Upload-Filter: Was ist das eigentlich und was werden sie anrichten?

Marco Kratzenberg 1

Mit dem höchst umstrittenen Artikel 13 der EU sollen Upload-Filter überall dort eingeführt werden, wo die Besucher Inhalte hochladen können. Was ein Upload-Filter ist, wie er funktioniert und welche Probleme sich dadurch ergeben, erklären wir euch hier.

Upload-Filter sind eine Vorab-Zensur der User-Uploads. Dazu werden programmierte Erkennungsmethoden angewendet, die bei jedem Upload erkennen sollen, ob er das Urheberrecht verletzt. Das kann verschiedene Auswirkungen haben, die wir euch einmal aufzeigen wollen.

Inhalt:

Was bedeutet Upload-Filter – und wieso heißt er nicht so?

Der EU-Abgeordnete CDU-Politiker Axel Voss weist immer wieder stolz darauf hin, dass in der Verordnung nichts von einem Upload-Filter steht. Das ist verständlich, denn in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU wurden sie ausdrücklich ausgenommen. Darauf von einem CDU-Kollegen angesprochen, reagiert er mit einer „verbogenen Wahrheit“.

Das ist aber nur eine Politfloskel: Stattdessen ist nun von Inhaltserkennungstechniken die Rede. Anderes Wort, dieselbe Bedeutung. Im Text der Verordnung kommt „Filter“ tatsächlich nicht vor. Da wird das ab jetzt anders genannt.

Upload-Filter sind automatisch ablaufende Programme, die jeden Upload daraufhin untersuchen, ob er gegen das Urheberrecht eines Rechteinhabers verstößt.

Im Idealfall würde das heißen, dass der eindeutig widerrechtliche Upload eines Kinofilms, eines Musikstücks oder Fotos  unterbunden wird. Vermutlich wird das aber ganz anders ablaufen.

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Wie funktionieren Upload-Filter?

Wie dumm diese Filter sein können, merkt man zum Beispiel dann, wenn man bei Facebook das Bild seines nackten Babys hochlädt, das im Garten herumläuft. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, das so ein Upload fehlschlägt. Nackte Personen, insbesondere Kinder, sind generell verboten.

Wie dumm interessenbasierte Filter sind, zeigt Facebook, wenn man ein Bild einer barbusigen Frau hochladen will. Auch das wird blockiert. Klebt man der Frau Hakenkreuze über die Nippel ist alles gut. Hakenkreuze sind für den Konzern Teil der freien Meinungsäußerung. Ein nackter Busen ist im prüden Amerika ein Ärgernis und unerwünscht.

So können Filter gegen illegale Uploads funktionieren:

  • Im einfachsten Fall werden vorhandene Fotos mit einem hochgeladenen Foto verglichen. Sind die Dateien identisch, wird der Upload verhindert. Eine andere Möglichkeit ist eine Datenbank mit Hashwerten. Durch eine Funktion wird eine eindeutige Dateikennung berechnet und mit dem Ergebnis des Uploads verglichen.

Problematisch ist hier schon, wenn ein identisches Werk in einer anderen Größe, einem anderen Dateiformat oder Farbe (schwarz-weiß) hochgeladen wird. Technisch handelt es sich um ein anderes Bild, Video oder Musikstück.

Hashwerte hat man schon bei früheren P2P-Anwendungen verwendet. Diese Methode ist in den USA mit einem Patent geschützt. Wer diese Technik in einem Filter verwenden will, wird seinerseits vom Inhaber des Patents verfolgt.

  • Die Filter könnten auch mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Facebook arbeitet beispielsweise schon lange an so einer Technik und erkennt Personen in hochgeladenen Fotos.

Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen, die etwa bei Bildern und Videos die Konturen stark nachzeichnet und mit Vorlagen vergleicht, die als schützenswert aufgenommen wurden.

Die Bilderkennung ist aber bestimmt bei den großen Anbietern gut genug, um sicher zu filtern. Problematisch ist dabei nur, dass sie möglicherweise über das Ziel hinausschießen.

Wir haben schon in unserem Land genügend umstrittene Regeln, oder? Schaut euch das Video an!

Mittags- und Nachtruhe: Welche Regeln existieren in Deutschland?

Logische Probleme der Filter

Ganz einfaches Denkmodell: Star-Wars-Rechteinhaber Disney hat dafür gesorgt, dass euer Lieblingsportal alle möglichen Filmbilder als Vorlage hat, um Uploads wirksam filtern zu können. Nun wollt ihr das Bild eures neuen Darth-Vader-T-Shirts hochladen, das ihr völlig legal gekauft habt und für das auch Lizenzgebühren entrichtet wurden.

„Der Filter sagt Nein“ und das war es dann. Kein Widerspruchsrecht, keine logische Diskussion. Das Bild sieht genauso  aus wie Darth Vader in Teil 3, Szene 5, Bild 851… und Ende!

Oder ihr seid in Rom unterwegs, lasst euch auf dem Markt fotografieren und da hängen auch Trikots eines italienischen Fußball-Vereins. Das kann schon reichen, um das Urheberrecht zu verletzen und einen Upload eurer Bilder zu verhindern.

Um die Problematik richtig zu verstehen, müsst ihr euch noch mal eines klarmachen:

Der absolute Großteil sämtlichen hochgeladenen Materials – von privaten Urlaubsfotos mal abgesehen – ist bereits heute urheberrechtlich geschützt! Ihr verletzt das Copyright, wenn ihr euren Instagram-Stories das Musikgedudel unterlegt. Ihr verletzt es, wenn ihr die Witze der Cartoonisten hochladet und wenn ihr kurze Filmausschnitte postet. Memes sind ebenfalls verboten, wenn sie auf Fotos beruhen – oder auf Zeichnungen, die ihr nicht selbst gemacht habt.

Auch viele YouTuber fürchten um ihre Existenz, da sie demnächst keine Videos mehr hochladen können, in denen sie beispielsweise beim Gaming gezeigt werden. Damit bricht ein ganzer Zweig des Internets weg. Wenn man das bis ins Kleinste fortführt, wird schnell klar: Ihr könnt nicht mal mehr die Fotos eines Freundes einfach teilen, weil das sein Urheberrecht verletzt.

Ein weiteres Problem ist die Regelung, wer solche Filter einsetzen muss

Wenn Artikel 13 so durchs EU-Parlament rauscht, wie gerade beabsichtigt, haben Startups noch eine Gnadenfrist. Aber ansonsten muss jede profitorientierte Seite, die älter als 3 Jahre ist, Uploads filtern. Das bezieht sich auch auf private Foren, die hier und da Werbebanner einblenden.

Eine künstliche Intelligenz zu programmieren, die solche Uploads wirksam filtern kann, ist eine langwierige und kostspielige Sache. Das werden sich viele Seiten nicht leisten können und deshalb aufgeben müssen.

Vor dem Hintergrund, dass wir demnächst sowieso so gut wie nichts mehr uploaden dürfen, ist das ein weiterer Nagel im Sarg des freien Internets. Bedanken dürft ihr euch dafür bei den Politikern, die das Internet nicht verstehen und bei jenen, die nur im Auftrag der Rechteinhaber handeln. Und natürlich bei denen, auf die beides zutrifft.

Wie geht ihr mit euren Daten um? Ist euch alles egal, solang es funktioniert oder findet ihr Datenschutz und Anonymität im Internet wichtig? Was wäre, wenn jeder Schritt von euch, jeder Kommentar im Internet zurückverfolgbar wäre? Was würde mit der Meinungsfreiheit passieren? Verratet uns eure Meinung zum Datenschutz und Internet.

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