High Hell im Test: Kurz und gut?

Alexander Gehlsdorf

Tür auftreten, alle Gegner erschießen und vom Dach springen. Mehr will High Hell gar nicht von dir. Aber macht das auch Spaß?

Wann warb ein Trailer das letzte Mal mit verdächtig cleveren Schimpansen?

High Hell - Trailer.

Ein alter Gaming-Witz: „Wie lautet die Komplettlösung eines 90er Jahre Shooters? Laufe bis zum Ende des Levels und erschieße alle Gegner.“ High Hell lässt die alte Tugend wieder aufleben und wirft dich in unkomplizierte Retro-Action ohne Ecken, Kanten und Story. Obendrauf gibt’s minimalistische Polygon-Grafik im Neon-Stil. Ist High Hell also der perfekte Oldschool-Trip oder hat es sich Publisher Devolver Digital, der bereits mit Hotline Miami und Serious Sam ähnliche Pakete geschnürt hat, diesmal etwas zu einfach gemacht?

Kurz, kürzer, High Hell

So unkompliziert wie der Shooter gestrickt ist, so kurz ist er auch. 20 Level, mehr als zwei Minuten sind pro Abschnitt nicht nötig. Durch den mitunter knackigen Schwierigkeitsgrad und den damit verbunden Wiederholungen summiert sich so eine Spielzeit von ein bis zwei Stunden zusammen. Viel mehr gibt das Spiel leider nicht her, kostet dafür aber auch nur 9,99 Euro.

High Hell
Entwickler: Terri Vellmann, Doseone
Preis: 8,19 €

Ob die kurze Spielzeit die Investition aber auch wert ist, hängt stark vom Spieler-Typ ab. High Hell macht definitiv Spaß, gerade im direkten Vergleich mit Hotline Miami — ein Vergleich, dem das Spiel sich nicht entziehen kann — zieht das Spiel aber stets den Kürzeren. Nie ergibt sich der selbe Flow, nie pumpt der Soundtrack derart viel Adrenalin in die Arterien wie in der Top-Down-Alternative, es gibt nur eine Waffe, kaum Vielfalt bei den Gegnern und auch das prinzipiell einzigartige Szenario bleibt ungenutzt. Dennoch ist High Hell alles andere als ein Reinfall — viel mehr eine kurze, intensive Achterbahnfahrt.

Wofür sich das Spiel jedoch perfekte eignet ist die Jagd nach High Scores und immer schnelleren Speed Runs. Am Ende werden die Punkte zusammengerechnet und die benötigte Zeit bis auf die Millisekunde gezählt. Die beste Voraussetzung also sich mit anderen Spielern zu messen und deren Leistungen zu überbieten. Umso verwunderlicher ist es in diesem Zusammenhang aber, dass High Hell kein Leaderboard bietet, das genau diesen Vergleich ermöglicht. Zudem könnte ein Level-Editor und dessen Anbindung an den Steam Workshop für nahezu unendlichen Nachschub an Leveln sorgen. Beide Chancen scheint Devolver Digital bisher aber nicht zu nutzen.

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Zusammenfassung und Fazit

HighHellReview

High Hell weiß genau was es sein will, eine abgedrehte, entschlackte, unkomplizierte und kurze Achterbahnfahrt für Shooter-Veteranen, denen es auf halsbrecherische Geschwindigkeit und Pixel-genaues Aiming ankommt und die auf Unlocks und Story getrost verzichten können. Genau das kann das Spiel auch eine gute Stunde gekonnt umsetzen, danach ist der Spaß aber bereits vorbei. Dabei ist die detailliert aufgeschlüsselte High-Score-Jagd eigentlich wie gemacht für Speedrunner, ausgerechnet dafür fehlen aber Features wie ein Leaderboard oder ein Level-Editor für neue Herausforderungen.

Wird dir gefallen, wenn du auf schnelle, unkomplizierte Old-School-Shooter und Speedruns stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du für 10 Euro mehr als eine Stunde Spielzeit erwartest.

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