Im Gegenteil, viele Menschen verabscheuen entweder die vollkommene Abschottung von der Außenwelt, die zum Teil auch mit Gleichgewichts-Störungen einhergeht, oder den spürbaren Fremdkörper im äußeren Gehörgang. Oder beides. Wenn sich auch sture Gegner des In-Ear-Konzepts von dem C5 vermutlich nicht konvertieren lassen, so soll der C5 doch manchen dieser Argumente ein wenig Wind aus den Segeln nehmen. So etwa dem Problem mit dem Gleichgewichtsorgan, das bisweilen etwas durcheinander geraten kann, wenn das Ohr völlig verstopft ist.

Der bereits genannte Micro Porous Filter am äußeren Ende des Hörers ist luft- und zum Teil auch schalldurchlässig. Diese Membran soll, so der Hersteller, sicherstellen, dass Luft von außen an das Ohr gelangen kann und so das Gleichgewichts-Organ nicht verrückt spielt. Schallwellen dagegen werden durch das kantenreiche Material zum größten Teil zerstreut bis sie sich auflösen.

Nicht zu verwechseln ist diese Maßnahme allerdings mit aktiver Geräuschunterdrückung, auch „Active Noise Cancellation“ (ANC) genannt. Dabei nimmt ein separates Mikrofon am Kopfhörer die Außengeräusche auf und erzeugt einen Gegenschall, der dafür sorgt, dass kaum Lärm ans Ohr gelangt. In diesem Fall handelt es sich lediglich um passive Geräuschunterdrückung durch das schlichte Abdichten des Gehörgangs durch die Ohrstöpsel.

Dank der Membran gelangt jedoch theoretisch ein kleiner Teil der Außengeräusche an den Hörer – gerade genug, um im Straßenverkehr nicht überfahren zu werden oder wichtige Durchsagen im öffentlichen Nahverkehr nicht zu verpassen.

Aber funktioniert das auch? Sagen wir es einmal so: Umgefallen bin ich im Laufe der vergangenen Woche nicht. Und wenn ich zuvor einmal Probleme damit hatte, mich auf den Füßen zu halten, lag das sicherlich nicht an In-Ear-Kopfhörern. Doch lässt sich nicht leugnen, dass man ein leichtes Lüftchen am Lauscher wahrnimmt, ebenso wie den einen oder anderen lauteren Ton der Umgebung. Um reine Marketing-Strategie handelt es sich bei dem „Micro Porous Filtersystem“ also nicht, wenn auch der Name für hiesige PR-Beauftragte sicherlich hätte günstiger gewählt werden können.

Halt‘ mich, Secure Loop!

Auf den ersten Blick auffällig ist auch, dass der C5 vergleichsweise groß und schwer ist. Das schürt zunächst Zweifel, ob der Hörer auch sicher im Ohr sitzen kann, schließlich will jedes Gramm Gewicht den Stöpsel aus der Ohrmuschel gen Erdboden zerren. Hier kommt nun die Wolfram-Röhre zum Einsatz, die aus dem Gehäuse herausragt. Sie verlagert dank ihrer hohen Dichte (19,3 g/cm³ bei 20°C, zum Vergleich Eisen: 7,9 g/cm³) den Schwerpunkt weit ins Innere des äußeren Gehörgangs und hält den Hörer quasi an Ort und Stelle – ein angenehmes, sicheres Gefühl.

Leichter Druckschmerz durch die Gummi-Stöpsel trat im Übrigen erst nach längerem Tragen (ca. 3,5 Stunden am Stück) auf, was für In-Ear-Hörer eine absolut vertretbare Zeitspanne ist. Insbesondere wenn man, wie ich, sonst eigentlich nur Bügelhörer trägt und an Fremdkörper im Ohr überhaupt nicht gewöhnt ist. Im Lieferumfang sind drei zusätzliche Aufsätze in unterschiedlichen Größen enthalten.

Das reine Gewicht des Hörers ist aber nicht der einzige Haltemechanismus. Das letzte Ende des Kabels ist mit etwas festerem, steiferem Kunststoff ummantelt. Er wird am Hörergehäuse eingeklemmt und bildet so eine Schlaufe, die sich durch Aufschieben vergrößern oder verkleinern lässt. Schiebt man sie auf, nachdem man den Ohrstöpsel passgenau in den äußeren Gehörgang  eingesetzt hat, klemmt sich die Kabel-Schlaufe in der Ohrmuschel fest und sorgt für einen sicheren Halt.

B&W nennt das ganze „Secure Loop“ und diesen Namen hat es allemal verdient. Alles Schütteln und Wackeln kann den C5 nicht von seinem Bestimmungsort vertreiben. Zu Beginn sind für das Einsetzen des Ohrhörers und das Aufschieben der Schlaufe noch zwei Hände erforderlich – mit etwas Übung geht es jedoch auch mit einer Hand.