Mobiles Internet in Deutschland: Geringes Datenvolumen, hohe Kosten

Martin Malischek 15

Für monatlich 35 Euro erhält man in Europa durchschnittlich 5 GB mobiles Datenvolumen, die Spitzenwerte liegen gar bei 50 GB. In Deutschland bekommt man für diesen Betrag weit weniger: 1 GB Datenvolumen sind in Deutschland für den gleichen Preis drin, dies geht aus einer Erhebung eines finnischen Telekommunikationsberaters hervor.

Mobiles Internet in Deutschland: Geringes Datenvolumen, hohe Kosten
Bildquelle: The cost of the bills of smartphones | shutterstock.

Wer gerne und viel mobil surft, sollte sich in Deutschland auf das Lesen von Artikeln, der Nutzung sozialer Netzwerke und Instant-Messaging-Diensten beschränken – bei Bewegtbild oder Musikstreaming greift schnell die Internetdrossel und stuft die Surfgeschwindigkeit der mobilen „Internet-Flatrates“ auf GPRS-Geschwindigkeit (16 bis 64 Kbit pro Sekunde) herab. Mag man sich über den Begriff „Internet-Flatrate“ für Mobilgeräte streiten, ist das Surfen an sich doch unbegrenzt, lediglich die Geschwindigkeit nicht, sind sich viele über die Kosten für sogenannte Internet-Flatrates in Deutschland einig: Sie liegen zu hoch.

Mobil surfen in Europa: Deutschland nicht Schlusslicht

Nicht ohne Grund, wie aktuelle Berechnungen des finnischen Telekommunikationsberatungs-Unternehmens Rewheel zeigen: In Deutschland bekommt man bei einem Mobilfunktarif zum Preis von bis zu 35 Euro mit mindestens je 1.000 Gesprächsminuten und SMS sowie ohne Smartphone nur 1 GB LTE-Datenvolumen. Zwar gibt es in Deutschland auch deutlich günstigere Angebote, beispielsweise bietet 1&1 in einer Aktion aktuell 8 GB Datenvolumen mit einer Internet- und Telefonie-Flatrate an, hierbei handelt es sich jedoch um einen Drittanbieter. Bei den drei deutschen Providern Vodafone, Telefónica Deutschland (o2) und der Deutsche Telekom, die Netze an Drittanbieter vermieten, konnten wir keinen Tarif mit besseren Konditionen finden. Damit liegen wir im Europaschnitt auf den Abstellgleisen; nur in Portugal kostet Datenvolumen gleich viel und in Ungarn bekommt man sogar nur 500 MB für die besagten monatlichen 35 Euro. Noch schlechter ergeht es jedoch Surf-Wütigen in Belgien, Griechenland, Zypern und Bulgarien: Zu den genannten Konditionen und Kosten bis zu 35 Euro konnte Rewheel keinen Tarif finden.

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Netzausbau und Versteigerung von UMTS-Frequenzen sorgen für hohe Preise

Die anfänglich hohen Kosten für mobiles Internet hierzulande sind auf die Versteigerung von UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 zurückzuführen: Zu dieser Zeit wurden die Frequenzbänder versteigert, die Kosten lagen im zweistelligen Milliardenbereich und verursachten die hohen Mobilfunkpreise, zitiert die Welt eine Verivox-Expertin. Dem Tarifvergleichsportal sei kein anderes Land bekannt, in dem Lizenzen für ähnliche Summen verkauft wurden. Weiter seien die Preise in Deutschland für mobiles Internet zwar vergleichsweise hoch, Kunden in der Schweiz müssen jedoch höhere Kosten in Kauf nehmen, wenn sie lediglich einen günstigen Vertrag mit wenig Gesprächsminuten suchten.

Frequenzen wurden übrigens nicht nur um die Jahrtausendwende für Milliardensummen versteigert, erst 2010 wurden LTE-Frequnzen für 4,38 Milliarden Euro unter den Mobilfunkanbietern E-Plus, Vodafone, Telefónica und der Deutschen Telekom versteigert. Die nächste große Versteigerung von 700 MHZ-Frequenzen findet noch in diesem Jahr statt und soll mobiles Hochgeschwindigkeitsinternet flächendeckend ermöglichen. Bis 2018 sollen mit den neuen 700 Mhz LTE-Frequenzen 98 Prozent aller Haushalte mit mobilem Internet mit durchschnittlich 50 Mbit/s versorgt sein.

In anderen Ländern – wie beispielsweise Finnland und Estland – wird der Netzausbau  zum Teil staatlich subventioniert, was dem Geschäftsführer vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) zufolge die günstigen Mobilfunkpreise ermögliche; in Finnland erhält man für 35 Euro 50 GB Datenvolumen. In Deutschland liegt der Netzausbau in den Händen der drei Mobilfunkprovider, die die Frequenzen hierzulande dominieren. Und dieser geht gut voran, wie der BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder der Welt mitteilt: „Bei der Verfügbarkeit von LTE liegt Deutschland in der europäischen Spitzengruppe ganz vorne.“

Zwar liegt Deutschland auf den hintersten Plätzen in der Infografik von Rewheel, ein Einschreiten der Politik, um günstigere Preise zu ermöglichen, ist jedoch nicht zu erwarten. Das Bundeswirtschaftsministerium sowie die Bundesnetzagentur sehen genug Wettbewerb, der die Preise selbst reguliert.

Quelle: Welt, Politico

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