Ein Shitstorm zieht auf!

Marco Kratzenberg 6

Jeder hat mittlerweile das Wort Shitstorm schon mal gehört und weiß auch ungefähr, was das ist. Wie es dazu kommen kann und wen es bislang am schlimmsten erwischte, erfahrt Ihr hier…

Ein Shitstorm zieht auf!

Wenn sich die Volksseele aufregt, dann will sie ihrem Ärger Luft machen. Früher geschah das durch Demonstrationen und in den USA haben sich Kaufboykotts als sehr effektives Druckmittel erwiesen. So wurde beispielsweise vor geraumer Zeit, noch vor dem Internet, in den USA aufgedeckt, dass ein Autohersteller für Crashtests lebende Schweine einsetzte. Daraufhin erlebte dieser Konzern einen Shitstorm, der sich gewaschen hatte. Ein großer Teil der üblichen Käuferschaft wechselte zu einem anderen Fabrikat. Auf jedem zweiten Auto prangten Aufkleber gegen den Hersteller und schließlich wurde diese Art der Tests eingestellt. Während dieser Zeit brachen sogar die Börsenkurse des Konzerns ein.

Die heftigsten Shitstorms der letzten Jahre

Der Barilla Shitstorm

Guido Barilla ist Nudelhersteller. Jeder kennt seine Produkte aus dem Supermarkt und auch aus der Werbung. Hier werden Familienwerte hochgehalten. So hoch, dass Herr Barilla meinte, Werbung mit und für Homosexuelle werde es von Barilla nie geben. Wenn das denen nicht gefällt, dann sollten sie eben andere Nudeln essen, meinte der Nudelmacher.

 

Und natürlich schlugen die Wellen der Empörung über ihm und seine Pasta herein. Die Konkurrenz war sehr schnell mit zynischer Gegenwerbung. Bertolli (Bild oben) und die anderen reagierten schnell. Die Firma Ronzoni konterte: „Pasta ist unser Geschäft. Was Du in den Mund steckst, geht nur Dich etwas an!“

Der Barilla-Chef entschuldigte sich in einer Videobotschaft, konnte aber nicht verhindern, dass sehr viele Nudelesser jeglicher sexueller Ausrichtung zur Konkurrenz abwanderten.

Der Polizei Shitstorm der erschossenen Kampfhunde in Rüsselsheim

Es ist ein bekanntes Phänomen: Jeder hat in seinem Handy eine Kamera dabei und die meisten Menschen drehen damit lieber Videos, anstatt selbst zu helfen. Diese „Bürger-Reporter“ findet man dann regelmäßig in allen möglichen Publikationen und nicht selten lösen sie einen Shitstorm im Internet aus. So auch in diesem Fall gegen Ende September 2014 in Rüsselsheim.

Ein verwackeltes Video von 26 Sekunden Länge reicht der empörten Internetgemeinde aus, um alles zu wissen. Ein Einsatz von fast einer Stunde Länge wird hier in ein paar unscharfen Bildern zusammengefasst, die zeigen, wie die Polizei zwei freilaufende American Staffordshire Terrier erschießt. Mit Sicherheit war die Situation nicht so simpel, wie sie dargestellt wurde. Aber weil es um Tiere geht und Polizisten eh der Buhmann der Nation sind, waren die Fronten schnell klar. Eine eigens eingerichtete Petitionsseite fordert die Bestrafung der Beamten und die Polizeidienststelle versucht sich mittels Pressemeldungen um Schadensbegrenzung. Die Tiere selbst werden schnell zur Nebensache, während auf Dutzenden von Internetseiten die Kommentare von Drecksbullen, Nazis, Hurensöhnen und „an die Wand stellen“ reden. Wie das letztlich ausgeht, werden vermutlich Gerichte und die Dienstaufsicht klären müssen.

Der vegetarische Shitstorm - ING-DIBa

Es war alles so schön. So schön familiär, so sauber, so freundlich und bürgernah. Dirk Nowitzki kommt in einem Werbespot der ING-DIBa in seine heimatliche Metzgerei und bekommt dort - wie immer - ein Stück Wurst auf die Hand. Fanden alle nett. Hat gut geklappt… Naja, fast jedenfalls.

 Wer isst kein Fleisch? Richtig… Kühe und Vegetarier. Letztere regten sich sehr darüber auf, dass eine Bank für Vertrauen wirbt und dazu einen Sportler Wurst von echten, toten Tieren essen lässt. Die Vegetarier und Veganer lieferten sich auf der Facebook-Seite der Bank einen Grabenkrieg mit den Fleischessern. Weil jeder als einziger in so einer Diskussion Recht hat, kann das nur in die Hose gehen. Am Ende gab es mehrere Zehntausend Kommentare für oder gegen die Bank und ihre Werbung.

Die Bank wusste sich nicht anders zu helfen, als die ganzen Postings zu löschen und zu dem zurückzukehren, was ihr Geschäft ist: Attraktive Finanzprodukte und guten Service. Mittlerweile darf Nowitzki am Strand Eis essen - eigentlich müsste das die Veganer auch stören, oder?

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19 verrückte Fahrzeuge, von denen du nicht glauben wirst, dass es sie wirklich gibt.

Wie gehen Firmen mit einem Shitstorm um?

Was die Initiatoren eines Shitstorms wollen, ist relativ klar. Sie wollen eine Reaktion in ihrem Sinne erpressen. Selten gibt es einen Shitstorm, der sich allein entwickelt. Irgendwer macht eine Angelegenheit öffentlich und empört sich. Nicht selten ruft er gleich zur allgemeinen Empörung auf und die Massen schließen sich ihm mehr oder weniger bereitwillig an. Bei der Wurst-Vegetarier-Nummer stehen sich ohnehin zwei Fraktionen gegenüber und am Ende geht es schon gar nicht mehr um die eigentliche Sache. Gegen die Rüsselsheimer Polizei rufen gleich mehrere Seiten auf. Manche zitieren die Presse, andere verdammen sie. Je nachdem, wie ihnen das Geschriebene ins eigene Weltbild passt.

In so einem Fall ist es extrem schwer, angemessen zu reagieren. Man kann nur beschwichtigen, sich ggfs. entschuldigen und von bestimmten Handlungen ablassen. So hat es die Bank gemacht und lässt Nowitzki nun am Strand rumlaufen. Falsche Reaktionen oder gar keine Reaktionen können zu einer dauerhaften PR-Katastrophe führen. Das hat die Deutsche bahn bereits mehrmals erleben müssen und bekommt in dieser Hinsicht keine Fuß mehr auf den Boden. Selbst ernannte Experten wittern darin eine Einnahmequelle und bieten sich als Krisenmanager an. PR-Buden jeder Größe versprechen, einen Shitstorm in kurzer Zeit in etwas Positives zu verwandeln.

In der Regel geben die Firme schnell klein bei oder versuchen es mit halbherzigen Entschuldigen, die sie noch idiotischer dastehen lassen. So wie Herr Barilla, der meinte, er würde Schwulen den größten Respekt zollen, aber es sei kategorisch gegen deren Recht auf Kinder-Adoption. Barilla hat weltweit viele Kunden verloren…

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