Internet.org: Konnektivität ist Menschenrecht, schlanke Facebook-App auch

Amir Tamannai

Die großen Internet-Player entdecken die Schwellen- und Entwicklungsländer für sich: Nachdem Google bereits an seinem Project Loon arbeitet, um damit in Sachen Netzversorgung rückständige Teile der Welt online zu bringen, hat nun auch Mark Zuckerberg gemeinsam mit Ericsson, MediaTek, Nokia, Opera, Samsung und Qualcomm die Initiative Internet.org gegründet, die ein ähnliches Ziel hat. Man höre und staune: in einem ersten Schritt dorthin soll der Datenverbrauch der Facebook-App entschlackt werden.

Internet.org: Konnektivität ist Menschenrecht, schlanke Facebook-App auch

„Is Connectivity A Human Right?“ Was für uns selbstverständlich und Alltag ist, ist für zwei Drittel der Weltbevölkerung zwar kein Science Fiction, aber eben auch noch keine Realität: die ständige Verfügbarkeit einer schnellen und stabilen Internetverbindung. Doof für die Menschen in diesen Regionen, noch schlimmer allerdings für die Unternehmen, die mit diesen Personen schlicht kein Geld verdienen, beziehungsweise deren Daten nicht sammeln und horten können. Also muss der Prophet zum Berg kommen, sprich Google, Facebook und Co. müssen Netzanbindungen in diese Regionen bringen.

Gemeinsam die Welt online bringen

Google arbeitet daher seit geraumer Zeit am Project Loon, das schnelles Internet mittels Ballons in betreffenden Teile der Erde bereitstellen soll, Facebook hat heute Nacht gemeinsam mit den Big Playern Samsung, Ericsson, Nokia, Opera und Qualcomm die Initiative Internet.org ins Leben gerufen, die das gleiche Ziel verfolgt, nur ohne Luftballons. Stattdessen möchte man — noch etwas unkonkret — „gemeinsame Projekte entwickeln, Know-How teilen, sowie die Industrie und die Regierungen dazu bewegen, die Welt online zu bringen.“

So möchte man etwa erreichen, dass Online-Konnektivität für alle erschwinglich wird, unter anderem durch günstige, aber hochwertige Smartphones. Außerdem sollen „nachhaltige Geschäftsmodelle“ erdacht werden, die unter anderem für Entwickler und Provider einen Anreiz darstellen sollen, am gemeinsamen Ziel mitzuarbeiten.

Schönes Vorhaben, aber natürlich ist so eine Initiative nicht ernst zu nehmen, solange sie keinen emotionalen Trailer hat — hat Internet.org aber und lässt darin sogar John F. Kennedy für sich sprechen:

Sehr bewegend, wir sind gerührt und frohen Mutes — vor allem auch, weil ein erster Schritt des gewaltigen Vorhabens die Facebook-App verbessern soll!

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53 eBay-Kleinanzeigen-Reime, an denen kein Weg vorbeigeht.

Facebook-App soll mit geringerem Datenverbrauch voran gehen

Auch hierzulande wähnt man sich in einem Entwicklungsland, wenn man seinen Facebook-Stream zu aktualisieren versucht — der Datenhunger dieser Anwendung ist zuweilen vorsintflutlich und man kann sich gut vorstellen, dass in Regionen der Welt, in denen eine EDGE-Verbindung der schnellste zur Verfügung stehende Übertragungsstandard ist, die Lust an der mobilen Nutzung des Sozialen Netzwerkes ganz schnell vergeht.

Also soll ebendiese App als ein erster Schritt diesbezüglich stark optimiert werden: Die durchschnittlich täglichen 12 MB, die die Anwendung aktuell verbraucht, sollen mittels „verbesserter Datennutzung“ auf nur 1 MB herunter skaliert werden. In Entwicklungsländern soll außerdem eine schlankere Version mit weniger Fotos angeboten werden. Darüber hinaus möchte man in der Smartphone-Anwendung mehr auf Caching und Datenkompression setzen, wie es aktuell schon in der Variante für Feature-Phones der Fall ist. Mark Zuckerberg träumt sogar von einer Funktion, mit der Postings und Fotos über Wifi Direct von sich in der Nähe befindlichen Freunden heruntergeladen werden können.

Schöne Ankündigungen, von denen wir hoffen, das wenigstens ein Teil zügig umgesetzt wird — denn eine effizientere Facebook-App Menschen in aller Welt online zu bringen, geht uns alle an!

Internet.org [via engadget]

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