Die Macher hinter dem Belästigungs-Simulator

Michael Sonntag 1

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Spiel wie Milky Boobs zu entwickeln?

Drunken Apes: „Wir sind wortwörtlich betrunkene Affen…Wir kommen mit allen verrückten Ideen daher, das ist nur die Spitze des Bananenbaums, wenn du verstehst, was ich meine.

Was ist die Botschaft des Spiels?

Drunken Apes: „Das Spiel beabsichtigt keine große Botschaft zu haben. Es ist einfach eine spaßige Erfahrung und es soll zeigen, wie einfach Leute sich angegriffen fühlen.

Welche Spieler wollt ihr damit erreichen?

Drunken Apes: „Im Grunde genommen alle, die das Leben nicht zu ernst nehmen.

Denkt ihr, dass sich bestimmte Spieler von dem Spiel angegriffen fühlen können?

Drunken Apes: „Ja. Menschen fühlen sich heutzutage sehr schnell angegriffen. Das Leben ist zu kurz, um die ganze Zeit salzig zu sein, deshalb…Hater werden hassen.

Wann werdet ihr die finale Version des Spiels veröffentlichen?

Drunken Apes: „Wir planen, den Early Access für 3 Monate. Während dieser Zeit werden wir weitere Karten, mehr Waffen und einen Story-Modus hinzufügen.

Kann ein Entwickler wirklich stolz sein, in die Fußstapfen dieser Spiele zu treten, die ähnliche Beweggründe oder schlimmere angeführt hätten?

Kommentar: Prinzipiell ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Außer diesem kurzen Kommentar vielleicht. Auf der einen Seite machen die Entwickler keinen großen Hehl darum, dass sie mit Milky Boobs ein diskriminierendes Spiel schaffen wollten. Ein Spiel, wie es nur von betrunkenen Affen stammen kann, wie sie selbst sagen.

Wenn heutzutage von Diskriminierung gesprochen wird, wird sie nicht im nächsten Moment einfach erfunden, sie wurde nur aufgedeckt. Den Entwicklern scheint der Sinn hinter Anti-Diskriminierungs-Kampagen vollständig abhanden gekommen zu sein. Statt dass betroffenen Opfern geholfen wird, scheinen sie darin eine Einschränkung ihres Gedankenguts im realen Leben zu sehen.

Dafür wird dann dieser Belästigungs-Simulator erfunden. Frauen mit Milch abknallen, das ist doch witzig! Wie angegriffen sich Frauen doch davon fühlen können! Nur werden diese das nie spielen, nur höchstens Leute, die gerade nicht wissen, was sie gerade mit 5 Euro anstellen sollen. Verzeihung, 4,49 Euro, denn zum Early Acsess-Start gibt es einen Rabatt von zehn Prozent.

Zurzeit tummeln sich 8 Reviews auf der Steam-Seite des Spiels. Der User Jordan! fasst den Spieleindruck wie erwartet zusammen: „Gut, die Beschreibung erklärt offen die Prämisse des Spiels - aber mehr ist hier nicht. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Das Spiel ist gleichzeitig als nostalgisch und warnend zu verstehen. Nostalgisch, weil es Menschen eine Situations-Erfahrung bietet, in der Sexismus noch nicht bestraft wurde. Warnend deshalb, weil es zeigt, wie Spiele als Medien zur Verbreitung von schlechtem Gedankengut genutzt werden können.

Dieses Spiel ist eine Beleidigung für die moderne Spielelandschaft und eine Erinnerung an Steam, dass es seine Richtlinien dringend überarbeiten müsste. Ebenfalls eine Erinnerung daran, dass die Notwendigkeit von Anti-Diskriminierungskampagnen noch nicht in alle gesellschaftlichen Winkel vorgedrungen ist. Und wenn es erst vom System genommen wird, wenn es genügend negative Meldungen erhalten hat - dafür ist es vermutlich zu wenig bekannt. Wir sind jedenfalls noch nicht dort angekommen, wo wir sein wollen, wenn Spiele wie Milky Boobs immer noch erhältlich sind. Danke für die Erinnerung.

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