in leicht abgewandelter Form, so wie auch jetzt bei dem angeblichen Virus Hannes Bochtler/Ute Lehr/ Ute Christoff. Um der Meldung zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, wird auf eine angebliche Berichterstattung bei einem großen TV-Sender verwiesen. Weder RTL oder Sat.1, noch „EUROP1“, haben eine Warnung vor den genannten Kontakten ausgesprochen. Wenn ihr einige dieser Kettenbriefe auf WhatsApp und Co. gesehen habt, erkennt ihr recht schnell die (immer gleichen) Muster:

  • Die Warnung ist meist besonders dringend und sensationserregend.
  • Der Nutzer soll aktiv werden und die Meldung mit so vielen Kontakten wie möglich teilen.
  • Belastbare Quellen fehlen meistens oder werden nur namentlich erwähnt, aber nicht verlinkt (so wie hier der Verweis auf RTL).
  • Die Meldung taucht ausschließlich in den sozialen Medien auf.

Warnung auf WhatsApp und Co. erhalten: Wie reagiert ihr?

Was macht ihr, wenn ihr solche Kettenbriefe oder Warnungen bekommt? Löschen oder doch lieber mit anderen Leuten teilen? Nehmt an unserer Umfrage mit und erfahrt, wie sich die anderen Leser verhalten.

Fazit: Erhaltet ihr bei WhatsApp und Co. eine Warnung vor bestimmten Kontakten, könnt ihr die Mitteilung getrost löschen. Weist zudem euren Chatpartner darauf hin, dass nicht jede noch so sensationell erscheinende Nachricht blind weitergeleitet wird. In der Regel werden hierdurch Kettenbriefe am Leben gehalten und WhatsApp-Nutzer regelmäßig genervt. Gleichzeitig solltet ihr aber natürlich vorsichtig sein, wenn ihr Kontaktanfragen von euch unbekannten Personen erhaltet. Hinterfragt diese Kontaktanfrage. Betrüger können zum Beispiel als Facebook-Freund Zugriff auf Daten erhalten, die ihr vor der Öffentlichkeit im sozialen Netzwerk verbergt.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA TECH

* gesponsorter Link