Crossing Souls im Test: Ein Ausflug in die 80er

Constantin Krüger

Crossing Souls ist ein Adventurespiel, dass sich stark an den Serien, Filmen und Spielen der späten 80er und frühen 90er Jahre orientiert. Nostalgie ist vorprogrammiert!

Dürfen wir vorstellen: Crossing Souls!

Crossing Souls: Wir spielen das Retro-Action-Abenteuer.

„Das ist doch bestimmt nichts für mich“ denke ich. Immerhin bin ich erst 1994 geboren worden und 90 Prozent der Witze und Anspielungen werde ich bestimmt nicht verstehen. Weit gefehlt! Crossing Souls versteht sich gut darauf, den Spieler auf eindrucksvolle Weise mit Nostalgie zu unterhalten. Selbst diejenigen, die zur fraglichen Zeit noch gar nicht geboren waren.

Amerika 1986

Eine typische amerikanische Kleinstadt der späten 80er Jahre: Während einer Sommernacht verdunkelt sich der Himmel, als ein gewaltiger Sturm heraufzieht. Eine seltsame Spannung liegt in der Luft und plötzlich schlägt ein grell rosafarbener Blitz nahe dem kleinen Städchen ein, gefolgt von einem unheimlichen Heulen.

Hier beginnt die Geschichte von Crossing Souls. Du übernimmst die Kontrolle über Chris und seine Freunde Matt, Big Joe, Charlie und Kevin. Die Sommerferien haben gerade begonnen und die Clique freut sich auf einen Sommer voll Spaß und Abenteuer. Doch all diese Pläne werden zunichte gemacht, als die fünf Freunde im Wald einen grausamen Fund machen, der ihr Leben für immer verändert. Seltsame, angsteinflößende Dinge geschehen. Wer sind die seltsamen Männer, die die Kinder jagen? Und was hat die Regierung mit der Sache zu tun?

Crossing Souls orientiert sich stark an Spiel- und Serienformaten der 80er Jahre und spiegelt in der Zusammensetzung der bunten Teenager-Truppe zahlreiche Klischees der damaligen Zeit wider.

Chris ist ein taffer Sportler, versierter Baseballspieler und der Anführer der Gruppe. Als Sportskanone ist für ihn das Erklimmen von Wänden kein Hindernis. Außerdem weiß er sich gut zur Wehr zu setzen und schwingt seinen Baseballschläger mit großem Geschick nicht nur gegen Bälle. Chris Schwachstelle ist Charlie, in die er total verknallt ist.

Charlie ist das einzige Mädchen in der kleinen Truppe. Entgegen aller Behauptungen ist sie keinesfalls ein schwaches, hilfsbedürftiges Mädchen, sondern eine taffe, flinke Teenagerin, die den Jungs dank ihrer Agilität in nichts nachsteht. Zur Verteidigung schwingt Charlie ihr Springseil, mit dem sie sich zur Not auch mehrere Gegner auf einmal vom Hals halten kann. Ab und zu kommt sie mit Chris ins turteln, was die anderen Mitglieder der Clique mit Belustigung zur Kenntnis nehmen.

Matt ist das Gehirn und der Verstand der Gruppe. Aus einer Familie voller Forscher stammend, ist er ein Ass in der Schule, das in der Freizeit liebend gerne an den eigenen Erfindungen herumbastelt. Mit seinem kreativen Verstand war Matt in der Lage, sich eine Gammastrahlen-Pistole zu bauen, mit der er seinen Feinden eins auf den Pelz brennt. Auch seine Schuhe hat er kreativ aufgerüstet. Sie verfügen über Schubdüsen, die es ihm erlauben für eine kurze Zeit zu schweben und so selbst die größte Kluft unbeschadet zu überqueren. Als Stimme der Vernunft in der Gruppe hat er es manchmal nicht leicht, sich gegen die anderen durchzusetzen.

Big Joe ist ein Berg von einem Teenager und leidenschaftlicher Esser. Groß und schwerfällig bringt er mehr als nur ein paar Pfund zu viel auf die Waage, verfügt dafür aber über unglaubliche Kräfte, die es ihm ermöglichen schwere Gegenstände zu bewegen. Auch im Kampf ist Big Joe alles andere als hilflos. Obwohl er wegen seiner Figur nicht ganz so schnell ist wie seine Kameraden, verfügt er doch über eine sehr hohe Vitalität und einen Schlag, der es in sich hat. Er sieht sich selbst als Beschützer der Gruppe und seine Gutmütigkeit findet ein jähes Ende, wenn er sich oder seine Freunde bedroht sieht. Seine größte Schwäche ist sein Aberglaube, der Big Joes Knie weich werden lässt, wann immer es um Geister oder Übernatürliches geht.

Der letzte im Bunde ist Kevin. Er ist Chris kleiner Bruder und das jüngste Mitglied der Gruppe. Obwohl seine lebendige und quirlige Art den Großen zuweilen auf die Nerven geht, so sehen sie ihn doch als festen Bestandteil der Gruppe an. Kevin hat nur Unsinn im Kopf und ist immer darauf aus, seine Freunde zum nächsten (unerlaubten) Abenteuer zu überreden.

Nostalgie pur

Das Spiel setzt auf eine charmante Pixelgrafik, in der sehr viel Liebe zum Detail steckt. So wie jeder Charakter über seine eigene Persönlichkeit verfügt, gibt es auch dazugehörige Animationen, die jedes Mitglied ausmachen. Lässt man für einige Sekunden die Finger vom Controller, fangen die Charaktere eigenständig an, sich zu beschäftigen. Matt hantiert an seiner Strahlenkanone, Big Joe spielt Basketball und Kevin setzt sich auf den Boden und beginnt mit Murmeln zu spielen. Die Detailversessenheit ist ein großer Pluspunkt des Spiels und macht den Reiz des Ganzen aus. Es gibt immer etwas zu entdecken. Die Grafik passt zum Spielgefühl, das Crossing Souls zu vermitteln versucht.

Nachdem die Gruppenmitglieder nach und nach vorgestellt wurden, steuerst du immer nur eine Person, wenn du in der Welt unterwegs bist. Dabei kannst du zwischen den Charakteren wechseln, um auf die jeweilige Situation zu reagieren. Eine steile Wand erklimmt Chris, während Matt mit seinen Raketenschuhen die Sprünge übernimmt, die selbst für Chris zu weit sind. Gegen besonders hartnäckige Gegner bietet sich der Kampf mit Big Joe an, da er viele Leben hat und seine Angriffe mehr Schaden machen, als die seiner Freunde. Wenn viele kleine Gegner (wie beispielsweise Ratten) angreifen, bietet sich jedoch Charlie an, die ihr Springseil wie eine Peitsche in einem weiten Bogen schwingen kann und so mehrere Gegner auf einmal verletzt. Der Wechsel der Spielecharaktere geht flüssig vonstatten, und ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in Fleisch und Blut übergegangen.

Auch die Gegnertypen unterscheiden sich und bieten abwechslungsreiche Kämpfe. Von Gangmitgliedern der Stadtbösewichte „Purple Skulls“ bis hin zu großen Bossfights, bei denen du im Kampf oft zwischen den fünf Freunden wechseln musst, um dich der jeweiligen taktischen Situation anzupassen. Obwohl die Kämpfe abwechslungsreich und unterhaltsam sind, schafft es das Spiel nicht, dir auf die Dauer eine Herausforderung zu bieten. Hier macht sich das Fehlen verschiedener Schwierigkeitsgrade bemerkbar. Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad wäre dem Wiederspielwert nur zuträglich.

In der Spielwelt gibt es viel zu entdecken. Neben obligatorischen Collectibles, die eine Hommage an Serien und Videospiele der 80er Jahre darstellen, ist die Welt bis zum Bersten gefüllt mit Anspielungen auf die Popkultur der 80er und 90er Jahre. So lassen sich in der Spielwelt Dragonball-Poster, Kisten voller Gremlins, Star Wars-Roboter und Zurück in die Zukunft-Anspielungen finden. Doch auch Figuren der modernen Popkultur gibt es zu entdecken. So lassen sich beispielsweise an einigen Laternen der Stadt Steckbriefe von Walter White aus Breaking Bad finden und auf einem Garagendach neben dem Lebensmittelgeschäft findet sich eine Pizza. Neben den kleinen Easter Eggs und Anspielungen auf andere Videospiele gibt es auch große Easter Eggs zu entdecken. So lässt sich beispielsweise in der Kanalisation eine versteckte Passage öffnen, hinter der das Versteck der Teenage Mutant Ninja Turtles mitsamt Meister Splinter zu finden ist.

Das Spiel entlockt dem Spieler ein ums andere Mal ein Lächeln und erweckt nostalgische Gefühle selbst bei denen, die zu dieser Zeit noch nicht einmal auf der Welt waren. Zusätzlich bietet dir die Spielwelt auch zahlreiche Rätsel, die manchmal gar nicht so leicht zu lösen sind. So kämpfst du dich beispielsweise durch ein Heckenlabyrinth oder verschiebst Steinblöcke, um erhöhte Positionen zu erreichen, die sonst außer Reichweite geblieben wären. Allerdings stellt keines dieser Rätsel eine wirklich große Herausforderung dar.

Passend zum Retrolook von Crossing Souls: Die besten Spiele-Klassiker auf dem Smartphone

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Alles in allem fühlt sich das Gameplay sehr flüssig an und die Kämpfe gehen gut von der Hand. Leider wird dieses Spielerlebnis von einigen Bugs behindert, die nicht selten dazu führen, dass ein Charakter in einem Kartenabschnitt feststeckt, was den Spieler zum Neustart zwingt. Das ist zum Glück Dank der großzügig auf der Welt verteilten Speicherpunkte kein Problem. Auch die Ladezeiten sind sehr kurz, sodass die kleinen Neustarts zwar nerven, sich jedoch nicht groß auf das Spielerlebnis auswirken.

Der Stil der Cutscenes ist klassischen Serien der 80er Jahre wie den Goonies nachempfunden und trägt zum charmanten Retrogefühl des Spiels bei. Leider gibt es von diesen Cutscenes gefühlt zu wenige. Auch der Soundtrack des Spiels ist hervorragend und bereichert die Atmosphäre des Spiels.

Mein Fazit zu Crossing Souls: Ein tolles Game, das es versteht mit Gefühlen zu spielen

Obwohl das Spiel zu Beginn den Eindruck vermittelt, eine Kinderserie aus den 80er Jahren sein zu wollen, ist das Spiel kaum für Kinder geeignet. Es ist in erster Linie ein Spiel für all jene, die sich gerne an ihre Kindheit zurückerinnern wollen. Bei Crossing Souls handelt es sich um ein sehr erwachsenes Spiel, dass zwar mit seiner Nostalgie unterhalten will, sich andererseits aber auch mit ernsteren Themen wie Verlust, Tod und Angst auseinandersetzt.

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Crossing Souls macht vieles richtig. Umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass dies die allererste Produktion der Entwickler von Fourattic ist. Nicht selten fühlt man sich, als sei man in einer alten Zeichentricksendung gelandet. Damit erfüllt das Spiel genau den Zweck, den die Entwickler verfolgten. Ich würde Crossing Souls sehr gerne eine 8.0 geben, es gibt aber viele kleine Dinge, die das Bild des großen Ganzen ein wenig schmälern und in der Gesamtwertung zu Buche schlagen. Crossing Souls ist ein gelungener erster Titel der Entwickler von Fourattic und wir können gespannt sein, was das Studio uns als nächstes präsentiert. Eine bärenstarke 7.5 ist die Folge. Ein sehr schönes Spiel über Freundschaft, dem es gelingt, den Spieler an den richtigen Stellen zu rühren und dauerhaft zu unterhalten weiß.

Wird dir gefallen, wenn du in den 80ern und 90ern gerne Cartoons geschaut und Videospiele gespielt hast.

Wird dir nicht gefallen, wenn du kein Fan von Pixelgrafik bist und nicht gerne nostalgisch wirst.

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