Asgardia: Erste Nation im All - hier meldet ihr euch an

Selim Baykara

Keine Lust mehr auf die Erde, das gleiche Internet und jeden Morgen den gleichen langweiligen Sonnenaufgang? In Zukunft könnt ihr dann ja einfach nach Asgardia auswandern -  Ziel des Projekts ist es, die erste Nation im Weltraum zu schaffen. Lest hier, was sich dahinter verbirgt und wo ihr euch für eure Staatsbürgerschaft in Asgardia anmelden könnt.

Video: SpaceX-Marsmission

 

SpaceX Marsmission: Interplanetary Transport System.

Es klingt wie ein Scherz oder ein Szenario aus einem mittelmäßigen Science-Fiction-Film, ist aber seit heute Realität. Erdenbewohner sollen in Zukunft ihren Heimatplaneten hinter sich lassen können, um den Weltraum zu kolonisieren und dahin zu gehen, wo „noch kein Mensch vor ihnen war“. So weit, so Star Trek. Bei der geplanten Kolonie Asgardia handelt es sich allerdings nicht um eine Science-Fiction-Utopien, sondern um ein ernsthaftes Projekt, das heute in Paris vorgestellt wurde. Anmelden kann sich jeder - sobald 100.000 Anträge  zusammen kommen, will man sich bei der UN um den Status als National-Staat bewerben.

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Asgardia Satellit

Asgardia: Erste Nation im Weltraum wird Realität

Benannt ist Asgardia nach der mystischen Stadt am Himmel und Heimat der Götter Thor und Odin in der nordischen Mythologie. Geht es nach den Vordenkern hinter dem Projekt soll Asgardia aber so schnell wie möglich Realität werden. Wissenschaftler und Rechtsexperten unter der Führung des russischen Nanowissenschaftlers Igor Ashurbeyli stellten die Pläne heute in Paris vor. Die geplante Weltraumnation soll langfristig zum Weltfrieden beitragen, Zugang zu neuen Technologien eröffnen und ein erstes Etappenziel bei der Besiedelung des Weltraums darstellen.

Das klingt alles noch sehr hochtrabend - der Start von Asgardia wird zunächst aber in einem etwas kleineren Rahmen ablaufen. Geht es nach Ashurbeyli - gleichzeitig Mitglied des Aerospace International Research Center und des Science-of-Space-Komitees der UNESCO - soll zwischen 2017 und 2018 zunächst ein Satellit als symbolischer Außenposten in den Erdorbit gestartet werden. Eine futuristische Weltraum-Stadt mit Docks für Raketen und Flüge von der Erde wird es vorerst also nicht geben.

Für Asgardia anmelden - per Online-Formular

Nimmt man es genau, bleibt Asgardia fürs Erste also eher eine Idee: Die Erfinder des Projekts wollen “ eine unabhängige Plattform, frei von den Beschränkungen landbasierter nationaler Gesetze“ schaffen“ so Ashurbeyli. Will heißen: Die geplante Nation Asgardia entsteht zunächst auf dem Papier, in juristischen Dokumenten und in den Köpfen der potentiellen Bewohner. Eine konkrete Umsiedelung in den Weltraum steht in der näheren Zukunft daher auch nicht an. Dennoch kann man sich bereits jetzt für eine Staatsbürgerschaft in Asgardia anmelden - möglich macht es ein einfaches Online-Formular, in dem ihr euch registrieren könnt. Einzige Voraussetzung: Ihr müsst älter als 18 Jahre sein und auf der Erde wohnen.

 

Wer sich anmeldet, bleibt allerdings weiter auf der Erde. Nur ist er dann eben auch gleichzeitig Bürger des Staates Asgardia - Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Status als Nationalstaat von den Vereinten Nationen anerkannt wird. Dazu benötigt man mindestens 100.000 Anwärter - selbst dann ist natürlich unklar, ob die UN den Antrag tatsächlich ratifizieren, immerhin gibt es keine Präzedenzfälle und bislang gelten noch die alten Weltraum-Verträge aus der Angangszeit der bemannten Raumfahrt in den 1960er Jahren.

Video: Gibt es Aliens im Weltraum?

So geht es mit Asgardia weiter

Für die Zukunft haben Ashurbeyli und Konsorten in jedem Fall noch zahlreiche Pläne. Als echte Nation braucht man natürlich eine eigene Nationalhymne sowie eine Flagge - an Letzterer wird derzeit per noch auf der eigenen Webseite gefeilt. Falls ihr euch dazu berufen fühlt, könnt ihr bis zum 20. Januar 2017 eure Entwürfe einreichen. Das eigentliche  Ziel von Asgardia ist aber ein viel Größeres:  Im Mittelpunkt steht „die Erschaffung einer Basis, um den Schutz des Planeten Erde sicherzustellen und jenen Zugriff auf Weltraumtechnologien zu geben, die bisher keinen haben“, so Ashurbeyli.

Zum Thema: Was bedeutet Asgardia für die Raumfahrt?

  • Bislang regelt der Weltraum-Vertrag von 1967 die Gesetzgebung im All.
  • Dabei haftet stets das jeweilige Land für eine Firma oder ein Unternehmen, das im All aktiv ist, wobei strenge Regeln für NASA, SpaceX und Co. gelten.
  • Asgardia will diesen Status-Quo aufbrechen - die Verantwortlichkeiten für Weltraum-Missionen sollen früher oder später zum „Weltraum-Staat“ selbst verschoben werden, der damit unabhängig von der Erde wird.
  • Wie das genau funktionieren soll und wie sich Asgardia in die derzeitigen internationalen Beziehungen einfügen wird, ist im Moment aber noch völlig unklar.

Asgardia Space

Spannend ist das Projekt in jedem Fall, so Christopher Newman, Experte für Weltraumrecht an der Universität Sunderland. Asgardia zeige, wie sehr sich die geopolitische Landschaft im All seit den 1960-Jahren verändert habe. Man müsse die Entwicklung unbedingt im Auge behalten - letztlich ginge es hier schließlich um eine komplette Neuorientierung in der internationalen Raumfahrt. Wem das alles zu abstrakt ist: Die Erfinder von Asgardia haben auch einige Ideen im Gepäck, die traditionelleren Science-Fiction-Vorstellungen entsprechen: Unter anderem  ist ein gigantischer Schutzschild geplant, der die Erde vor kosmischen Gefahren, z.B. Asteroiden, aber auch Trümmerteilen oder anderen menschengemachten Gefahren beschützen soll.

Lest bei uns auch, was genau Lichtgeschwindigkeit eigentlich bedeutet.

Bildquellen: NASA, Asgardia.com

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