Weltraum-Crafting-Spiele gibt es momentan wie Sand am Meer. Neben den großen Marken wie No Man's Sky, EVE Online und Star Citizen mischen zunehmend auch Indie-Entwickler bei dem recht neuen Trend mit. So auch ION Lands aus Berlin, die mit Phoning Home erst kürzlich ihren Vertreter des Genres auf den Markt gebracht haben.

 

Indie Games

Facts 
Phoning Home – Offizieller Trailer

In Phoning Home strandest Du mit dem am Pixar-Charakter Wall-E orientierten Protagonisten ION und seinem Mutterschiff auf einem scheinbar verlassenen Planeten. Zuallererst versuchst Du, Kontakt zu Deiner Heimat herzustellen. Schon der Spiele-Titel verrät Dir natürlich, dass das erst einmal nicht gelingt, wäre Phoning Home (auf Deutsch „nach Hause telefonieren“) dann doch ein wirklich kurzes Spiel. Und so machst Du Dich auf die Suche nach Ressourcen, Werkzeugen und anderen Hilfsmitteln, die Dir das Aufbauen eines stabilen Kommunikationskanals erleichtern.

Im Verlauf des Spiels triffst Du auf ANI, eine ebenfalls auf dem mysteriösen Planeten gestrandete Roboter-Dame. Sie ist zwar wesentlich draufgängerischer und kampferprobter als ION, hat dafür aber Schwierigkeiten auf dem streckenweise doch recht ruppigen Terrain. Und so kämpft ihr euch gemeinsam durch die scheinbar verlassene Welt, auf der Suche nach einer Möglichkeit, nach Hause telefonieren zu können.

Die wunderschöne Welt von Phoning Home

Zunächst sticht ins Auge, wie liebevoll die Charaktere gestaltet wurden. Habe ich ION vor allem aufgrund seinen niedlichen Animationen lieb gewonnen, vermisse ich es fast, hat mir mein Schiff längere Zeit nichts zu sagen. Dessen Monologe (ION selbst kann nicht sprechen) lockern die Atmosphäre deutlich auf. Sie regen aber auch zum Nachdenken an, reflektiert es darin nicht selten über den richtigen und falschen Umgang mit fremden Welten, Ressourcen und vor allem Lebewesen.

Die Optik  von Phoning Home ist für einen Indie-Titel erstaunlich detailliert, meist scharf und vor allem vielfältig. Egal, ob verschneite Landschaft, einschüchternde Felswände oder blumige Wiese: ION kann in der neuen Welt so einige Biotope entdecken und erkunden. Besonders toll sind auch Licht- und Wettereffekte: Mal prasselt der Regen so stark auf den Bildschirm, dass kaum der nächste Baum zu sehen ist, mal erhellt die strahlende Sonne die weite Flur.

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Phoning Home verzichtet auf eine grenzenlose offene Welt und unendliche Mining- und Crafting-Möglichkeiten zugunsten einer linearen Story. Das hat den Vorteil, dass Du ganz langsam an das komplexe Gameplay-System herangeführt wirst. Neben Story-relevanten Gegenständen kannst Du selbstverständlich auch ein Reparaturset oder Platinenreiniger zum Heilen und sogar einen Teleporter basteln. Die Ressourcen dazu findest Du in Deiner näheren Umgebung. Hast Du sie erst einmal entdeckt, wird Dir der Fundort weiterer Rohstoffe desselben Typs auf Deiner Karte angezeigt.

Hier ist Vorsicht geboten, denn Ressourcen in Phoning Home sind begrenzt. Solltest Du Dich zu oft heilen oder Treibstoff für Deinen Turbo nachproduzieren, kann es sein, dass nicht mehr genügend Rohstoffe zum Herstellen Story-Relevanter Gegenstände verfügbar sind. Und so musste ich nicht nur einmal meinen letzten Speicherstand wiederherstellen, um überhaupt weiter zu kommen.

Jede Welt hat ihre Schattenseiten

Auch wenn das Charakter-Design, die Dialoge zwischen ION und seinem Schiff sowie die vielfältige Welt an sich darauf schließen lassen, Phoning Home sei ein völlig harmonisches Spiel, wird schon nach wenigen Minuten klar: Hinter den niedlichen Charakteren und der hübschen Welt verbergen sich fast schon düstere Geheimnisse.

So begegne ich gigantischen Felsriesen, die mir nach dem Leben trachten, falle in tiefe Schluchten, gespickt mit Ressourcen, nur um festzustellen, dass ich nicht mehr aus ihr entkommen kann oder verliere einen Haufen Gesundheit, weil ich mich aus Versehen zu nahe an den brodelnden Lava-Fluss herangetraut habe. Ich begegne Zeugnissen fortgeschrittener Zivilisationen, längst verfallen, was mich darauf schließen lässt, dass diese Welt auch schon für vorherige Entdecker zu gefährlich war. Wo bin ich hier nur gelandet?

Leider sind diese bewusst düsteren Passagen nicht die einzigen Schattenseiten von Phoning Home. So bin ich während meines Tests immer wieder über unschöne Grafik-Schnitzer und Glitches gestolpert. Vor allem das Leveldesign brachte mich stellenweise an die Grenzen meiner Geduld, habe ich manchmal mehr als eine Stunde gebraucht, relevante Ressourcen zu finden. Zudem wurde ich schon nach wenigen Minuten in der mysteriösen Welt mit übermächtigen Gegnern konfrontiert, gegen die ich mit meiner Standard-Waffe – einer handelsüblichen Rohrzange – natürlich nicht viel ausrichten kann. Hier heißt es: Beine in die Hand nehmen und die Flucht ergreifen!

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Mein Test-Fazit: Ein Spiel zwischen Gut und Böse

Die herzerwärmenden Charaktere und die vielfältige Welt von Phoning Home konnten mich schon zu Beginn des Spiels voll und ganz überzeugen. Umso länger ich mit ION und später ANI jedoch meine Umgebung erforscht habe, desto mehr störten mich übermächtige Gegner, nervige Glitches und das undurchsichtige Level-Design. Auf Dauer ist Phoning Home darum leider nichts für mich. Vielleicht ist das aber auch dem Genre geschuldet, braucht man für Crafting-Spiele im Allgemeinen doch sehr viel mehr Geduld, als ich aufzubringen vermag.

Entwickler: ION LANDS
Preis: 1,49 €

Wer erste Crafting-Luft schnuppern möchte, von der Komplexität von EVE Online und Co. jedoch eingeschüchtert ist, dem sei Phoning Home ans Herz gelegt. Aber auch eingefleischte Crafting-Fans sollten dem Indie-Titel von ION Lands eine Chance geben, ist das Crafting-System von Phoning Home trotz des erleichterten Einstiegs auf Dauer nicht zu unterschätzen.

Phoning Home ist am 7. Februar für den PC erschienen und über Steam erwerbbar.

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Wertung

7/10
“Umfangreiches Crafting-Spiel mit niedlichen Protagonisten, das Genre-Neulinge nicht überfordert. Leider legen dem Spiel Glitches und Mankos am Level-Design Steine in den Weg.”
Lisa Fleischer
Lisa Fleischer, GIGA-Expertin für Wearables, Haushaltsgeräte, Instagram und App-Tipps.

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