Milanoir: Wie ein kleines Indie-Game zu meinem Lieblingsspiel wurde

Victor Redman

Anfang Juni erschien das Indie-Game Milanoir für Nintendo Switch, Playstation 4, Xbox One und PC. Auf den ersten Blick ist es ein Spiel wie tausend andere – doch der Schein trügt.

Milanoir – Nintendo Switch Trailer.

Ein Action Adenture im Pixel-Look – na, das ist ja mal ganz was Neues. Nicht. Ich bin ehrlich: Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, während Milanoir auf meine Switch geladen wurde.

Eine spielbare Intro-Sequenz eröffnet das Spiel: Als großmäuliger Gangster betrittst du ein Restaurant, in dem du deinen Erzrivalen vermutest. Niemand hat den Mut, sich dir in den Weg zu stellen; du bist einfach viel zu krass. Ungehindert erreichst du die Toilette, in der dein nichtsahnendes Opfer gerade auf dem Klo sitzt. Du zückst deine Waffe – und wirst durch die geschlossene Tür der Toiletten-Kabine niedergeschossen. Du gehst zu Boden. Du blutest. Du krepierst.

Und ich? Ich glotze dumm auf den Bildschirm. Und dann tritt Bad Boy Piero auf den Plan. Dein vermeintliches Opfer ist der eigentliche Held des Spiels. Von jetzt an steuerst du ihn.

Spiele lieber ungewöhnlich

Das war jetzt wohl ein Spoiler. Sorry. Aber schon das Intro zeigt: Milanoir ist nicht wie andere Spiele. Das Action Game des Indie-Studios Italo Games zelebriert und parodiert die italienischen Krimis der Siebzigerjahre. Heißt: Schmierige Haare, schmierigere Typen, Schießereien an jeder Ecke und jede Menge nackter Haut.

Dass hier echte Liebhaber am Werk waren, wird schnell klar: Milanoir lässt wirklich kein Klischee aus – und hat den größtmöglichen Spaß dabei. Auf jedes „Fuck!!“ folgt unweigerlich ein Augenzwinkern. Und mal ehrlich: hier gibt’s mehr „Fucks“ als in einem Tarantino-Film.

Bock bekommen? Milanoir gibt's bei Steam*

Die bluttriefende Gangster-Geschichte wirkt episch und billig zugleich und macht wahrscheinlich genau deshalb so unglaublich viel Spaß. Milanoir will weder Mafia noch Yakuza sein. Und das ist verdammt gut so.

Once Upon A Time in Pixelland …

Im krassen Gegensatz zur brutalen Story steht der süße Pixel-Look. Optisch könnte Milanoir als spätes NES- oder frühes SNES-Spiel durchgehen. Was der Spieler hier zu sehen kriegt, hätte es auf diesen Konsolen aber wohl nie gegeben.

Schon früh im Spiel machst du dich zum Beispiel auf die Jagd nach einer rivalisierenden Gangster-Braut. Du überraschst sie in ihrem Badezimmer, wo sie splitterfasernackt aus der Wanne springt und abhaut, während ihre lesbische Gespielin dich mit der Shotgun in Schach zu halten versucht.

Vor diesem Szenario wäre wohl selbst das freche Sega zurückgeschreckt. Immer wieder sitze ich mit offenem Mund vor dem kleinen Indie-Game und rufe laut, „Nicht! Euer! Ernst!“. Und jedes Mal bin ich umso gespannter auf das, was wohl noch folgt.

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Die Hoffnung auf ein schnelles Nachladen

Noir Action in Pixeloptik – das passt eigentlich nicht zusammen. Das Spiel dürfte eigentlich gar nicht funktionieren. Aber Milanoir funktioniert. Milanoir rockt sogar.

Die Story ist nicht neu, aber sie wird mit so viel Charme und Spaß erzählt, dass ich inzwischen Szenen aus dem Spiel nacherzähle, als wäre es ein Kino-Blockbuster oder der neueste Netflix-Hit. Das hat bisher noch kein Spiel geschafft – kein Far Cry, kein God of War und auch kein Zelda.

Damit hat es Milanoir geschafft, blitzschnell zu meinem neuen Lieblingsspiel zu werden. Vielleicht geht der nächste Abstecher von Italo Games ja in die wilden Achtziger? So oder so – Milanoir 2 kann nicht schnell genug kommen.

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