Roaming-Gebühren: EU beschließt Abschaffung 2017, schon ab 2016 deutlich günstiger

Tuan Le 6

Frohe Kunde für reisefreudige Smartphone-Nutzer: Nach einer 12-stündigen Sitzung der Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments in Brüssel ist zum Thema Roaming-Gebühren eine Einigung erzielt worden. Ab dem 15. Juni 2017 sollen keine zusätzlichen Kosten anfallen, wenn man mit der heimischen SIM-Karte im Ausland telefoniert, SMS schreibt oder die mobile Datenverbindung nutzt. Bereits im kommenden Jahr 2016 sollen die Roaming-Gebühren in einem Zwischenschritt drastisch sinken.

Roaming-Gebühren: EU beschließt Abschaffung 2017, schon ab 2016 deutlich günstiger

Vermutlich werden sich einige noch an die Horrorgeschichten von Urlaubern erinnern, denen nach Telefonaten und/oder Datenverbindungen im Ausland astronomische Rechnungen ins Haus flatterten – prominentes Opfer war unter anderem „BILD“-Chefredakteur Kai Diekmann, der sich nach einem Marokko-Urlaub mit Handykosten von 42.000 Euro konfrontiert sah. Die so genannten Roaming-Gebühren, die bei der Nutzung der heimischen SIM-Karte im Ausland anfallen und häufig die regulären Kosten um ein Vielfaches übersteigen, sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Konflikte und Diskussionen. Zwar wurde schon vor einiger Zeit eine Begrenzung der maximalen Kosten eingeführt, doch eine für Handynutzer auf Reisen zufriedenstellende Lösung wurde bislang nicht gefunden. Nach einigem Hin und Her hat das europäische Parlament, der Rat sowie die Kommission in einer 12-stündigen Sitzung heute ein Ende der Roaming-Gebühren bis zum 15. Juni 2017 angekündigt - zumindest zum größten Teil.

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Roaming-Gebühren werden abgeschafft - außer für „Vieltelefonierer“

Die Intention mag löblich sein, an der konkreten Umsetzung hapert es aber leider nach wie vor. So sollen die Roaming-Gebühren im Allgemeinen zwar ab Juni 2017 wegfallen, doch können die Netzanbieter bei übermäßiger Nutzung der SIM-Karte im Ausland dennoch geringfügige Grundgebühren erheben. Hier stellt sich die Frage, ab welchem Limit die Netzanbieter ihre Kunden nach dem vermeintlichen Wegfall der Roaming-Gebühren zur Kasse bitten dürfen: Zuvor wurde von der lettischen Regierung noch ein Tarifpaket vorgeschlagen, in dem den Reisenden gerade mal 50 Telefonminuten, 50 SMS und 100 MB Datenvolumen ohne Roaming-Gebühren zugesprochen werden sollten. Schon nach heutigen Maßstäben wäre das wenig, in zwei Jahren dürfte das in Relation zu den insgesamt steigenden Tarifvolumina noch alltagsuntauglicher sein.

Das wäre natürlich alles andere als zufriedenstellend, offiziell heißt es jedoch, dass durch diese Regelung lediglich dem Missbrauch der Roaming-Freiheit vorgebeugt werden solle. Schließlich könnten andernfalls Nutzer auf die Idee kommen, sich SIM-Karten aus dem Ausland zu beschaffen und permanent daheim zu verwenden, da die inländischen Tarife unter Umständen teurer sind. Schade, wir hätten hier eine Öffnung des EU-Binnenmarktes bevorzugt. Die genauen Konditionen müssen noch verhandelt werden. Zumindest eine deutliche Verringerung der Roaming-Gebühren soll aber ab 2016 als Interimslösung in Kraft treten: Für SMS werden dabei maximal nur noch 2 Cent, für Anrufe und 1 MB Datenvolumen höchstens 5 Cent an Extrakosten fällig. In Sachen Daten ist das jedoch weiterhin unverhältnismäßig teuer: Bei 1 GB Datenverbrauch wären das immer noch 50 Euro.

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Einigung in Sachen Netzneutralität

Erfolge gab es auch beim Thema Netzneutralität: Den Netzanbietern ist es demnach fortan untersagt, basierend auf dem Nutzerverhalten die Bandbreite zu manipulieren. Unabhängig davon, ob Videos gestreamt oder Geschäfts-E-Mails versendet werden, dürfe eine Drosselung oder gar Blockierung der Datenverbindung nicht mehr stattfinden. Einzige Ausnahme bilden Dienste wie der für 2018 geplante automatische Auto-Notruf eCall, die priorisiert werden dürfen sowie die Unterbindung von Cyber-Angriffen. Ebenfalls unbetroffen sind so genannte Zero Rating-Dienste, wie zum Beispiel E-Plus sie hierzulande mit der WhatsApp-Flatrate oder die Telekom mit ihrem Spotify-Angebot anbieten. Netzanbieter dürfen weiterhin kostenfrei Datenvolumen für spezifische Dienste anbieten, sofern andere Dienste dadurch nicht eingeschränkt werden.

Quelle: EU-Kommission, via t3n, FAZ

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