Der Krieg ist die Hölle – Die Beta von Hell Let Loose

Daniel Hartmann

Am Wochenende des 5. Aprils fand eine Closed-Beta des Shooters Hell Let Loose von Black Matter statt und ich stürzte mich in die mit einem hohen Grad an Realismus ausgestattete Weltkriegs-Simulation. Das habe ich erlebt:

Hell Let Loose - Early Access Release Date & Pre-Order Trailer.

Ein Frontbericht

„Juni 1944, Sainte Marie du Mont: Es war still auf den Feldern von Sainte Maire du Mont, einzig das leise Rascheln unserer Stiefel im Gras und das leichte Klappern der Ausrüstung durchbrach die Stille, als meine Einheit und ich entlang einer langen Hecke in Richtung Osten schlichen. Selbst die Vögel waren stumm, denn auch sie wussten was ihnen bevor stand. Es ist Krieg.“

Um genau zu seien der 2. Weltkrieg, wie der geschichtskundige Leser bereits am Datum erkennen konnte. Hell Let Loose führt den Spieler wieder einmal auf die Schachfelder des letzten Weltkrieges und wählt den Realismus als hervorstechendes Merkmal. Das bedeutet spielerisch vor allem: kein Fadenkreuz, keine Munitionsanzeige, keine Hit-Marker und keine Namensschilder für Verbündete die weit weg sind, für Feinde schon gar nicht.

„Unsere Einheit wurde von unserem Commander ausgewählt, die feindlichen Stellungen unbemerkt ausfindig zu machen und während des Angriffs der Hauptstreitkräfte dem Feind in die Flanke zu fallen. Wir bewegten uns vorsichtig aber zügig in Richtung eines kleinen Waldes, immer auf der Hut vor feindlichen Patrouillieren. Nach einem langen Marsch bezogen wir im Wald Stellung und warteten auf die Befehle unseres kommandierenden Offiziers, der sich mit dem Commander via Funk über das weitere Vorgehen beriet.“ 

Tatsächlich musste ich viel marschieren – beziehungsweise W und Shift drücken. Die Karten sind für 100 Spieler ausgelegt und damit entsprechend groß. Das Aussehen der Karten basiert maßstabsgetreu auf Satellitenbildern der realen Orte. In der Beta standen neben „Sainte Marie du Mont“ noch die Karten „Foy“ und „Hurtgen Forest“ zu Verfügung. Auf Reddit hat sich jemand die Arbeit gemacht die Karte von Sainte Marie du Mont der Spielversion, mit der Google Maps-Version zu vergleichen. Entwickler Black Matter war dort tatsächlich sehr akkurat.

„Das Kommando hatte sich darauf geeinigt, dass wir noch weiter in Richtung des Feindes vorstoßen sollen. Ein kleines Bauernhaus schien die perfekte Position, doch auf dem Weg dorthin hörten wir Stimmen. Der Feind. Mit seinem Fernglas erspähte unser Offizier mehrere Gegner, die in einem Graben ihre schweren Maschinengewehre in Stellung brachten. Dann ging alles ganz schnell. Wir hasteten zum Bauernhaus, brachten mein schweres MG im oberen Fenster in Stellung und die Anderen suchten sich ebenfalls gute Positionen, um den Feind unter Beschuss zunehmen. Eine letzte Absprache mit dem Commander. Unsere Position war gut. Jetzt hieß es den richtigen Moment abpassen. Wir waren zu sechst, in dem Graben lauerten 30 Feinde auf unserer Kameraden.“ 

Die 100 Spieler sind aufgeteilt auf zwei Fraktionen und agieren in Einheiten von sechs Spielern, von denen einer die Rolle des Offiziers einnimmt. Die weiteren Rollen sind zum Beispiel Medic, Ingenieur oder Schwerer Maschinengewehrschütze. Die Einheiten die Panzer bedienen, können sind auf Zwei begrenzt. Auch Scharfschützen und Späher gibt es nur viermal pro Fraktion. Die wichtigste Rolle nimmt jedoch der Commander ein.

„Der Angriff unserer verbündeten Truppen wurde mit einem Geschosshagel unserer Panzer und Artillerie eröffnet. Die Luft war erfüllt mit Rauch, Holzsplittern und Dreck, den die Explosionen aufwirbelten. Nach einer kurzen Feuerpause rückten unsere Kameraden über das Feld auf den Waldrand vor und wurden bereits vom MG-Feuer des Feindes erwartet. Ich wollte aufspringen und den Feind angreifen, doch ich spürte eine Hand auf meiner Schulter, die mich zurückzog. „Warte“, sagte mein Offizier. Im Schutz der eigenen Panzer rückten unserer Truppen vor und dann war es so weit: Unser Commander erteilte uns den Angriffsbefehl. Wir richteten uns auf, holten tief Luft und feuerten…“

Ohne Kommunikation funktioniert in Hell Let Loose gar nichts. Die einzelnen Einheiten sind über einen Sprachchat verbunden, andere verbündete Spieler sind nur zu hören wenn sie in der Nähe sind. Der Commander ist mit den Offizieren über einen separaten Chat verbunden und koordiniert so mit Hilfe der Informationen von den mit Ferngläsern ausgestatteten Offizieren und Spähern, die einzelnen Einheiten auf dem Schlachtfeld. Zusätzlich kann er unter anderem Versorgungsabwürfe und Artillerieschläge anfordern.

„Nachdem der Rauch sich verzogen hatte, blickten wir auf die besiegten Feinde, die in der Hölle unseres Kreuzfeuers gestorben waren. Lange Zeit zum Nachdenken blieb jedoch nicht. Der Feind formierte sich auf einem Hügel im Norden neu und unser Commander hatte entschieden, dass unserer Einheit sich bewährt hatte und gemeinsam mit einer weiteren Einheit einen erneuten Flankenangriff wagen sollte. Wir stockten unsere Monitionsvorräte auf und machten uns auf den Weg in Richtung Norden. Es war still in den Wäldern von Sainte Maire du Mont, einzig das leise Rascheln unserer Stiefel im Gras und das leichte Klappern der Ausrüstung durchbrach die Stille…“

Nachbesprechung

Eins muss klar sein: Wer Realismus in Spielen nicht mag, ist bei Hell Let Loose falsch. Auch Dinge aus anderen Shootern wie Battlefield oder Call of Duty, etwa Verbesserungen für die Waffen, ein Level-System oder Scorestreaks gibt es in Hell Let Loose zum Stand der Beta nicht. Das Spiel setzt voll und ganz auf Realismus, was dazu führte, dass ich häufig gestorben bin ohne überhaupt zu wissen, wer oder was mich getroffen hat und schon gar nicht von wo. Kill-Cam? Gibt es nicht.

Die großen Karten bieten viel Platz für taktische Manöver, führen aber auch dazu, dass ich bei Servern, die nur zu einem Drittel gefüllt waren, manchmal 20 Minuten keinen Gegner gesehen habe. Auch fühlen sich die Karten teilweise sehr leer an, wenn 100 Spieler um einen bestimmten Punkt kämpfen und auf der restlichen Karte nichts los ist. Doch um die Sektoren und ihre Einnahme geht es und darum, die Ressourcen auf der Karte unter Kontrolle zu bringen. Dort können sehr intensive und spannende Kämpfe entstehen.

Die von mir dramaturgisch etwas aufgehübschte Darstellung eines Matches war das Musterbeispiel, wie Hell Let Loose ablaufen kann und wie ich es auch in dem Fall erlebt habe. Das Spiel verlangt aber von allen Spielern, dass sie kommunizieren und kooperieren. Ohne den Sprachchat läuft nichts und alle rennen und schießen unkoordiniert durcheinander. Wenn der Commander nichts tut oder nicht weiß was er tut, herrscht ebenfalls Chaos.

Dazu gesellen sich typische Bugs einer Beta, wie zugegebenermaßen sehr lustig anzuschauende Panzer, die es mit der Schwerkraft nicht ganz so genau nehmen und wild durch die Luft kreiseln. Unschöne Sachen, wie Einbrüche der Framerate, hatte ich auch ein paar Mal. Eine Sache, die mich tatsächlich etwas fassungslos zurück ließ, fiel schon in der ersten Minute auf. Ich stand vor einem etwa hüfthohen Zaun und kam nicht drüber, klettern konnte mein Charakter offenbar nicht und springen half auch nichts. Wie hab ich es nur so durch die Grundausbildung geschafft? Ein Spiel das sich um Realismus bemüht, sollte vielleicht an eine so grundlegende Spielmechanik denken.

Abschlussbericht

Hell Let Loose hat bis zum Beginn der Early-Access-Phase am 6. Juni noch etwas Arbeit vor sich. Das Spiel ist definitiv einen Blick wert für Spieler, die Spaß an realistischen Taktik-Shootern haben. Die Arbeiten an Hell Let Loose wurde durch eine Kickstarter-Kampagne 2017 initiiert und hat den Zielbetrag verdoppeln können. Eine Fan-Gemeinde scheint das Spiel also zu haben und die sind auch wichtig, den meiner Erfahrung nach steht und fällt der Spaß an Hell Let Loose mit den Mitspielern und damit, ob diese bereit sind, das Spiel so zu spielen, wie es von den Entwicklern gedacht ist.

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Hell Let Loose ist eine Weltkriegs-Simulation im Stile von Red Orchestra oder Post Scriptum und erfindet das Genre bis jetzt auch nicht neu. Wirst du dir das Spiel von Black Matter ansehen oder sind Realismus und das dazugehörige Gameplay nichts für dich? Schreib deine Meinung in die Kommentare.

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