Close to the Sun im Test: Ist halt kein BioShock ...

Marco Mainz

Ein gigantisches Schiff, eine Prise Teslapunk und dazu ein paar optische Anleihen zu BioShock: Voilà, das ist das First-Person-Horror-Adventure Close to the Sun. Wir wissen, wie sich das Indie-Werk vom italienischen Studio Storm in the Teacup schlägt.

Wir befinden uns in einer alternativen Zeitlinie des 19. Jahrhunderts. Der große Erfinder Nikola Tesla hat es mit seinem Energieunternehmen Wardenclyff zum Oligarchen geschafft. Er versammelt die klügsten Wissenschaftler auf der Helios – einem riesigen Schiff, das über die Weltmeere schippert – und bietet ihnen einen sicheren Ort für ihre Forschungen. Weit weg von Politik und jenseits von Ländergrenzen.

Die Utopie auf hoher See

Du schlüpfst in die Rolle der Journalistin Rose Archer. Ihre kleine Schwester Ada ist Passagierin auf der Helios und bittet Rose in einem Brief um ihr Kommen. Was zunächst nach einem netten Familienbesuch klingt, entpuppt sich an Bord schnell als tödliche Falle. Das Schiff steht unter Quarantäne. Jede Ecke des stählernen Riesen wird gesäumt von zerfetzten Leichen und abgetrennten Gliedmaßen. Was ist auf der Helios geschehen? Wo ist Ada? Die Antworten zu finden, ist Ziel des Spiels.

Sprechen wir gleich den Elefanten im Raum an: Das Spiel erinnert auf den ersten Blick an die kultige BioShock-Serie. Nicht nur wegen des mehr als anschaulichen Designs im Art déco-Stil. Es ist vor allem der Utopie-Gedanke der Helios, den wir so ähnlich bereits aus Bioshocks Unterwasserstadt Rapture und der Wolkenstadt Columbia kennen. Das Motiv der letzten unabhängigen Bastion einer elitären Gesellschaft kommt auch in Close to the Sun zum Tragen.

Wie BioShock-ähnlich das Spiel aussieht, zeigt sich im Trailer zu Close to the Sun:

Close to the Sun – Launch Trailer.

Und doch ist das Spiel anders. Besonderer Fokus wird beispielsweise auf Nikola Tesla gelegt – eine reale Person also und keine fiktive. Alles dreht sich um die Frage, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn der Erfinder mit allen seinen Forschungen Erfolg gehabt hätte. Kein Wunder also, dass innerhalb des Titels ein wahrer Kult um den Mann herrscht. Ja, sogar ein ganzes Museum zu seinen Arbeiten ist auf dem Schiff begehbar. Inszenatorisch gibt es hier nichts zu mäkeln.

Horror? Zu wenig – Rätsel? Zu einfach

Kommen wir zum Gameplay. Der größte Teil deiner Aufgaben im Spiel besteht aus kleinen Rätseln, die sich in dem schlauchigen Spiel verteilt finden lassen. Ein bisschen Schalter ziehen hier, etwas Kurbel drehen dort und tada: der Weg ist frei. Fordernd sind die kleinen Knobeleien nun wirklich nicht, sie eignen sich aber gut als Pausen zwischen den explorativen Abschnitten. In der schwimmenden Metallkonstruktion lässt sich nämlich immer etwas entdecken. Ob nun Briefe oder Zeitungen: die schriftlichen Hinterlassenschaften geben dir stets einen guten Eindruck über die Hintergrundgeschichte. Und da endet die Gameplay-Variation auch schon wieder; spielerisch viel zu bieten hat Close to the Sun nun wirklich nicht.

Wirklich gruseln kannst du dich in diesen kommenden Schockern:

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Und auch das Setting wird mehr oder weniger verschenkt. Das Horror-Adventure wartet in seinen zehn Kapiteln zwar mit einer düsteren Atmosphäre auf. Wirklich gruselig wird es allerdings nie – und das obwohl sich Protagonistin Rose nicht zu wehren weiß und Feinden damit widerstandslos ausgesetzt wäre. Statt Kugelgewitter gibt es also hin und wieder gescriptete Verfolgungssequenzen. Leider sind diese nicht nur äußerst anspruchslos, sondern auch wahnsinnig fummelig in der Steuerung und damit nichts weiter als nerviges Beiwerk.

Mein Test-Fazit: Es ist halt kein BioShock

Close to the Sun hat viel Potential. Das Setting um den utopischen Ozean-Dampfer Helios und seinem Schöpfer Nikola Tesla macht neugierig. Nur leider besinnt sich der Indie-Titel nicht auf diese Stärken, sondern vergaloppiert sich recht früh in einer immer epischer werdenden Story. Das ist angesichts des ohnehin schon geringen Umfangs des Titels nicht wirklich förderlich.

Gerade mal fünf Stunden werden für einen Spieldurchlauf benötigt. Der anschließende Wiederspielwert hält sich in Grenzen, dafür sind die Level zu schlauchig, die Story zu 0815 und der spielerische Anspruch zu niedrig. Close to the Sun ist halt kein Bioshock …

Wird dir gefallen, wenn du auf kurzlebige Adventures im Teslapunk-Setting stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn dir ein ausgeklügeltes Gameplay wichtiger als die Story ist.

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