Es gibt hierbei gewisse, gleichsam systemimmanente Schwierigkeiten: Jeder hört anders. Und jeder bevorzugt ein anderes Klangbild. Mancher mag Bässe und will es kräftig donnern hören, andere lieben die hohen Feinheiten einer Sonate oder eines Jazz-Konzertes und könnten sich kaum weniger um Bässe scheren. Den Klang eines Kopfhörers, gleich welcher Bauart, also mit „gut“ oder „schlecht“ zu bezeichnen, wäre denkbar dumm. Es hängt immer stark davon ab, an was man gewöhnt ist, wie gut man die Höhen noch wahrnimmt (ja ja, das Alter) und nicht zuletzt ist auch die Aufnahme entscheidend für das jeweils individuelle Hörerlebnis.

Ist es nach all dem überhaupt möglich, die Klangqualität eines Kopfhörers vernünftig zu beurteilen? Ja, das ist es. Zum Beispiel kann man vergleichsweise objektive Eigenschaften wie „bassbetont“ oder „höhenlastig“ anhand von Vergleichen mit anderen Hörern oder Lautsprechern beurteilen. Bei B&W heißt es, man wolle den Klang möglichst originalgetreu wiedergeben. Das heißt, was immer der oder die Künstler aufgenommen haben, wird möglichst unverzerrt und unverstärkt wiedergegeben. Keine Über-Bässe, kein klirrenden Höhen.

In der Tat kommen die Bässe in Rock-Stücken wie „Take Me Out“ von Franz Ferdinand punktgenau, trocken und nur da, wo sie auch hingehören. Kein unnötiges Dröhnen, kein Wummern. Auch „Broken Boy Soldier“ von The Raconteurs wird brav neutral wiedergegeben. Sogar die Bühnendarstellung ist für einen In-Ear-Hörer erfreulich gut. Stücke, die nach viel Bass verlangen, wie etwa „Pass This On“ von The Knife, kommen mit dem C5 ebenfalls auf ihre Kosten. Er klingt hier überaus kräftig für solch einen Winzling. Wer es lieber etwas ruhiger und entspannter mag, kann mit dem C5 selbst bei verhältnismäßig lauter Umgebung noch genau hören, wie José Gonzales einen neuen Akkord greift.

Soweit, so gut. Sehr gut sogar. Doch ebenso wenig wie die Katze das Mausen, lässt der In-Ear das Verstärken körpereigener Geräusche. Das kann man dem C5 zwar nicht wirklich anlasten, wie man zum Beispiel auch einem Bügelkopfhörer nicht vorwerfen kann, dass er von außen recht gut sichtbar ist. Dennoch sollte man sich vor dem Kauf eines In-Ear-Hörers bewusst sein, dass über das Kabel einige Schabe- und Raschel-Geräusche direkt ins Ohr übertragen werden. Gleiches gilt für jeden Schritt, der nicht auf Samtpfoten getan wird. Das kann bei längeren Spaziergängen und zurückhaltend leiser Musik schon mal stören.

Was uns zu einer kurzen Bemerkung zu In-Ear-Kopfhörern als iPhone-Headset führt. Es ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Rein technisch ist das Ganze überhaupt kein Problem – der Klang ist erwartungsgemäß in Ordnung, ich werde auch am anderen Ende gut verstanden. Doch birgt der Umstand, dass die eigenen Ohren völlig verschlossen sind, Potential für Irritation. Es hört sich einfach merkwürdig an, wenn man sich selbst ungewohnt laut hört und daher unvermittelt leiser spricht, als üblich. Zuerst musste ich befürchten, das Mikrofon sei nicht leistungsstark genug oder ich hätte vielleicht ein „Montagsmodell“ erhalten. Aber nein, die eigene Stimme im Ohr um ein Vielfaches lauter zu vernehmen als sonst, führt zu erheblich gedämpfter Stimmlage.

Also: Nur Mut, kräftig hineingebrüllt ins Headset, dann klappt's auch mit dem Gesprächspartner. All das vermag zwar den sonst guten Eindruck, den wir vom C5 haben, nicht zu mindern. Im Übrigen sollte man bedenken, dass der C5 zwar nicht explizit nur fürs iPhone angeboten wird, mit anderen Smartphones deswegen aber nicht unbedingt kompatibel ist. Der Test an einem Nokia-Smartphone etwa ergab, dass die Belegung der Pins am 3,5-mm-Stereostecker leider für störende Nebengeräusche sorgt. Vor dem Kauf also am besten im Geschäft mit dem eigenen Gerät ausprobieren, ob die Kopfhörer wunschgemäß funktionieren.

B&W C5: Das Testfazit

Der Bowers&Wilkins C5 ist ein insgesamt sauber gefertigter, gut durchdachter und klanglich angenehm neutraler In-Ear-Kopfhörer. Die Hülle aus Aluminium ist robust und gefällig zugleich. Eine innovative Befestigungsmethode, der „Secure Loop“, trägt ebenso zum Tragekomfort bei, wie der Schwerpunkt weit im Inneren des Ohres. Dabei macht der Hörer klanglich einen sehr ausgewogenen, reinen Eindruck. Hier macht sich der Anspruch des Herstellers bezahlt, die Töne möglichst originalgetreu ans Ohr zu geben.

Gestört hat uns neben der etwas hakeligen, unpraktischen Tasche mit störrischem Reißverschluss lediglich die Wiedergabesteuerung. Sie könnte griffiger sein und den suchenden Fingern mehr Halt bieten.

Insgesamt geht der Preis von derzeit etwa 135 Euro durchaus in Ordnung – man hat nicht den Eindruck, dass ein besonders großer Anteil allein für den „guten Namen“ draufgeht. Achten sollte man jedoch auf die Unterstützung anderer Smartphones als des iPhone. Wer sich also nach einem hochwertigen iOS-Headset umschaut und dem Konzept In-Ear insgesamt nicht abgeneigt ist, dem sei der B&W C5 ans Herz gelegt.

Vorteile
+ Sicherer Halt
+ Angenehmes Tragegefühl
+ Neutraler Klang
+ Ansprechend schlichtes Design

Nachteile
- Etwas fummelige Wiedergabesteuerung
- Tasche könnte praktischer sein

macnews.de-Wertung: 4,5 von 5 Sterne

Zusammenfassung B&W C5
Hersteller: Bowers&Wilkins
Preis: ca. 135,00 Euro bei Amazon ()

Alternativen Shure SE315 Etymotic HF3i

Ratgeber: Welchen Bluetooth-Lautsprecher soll ich mir kaufen?

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