Killer-Clowns 2017: Das steckt hinter dem Grusel-Trend

Selim Baykara 28

Die Killer-Clowns sind zurück! Nachdem die gruseligen Gestalten letztes Jahr für einen Riesenwirbel in den sozialen Medien – allen voran Facebook – sorgten, droht jetzt die Neuauflage des Spuks. Nicht nur, dass bald wieder Halloween ansteht, in Kürze startet zudem die Neuverfilmung des Stephen-King-Horror-Klassikers „Es“ mit dem Clown Pennywise. Die Polizei warnt vor einer Neuauflage des Grusel-Clown-Phänomens.

Video: Das steckt hinter Fakes im Internet

Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.
Die Horror-Clowns tauchten zunächst in den USA auf: An einigen Orten in Amerika verkleideten sich einzelne Personen mit Clown-Masken und Kostümen und erschreckten ihre Mitmenschen. Dieser Trend schwappte Ende 2016 nach Deutschland über und sorgte für einen Riesenwirbel auf Facebook und Co. Selbst der Innenminister und andere Politiker äußerten sich zu dem Thema – streckenweise schien es fast so, als stände ein Bürgerkrieg bevor.

Ein Jahr später redet niemand mehr über die Horror-Clowns – das könnte sich aber bald ändern.

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Facebook-Hoaxes: Diese 10 Falschmeldungen sind so dumm, dass wir weinen müssen .

Ende September läuft die Neuauflage des Stephen-King-Klassikers „Es“ und ja… in dem Film gab es doch auch einen Bösewicht im Clowns-Kostüm. Clown Pennywise ist in der Geschichte das personifizierte Böse und nährt sich von der Angst der Kinder. Waren die Killer-Clowns letztes Jahr vielleicht nur ein Vorgeschmack, auf das was uns jetzt erwartet? Die Polizei warnt jedenfalls schon einmal vor dem Kinostart.

Killer-Clowns 2017: Polizei befürchtet Eskalation

Die Grusel-Clowns waren vor allem in den USA ein großes Problem - teilweise gab es tatsächlich Fälle, in denen als Clown verkleidete Randalierer physische Gewalt anwendeten.  Vor dem Filmstart von „Es“ warnen die Beamten der Pennsylvania State Police deshalb schon einmal vorsorglich vor einer Neuauflage des Spuks.

Die Befürchtung der Polizisten: Wenn Killer-Clown Pennywise auf der Leinwand sein Unwesen treibt und Kindern nachstellt, könnte das einige Leute dazu animieren, ihre Clowns-Kostüme wieder aus dem Schrank zu holen und ebenfalls auf die Jagd zu gehen.

Die Beamten fordern die Bürger daher auf, jeden Grusel-Clown sofort der Polizei zu melden. In Deutschland wurden noch keine Warnungen erlassen – wir hoffen natürlich, dass es dieses Jahr bei uns ruhig bleibt. Realistischerweise muss man aber damit rechnen, dass zumindest Einzelne den Kinostart von „Es“ zum Anlass nehmen, ihre Mitmenschen zu erschrecken.

Um euch auf den Stand der Dinge zu bringen, haben wir unseren Artikel vom letzten Jahr noch einmal aktualisiert: Wir fassen die Ereignisse von Ende 2016 zusammen, erläutern, woher der Trend überhaupt kommt und klären, ob ihr euch demnächst wirklich Sorgen machen müsst, wenn ihr nachts alleine auf die Straße geht.

Grusel-Clowns: Trend aus den USA jetzt auch in Deutschland

Ursprünglich stammt der Clown-Trend aus den USA - das Phänomen ist dort unter dem Namen Creepy Clown bekannt und noch relativ neu. Die ersten Clown-Sichtungen gab es schon 2014, allerdings nur im kleinen Rahmen und an wenigen Orten.

  • Letztes Jahr begann die Hysterie im August 2016 in Wisconsin: Einwohner beobachteten einen Mann, der in einem Clowns-Kostüm mit einem Haufen schwarzer Luftballons herumwanderte.
  • Zahlreiche Leute fühlten sich davon verunsichert und riefen daraufhin die Polizei – letztlich stellte sich aber heraus, dass der Mann Schauspieler war und Werbung für einen Film machte.
  • Einige Zeit Später berichteten Augenzeugen in Süd-Carolina wie sie angeblich Personen in Clowns-Kostümen in den Wäldern beobachtet hätten.
  • Danach folgten weitere Berichte, unter anderem auch von Kindern, die sich bedroht fühlten – damit war die Clown-Hysterie in den USA in vollem Gange.
  • Anschließend wurden die Clowns auch in Schweden, England und den Niederlanden gesichtet.

Wer steckt hinter den Grusel-Clowns?

Natürlich gibt es sehr viele Gründe, die jemanden dazu bewegen können, sich ein Clowns-Kostüm abzuziehen und seine Mitmenschen zu terrorisieren: Boshaftigkeit, Langeweile, ein falsch verstander Sinn für Humor, vielleicht sogar Neugier. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten:

  • Viele Killer-Clowns sind Teil der sogenannten Prank-Szene, die sich vor allem auf YouTube organisiert (Prank, engl.: Scherz, Streich).
  • Dabei verkleiden sich Personen als Horror-Clowns erschrecken andere Leute und filmen die Reaktionen – anschließend veröffentlichen sie Videos davon auf YouTube.
  • Befeuert wird das Phänomen vor allem durch die sozialen Medien - auf Facebook, Twitter und Co. veröffentlichen die Leute Bilder und Videos mit den Horror-Clowns und schüren damit die Angst in der Bevölkerung.
  • In der USA wurde deshalb sogar schon die McDonalds-Werbe-Ikone Ronald McDonald aus der Öffentlichkeit verbannt.

Gruselige Gestalten auch in deutschen Städten unterwegs?

Ende 2016 schaukelte sich das Clown-Phänomen auch in Deutschland immer weiter hoch –  zunächst über WhatsApp-Gruppen und auf Facebook, einige Tage dann auch in Tageszeitungen, Online-Magazinen, bis zuletzt die „Tagesschau“ und das „Heute Journal“ darüber berichteten. Auf dem Höhepunkt der Hysterie mischte sich sogar der Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein und forderte ein entschlossenes Vorgehen. Solche Entwicklungen müsse man möglichst frühzeitig bekämpfen, die Täter müssten zudem mit „null Toleranz“ bestraft werden.

Harte Worte, die aber der allgemein vorherrschenden Stimmung entsprachen. In den Tagen zuvor hatten sich Berichte über angebliche Clown-Sichtungen und Zwischenfälle mit Clowns gehäuft. Ein als Clown maskierter Unbekannter hatte etwa einen 19-jährigen in Rostock mit einem Baseball-Schläger angegriffen, kurz davor wurde ein 15-Jähriger von einem Clown mit Messer bedroht. In Berlin kam es sogar zu einem Angriff auf einen Horror-Clown: Im Stadtteil Lichterfelde stach ein 14-Jähriger auf einen Clown ein, nachdem dieser eine Gruppe von Jugendlichen mit einem Hammer bedroht hatte. Dabei verletzte er den Clown lebensgefährlich.

Ironie der Geschichte: Die beiden kannten sich aus der Nachbarschaft, die Aktion sollte eigentlich ein Streich sein. Polizeisprecher Thomas Neuendorf sagte damals: „Gestern Abend ist das passiert, was wir immer befürchtet haben, dass das Ganze eskaliert ist.“ Dennoch riet er davon ab, Widerstand zu leisten. „Aus unserer Sicht ist es tatsächlich besser wegzulaufen, weil so eine Sache eskalieren kann.“ Anschließend solle man dann die Polizei über den Vorfall informieren.

In Videos auf YouTube werden die gruseligsten „Clown-Sichtungen“ gezeigt – in vielen Fällen handelt es sich dabei einfach um nachgestellte Szenen:

Fake-Meldungen über Killer-Clowns im Netz

Wer sich im September 2016 auf Facebook einloggte, konnte den Eindruck gewinnen, dass in Deutschland ein Großangriff der Killer-Clowns bevorstehe. Tatsächlich gab es auch in Deutschland einzelne Fälle, in den sozialen Medien wurde aber ein verzerrtes Bild der Realität erzeugt, da anscheinend plötzlich überall Clowns auftauchen. Dem war natürlich nicht so. Viele Berichte über angebliche Clown-Sichtungen waren schlichtweg unwahr und reine Panikmache.

Mit anderen Worten: Der Hype um die Grusel-Clowns spielte sich weitgehend im Internet ab.

Die Panikmache hatte nur sehr wenig mit der Realität zu tun und beruhte vor allem auf unbestätigten Gerüchten. Es gab zwar vereinzelt Berichte über Zwischenfälle mit als Clown verkleideten Personen – der Großteil der Meldungen wurde aber ungefprüft in Facebook-Gruppen oder per WhatsApp verbreitet. Auf Facebook gab es zeitweise sogar „Anti-Clown-Gruppen“, die Besucher dazu aufforderten, Bilder von Clowns zu veröffentlichen oder selbst auf die Clown-Jagd zu gehen.

In der allgemeinen Katastrophenstimmung ging unter, dass nur sehr wenige tatsächlich gemeldete Fälle existierten. Bei den Polizeidienststellen war man sich daher auch skeptisch. „Weder gibt es eine amtliche Bekanntmachung der Polizei, noch haben wir einen aktuellen Fall“, sagte etwa der Polizeisprecher von Neumünster. Er reagierte damit auf eine gefälschte Pressemitteilung der Polizei, die angeblich vor den Clowns warnte.

Auf Facebook ging die Panikmache trotzdem munter weiter. Zeitweise prüfte die Polizei sogar, wie man gegen Falschmeldungen und gefakte Warnungen vor den Horror-Clowns rechtlich vorgehen kann. Teilweise offenbarte die Hysterie ein erschreckendes Ausmaß an Naivität: In Köln verabredeten sich etwa mehrere Nutzer von Facebook, um eine Hetzjagd auf die Clowns zu veranstalten - aufgrund einer ebenfalls gefälschten Warnung, wohlgemerkt.

Die Berliner Polizei warnte auf Facebook vor den gefälschten Clown-Sichtungen: Eine Reaktion auf zahlreiche Falsch-Meldungen über angebliche Übergriffe bewaffneter Clowns in der Hauptstadt:

Immerhin konnte die Polizei aber auch einen Erfolg gegen die Killer-Clowns verbuchen, Am 25.10. 2016 nahmen die Beamten einen 23-jährigen Mann im brandenburgischen Wandlitz (in der Nähe von Berlin) fest. Damit gab es dann auch erstmals einen Hinweis über die soziale Herkunft der Täter im Clowns-Kostüm sind: Es handelt sich dabei um einen Energieelektroniker. Für Störung der öffentlichen Ordnung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.

Vielleicht haben wir uns aber auch alle getäuscht und die Grusel-Clowns sind schon viel länger unter uns:

Killer-Clown gesehen: Was tun?

Falls euch tatsächlich mal ein gruseliger Clown über den Weg läuft (nein, damit meinen wir nicht Mario Barth…), empfiehlt es sich ruhig zu bleiben und im Notfall die Polizei zu rufen. Leute, die auf Facebook und Co. zur Selbstjustiz gegen die Clowns aufrufen, solltet ihr melden. Wenn Horror-Clowns andere Leute zum Spaß erschrecken ist das nicht lustig und kann gegebenenfalls auch bestraft werden – anzudrohen die Clowns krankenhausreif zu prügeln oder gar umzubringen ist keinen Deut besser.

Killer-Clown-Säuberung vor Halloween - The Purge in Echt?

Gänzlich auf die Spitze getrieben wurde die Hysterie um die Grusel-Clowns mit der Behauptung, dass pünktlich zu Halloween eine „Killer-Clown-Säuberung“ anstehe. Diese Nachricht wurde vor allem auf WhatsApp geteilt und sorgte für große Unsicherheit.

Die Empfänger der Nachricht wurden gebeten in der Nacht vom 31.10. auf den 01.11. 2016 nicht das Haus zu verlassen sowie die Türen und die Fenster zu verriegeln. Wie üblich bei Kettenbriefen auf WhatsApp und Co. sollte man die Nachricht an so viele Bekannte und Kontakte wie möglich verteilen, damit diese ebenfalls davon erfahren.

Grund: In der Nacht auf Halloween würden sich angeblich alle Clowns zusammenschließen, um einen Großangriff zu starten. Geplant sei, eine Nacht lang wahllos Schrecken zu verbreiten und Menschen zu ermorden, ohne dafür bestraft zu werden - also quasi wie in dem düsteren Film-Spektakel The Purge, nur in Echt. Dass es sich hierbei um völligen Blödsinn handelt, sollte man eigentlich nicht weiter erklären müssen.

Dass man es doch tun muss, ist ein trauriges Beispiel für die mangelnde Medienkompetenz vieler Internetnutzer: Anstatt Fiktion und tatsächliche Ereignisse sauber zu trennen wird alles in einen Topf geworfen. Anschließend wird das Ganze noch schnell durch die sozialen Netzwerke gejagt und man muss nur noch abwarten bis die Herde in Panik gerät…

Selbst der Schriftsteller Stephen King, Erfinder des Horror-Clowns Pennywise aus dem Roman „Es“ meldete sich daraufhin zu Wort. Sein Appell: Lasst die Clowns in Ruhe, die meisten von denen wollen nichts Böses und bringen Kinder zum Lachen.

Hype um Killer-Clowns: Alles nur ein Fake?

Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Wieso konnte so ein Hype um die Grusel-Clowns entstehen? Warum berichteten selbst Tageszeitungen darüber, während Rechtsanwälte ernsthaft die juristischen Folgen von Killer-Clown-Übergriffen diskutierten. Woher kommt das Interesse und die mediale Aufmerksamkeit für ein im Grunde recht banales Netz-Phänomen?

Vermutlich spielt der gravierende Wandel im Umgang mit Medien eine Rolle: Weite Teile der Bevölkerung nutzen inzwischen Facebook, um sich zu informieren, und nicht mehr „traditionelle“ Berichterstatter wie Fernsehen oder Zeitung. Problem: In den sozialen Medien kann jeder das veröffentlichen kann, worauf er gerade Lust hat – das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker, Panikmacher und alle die es schon immer besser gewusst haben.

Leider ist aber auch das Publikum teilweise mitschuldig: Viele Nutzer lesen Nachrichten und Beiträge im Netz nur noch oberflächlich, interessieren sich nicht dafür, wer die Quelle für die Meldung ist (ganz zu schweigen davon, ob diese überhaupt seriös ist) und teilen jede noch so abwegige Geschichte in Windeseile mit Freunden und Bekannten. Auf diese Weise entstehen dann aus Spekulationen und wilden Gerüchten Geschichten wie die Rauchmelder-Bande, die Streichung des Kindergeldes oder eben der Angriff der Killer-Clowns.

Traurig aber wahr: Inzwischen gibt es sogar Internet-Seiten auf denen man sich mit wenigen Klicks seine eigenen Fake-News zusammenbasteln kann, um andere Leute zu veralbern. Gerade bei den Clown-Sichtungen stammten unzählige der Meldungen von dem Portal 24aktuelles.com. Hierbei handelte es sich schlicht und einfach um Fälschungen.

Generell gilt bei solchen Meldungen:

  • Checkt, wer hinter der Nachricht steht und wer die Quelle ist.
  • Informiert euch nicht nur in den sozialen Medien über aktuelle Ereignisse, sondern lest Zeitung, Magazine und verfolgt regelmäßig die Nachrichten.
  • Fragt euch immer, ob die Quelle einer Nachricht seriös ist.
  • Checkt ob andere seriöse Nachrichten-Seiten (z.B. Spiegel Online), Zeitungen im Netz oder das TV über den Sachverhalt berichten.
  • Ereignisse und Horror-Meldungen, über die ausschließlich in den sozialen Medien berichtet wird, stellen sich in den allermeisten Fällen als Fake heraus.
  • Wir zeigen euch auch, wie ihr einfach Fake-News auf Facebook, Google und Co. erkennen könnt.

Der wohl wichtigste Tipp: Verbreitet auf keinen Fall irgendwelche Meldungen über angebliche Clown-Sichtungen, sofern diese nur auf Hörensagen und Gerüchten beruhen! Dadurch kann am Ende niemand mehr sagen, was echt und was nur erfunden ist – genau das ist das Hauptproblem dieser ganzen Clownerei.

Warnung auf WhatsApp und Co. erhalten: Wie reagiert ihr?

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