Ruiner im Test: Cyberpunk in schnell

Sandro Kreitlow

Blade Runner, Akira, Ghost in the Shell… Das sind die einflussreichsten Vertreter des Cyberpunk, einem Subgenre der Science Fiction. Zu den größten Genre-Vertretern im Medium Videospiele zählt Deus Ex. Doch hin und wieder tauchen auch Indie-Vertreter wie Ruiner auf.

Du hast keine Zeit für den ausführlichen Text? Unten findest du eine Zusammenfassung!

RUINER - Launch Trailer.

2091. Die Welt ist nicht mehr das, was sie einst war. Hoffnung ist ein Fremdwort, Schatten der Alltag. Überall Dreck. Überall Gewalt. Ich höre Stimmen.
Kill boss!
Kill boss!

Ich halte es nicht aus! Ich… Aaaaah! Werde verrückt. Ich… Muss mich… Von diesen Schmerzen befreien!

Lost in Rengkok

Die Welt von Ruiner ist skrupellos. Der Protagonist wacht in einer dunklen Gasse auf, als er bemerkt, dass sein künstliches Gehirn gehackt wurde. In der Cyber-Metropole Rengkok gilt es, die Wahrheit zu entdecken. Die korrupte HEAVEN-Corporation hat seinen Bruder entführt. Der einzige Weg, ihn zu finden, besteht darin, einige Köpfe von skrupellosen Verbrechern rollen zu lassen. Rache scheint der einzige Antrieb des gesichtslosen Protagonisten zu sein. Aber Ruiner ist nicht einfach nur eine Rache-Geschichte.

Die Menschheit wollte ihren Alltag durch Technologien stets vereinfachen. Was stattdessen davon übrig blieb, ist alles andere als eine Verbesserung: Utopisch leben nur die wenigen Reichen im wahnsinnigen Überfluss. Der Großteil der Menschheit befindet sich allerdings im dunkelsten Schatten. Das Einzige, was diese Welt erleuchtet, sind die technologischen Reste, die einst die Welt verbessern sollten. Stattdessen steht die pure Gewalt im Licht: Wenn du in dieser Gasse aufwachst und unzählige Feinde mit futuristischen Schusswaffen oder Metallstäben ausschaltest, schwingt Ruiner auf der Welle einer pulsierenden Gewalt.

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Die schnellen Kämpfe werden aus der Iso-Perspektive ausgeübt, wenn es gilt, zahlreiche Gegner im Nah- oder Fernkampf auszuschalten, während du durch die Gassen der Cyber-Metropole rennst oder dashst. Gegner greifen aus allen Himmelsrichtungen mit Schwertern, Schrotflinten oder Molotow-Cocktails an. Hast du erst lediglich ein Brecheisen und eine Pistole, kannst du nach dem Eliminieren der Gegner dessen Bewaffnung an dich nehmen. In Bosskämpfen kommt ein Zeitlimit hinzu, wobei du nur Zeit gewinnst, wenn du die Handlanger des Bosses ausschaltest. Meisterst du das Gameplay, kommst du in einen Trip-artigen Flow, der jedoch leider durch die teils schwammige Steuerung unterbrochen wird.

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Je mehr Feinde du erledigst, desto mehr Goodies und Fähigkeiten spielst du mit Karma-Punkten frei. Dank eines Schutzschildes nimmst du keinen Schaden, kannst später sogar Geschosse reflektieren, Gegner mit Blendgranaten lähmen oder die Zeit verlangsamen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Kampf mit jeder Spielminute einfacher wird. Jede Fähigkeit bringt für ein ausgereiftes Balancing auch eine Schwäche mit sich. Das Schild funktioniert beispielsweise nur so lange, bis du selbst angreifst. Außerdem schwächen die Fähigkeiten deine Energieleiste, die du in Energiefeldern auflädst, die sich quer in den Gassen verteilen. Während der Kampf im leichten Schwierigkeitsgrad ein Kinderspiel ist, zählt im mittleren und hohen Grad nichts mehr als Timing und Reaktionsgeschwindigkeit. Doch Ruiner bietet mehr als nur herausfordernde, schnelle Kämpfe.

Hello Darkness

Die Menschen sind hier nichts weiter, als Marionetten. So hat auch der Protagonist das Gefühl, keine Bedeutung in dieser dunklen Welt zu haben, wenn er seiner Gewalt nicht freien Lauf lässt. Zwar gibt es unterschiedliche Dialogoptionen, allerdings haben diese meist identische Ergebnisse. Abgesehen von deinen Fähigkeiten im Kampf hast du also kaum Auswirkungen auf die Spielwelt. Während das in den meisten anderen Spielen ein Kritikpunkt wäre, passt dieser Fakt zur Systemkritik des Spiels: Moral ist nur eine Illusion in dieser harten Welt, die dir keine Wahl gibt.

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Das Gesicht des Protagonisten ist durchgehend mit einer High-Tech-Maske verdeckt, die ständig Teile von Lauten und anderen aussagekräftigen Texten („Hello Darkness“, „KILL YOU!“) sowie Bildern widergibt. So verständigt sich der Protagonist nur durch Kopfnicken, Achselzucken oder Knöchelknacken, wenn du mit NPCs interagierst oder Nebenmissionen suchst. Diese sind allerdings nicht besonders tiefgründig, dafür aber oftmals verrückt. In einer Nebenmission bittet eine Dame dich, streunende Katzen zu hacken.

Denn diese künstlichen, elektronisch gesteuerten Wesen überwachen die Stadtbewohner. Im Minigame müssen Tasten in der vorgegebenen Reihenfolge gedrückt werden, um die Katzen auszuschalten. Anschließend fordern diese dich auf, an ihren Hinterteilen zu riechen oder drohen damit, dich bei der PETA zu verpfeifen. Über solche Miniaufgaben, dem Aufsammeln, Sprechen oder Abschießen gehen die Nebenmissionen jedoch nie hinaus.

Am meisten fasziniert der Twin-Stick-Shooter mit seinem Stil. Dunkelheit trifft auf Neon-Farben, während du in den ruhigen Momenten  durch schmutzige Gassen läufst, um die verlassenen Bewohner Rengkoks und ihren Geschichten zu belauschen. Ruiners Atmosphäre ist atemberaubend. Auf Sprachausgabe wird komplett verzichtet, die Handlung wird in Zwischensequenzen mit (auch deutschen) Texten und einfallsreichen Hinweisen vorangetrieben. Untermalt wird das Ganze vom hypnotisierenden Soundtrack von Sidewalks and Skeletons:

Fazit & Zusammenfassung

Nach sechs bis acht Stunden ist die atmosphärische Twin-Stick-Action vorbei. Der Stil des Spiels überzeugt mit Neon-getriebenen Farben und einem hypnotisierenden Soundtrack. Als Cyperpunk-Fan darfst du Ruiner definitiv nicht verpassen. Während Werke wie Blade Runner oder Ghost in the Shell ihre Geschichten jedoch langsam erzählen, funktioniert Ruiner auf rasantere Art. Der schnelle Kampf aus der Iso-Perspektive gegen die vielen Gegner ist nie frustrierend, da stets Belohnungen in Form von neuen Gadgets oder Fähigkeiten auf dich warten, die gut ausbalanciert sind. Einzig und allein die teils schwammige Steuerung unterbricht diesen atmosphärischen Cyberpunk-Trip. In der Oberwelt könnte mehr zu entdecken sein. Wünschenswert wären auch abwechslungsreichere Settings, allerdings kündigten die Entwickler von Reikon Games bereits an, noch mehr Abenteuer in und um Rengkok als kostenlose DLCs nachzuliefern. Devolver Digital ist erneut ein herausfordernder Indie-Titel für zwischendurch gelungen, der jedoch die philosophischen Aspekte des Genres vermissen lässt.

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Wird dir gefallen, wenn: du das Cyberpunk-Genre magst und schnelle Spiele bevorzugst.

Wird dir nicht gefallen, wenn: du mit Twin-Stick-Shootern nichts anfangen kannst und herausfordernde Spiele meidest.

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