Meinung: Illegales Streaming von Filmen ist kein Grundrecht

Stefan Bubeck 52

„Ein neuer Film läuft im Kino! Den muss ich sofort sehen und zwar kostenlos per Stream zuhause!“ – Sorry, NEIN. Du hast das Warten verlernt und bist einfach nur gierig.*

Meinung: Illegales Streaming von Filmen ist kein Grundrecht
Bildquelle: Pixabay.

* Gier: „Ein auf Genuss und Befriedigung, Besitz und Erfüllung von Wünschen gerichtetes, heftiges, maßloses Verlangen.“

Eines vorab: Ich bin nicht von der Filmindustrie gehirngewaschen worden, um Lobbyarbeit für Hollywood-Millionäre zu betreiben. Ich habe auch keine Kino-Flatrate gewonnen oder bin sonst irgendwie privilegiert. Ich bin einfach nur der Typ, der den Artikel „EuGH-Urteil zum illegalen Streaming von Filmen und Fußball: Drohen Abmahnungen?“ geschrieben und sich danach einen Abend lang Kommentare dazu auf Facebook durchgelesen hat.

Offenbar gibt es sehr viele Menschen, die illegale Streaming-Anbieter wie Kino.to mit Herzblut verteidigen, als ginge es um ein Familienmitglied. Das tun sie mit Argumenten, die leider nichts taugen. Sie sagen, „die Gerichte sollen sich mit wichtigeren Dingen befassen und echte Verbrecher bestrafen!“ oder – eine Stufe härter – „Mörder kommen ungeschoren davon und Streamer werden verfolgt“. Für diese Art der Pseudo-Argumentation gibt es ein eigenes Wort namens Whataboutism: Man hat zu einem Thema nichts Konstruktives zu sagen und fängt einfach von einem anderen an, zum Beispiel vom Reichtum der Schauspieler und der Filmbosse. Verwandtes Thema, aber eben nicht das, um was es eigentlich geht. So endet jede Diskussion bei Weltpolitik, abstrusen Anschuldigungen („Merkel ist an allem schuld!“) und Verschwörungstheorien („Der Staat verdient mit!“).

Deshalb hier nochmal der Punkt, um den es wirklich geht – die Frage, die es zu klären gilt, bevor man ernsthaft Pro- oder Contra in der Streaming-Debatte beziehen kann:

Haben du oder ich oder sonst irgendwer ein grundsätzliches Recht auf den kostenlosen Genuss brandneuer Filme, Serien oder die Bundesliga?
Ist das sowas wie Luft zum Atmen, ist das ein Allgemeingut, auf das jeder Zugriff haben sollte, ohne dafür bezahlen zu müssen?

Ohne klare und ehrliche Antwort darauf ergibt eine Diskussion um neue Gerichtsurteile oder technische Aspekte des Streamings („Speicherung im Cache ist keine Kopie“) absolut keinen Sinn.

Die Antwort auf diese Frage ist NEIN. Das ist nicht etwa meine ganz persönliche Einschätzung und jemand anderes kann das dann halt umgekehrt sehen. Dieses NEIN ist ein Fakt. Es gibt kein „Recht auf kostenlosen Konsum“ von neuen Kinofilmen, Serien, Fußballübertragungen oder Musik. Das ist nie vereinbart worden, das steht nicht im Grundgesetz und auch sonst nirgendwo. Und deshalb gibt es auch kein Recht auf kostenlose Streams. Die Wahrheit ist, dass jemand einen Film produziert und wir uns den Zugriff kaufen können (Kino, Bluray, Netflix), wenn wir das möchten. Der Anbieter verdient damit Geld – manchmal unverschämt viel (siehe Boxoffice) und manchmal so wenig, dass es nicht zum Leben reicht (frag einen Filmstudenten).

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Wer glaubt, er wäre der König auf dem heimischen Sofa, der selbstverständlichen Zugriff auf die neuesten Produktionen aus Hollywood und anderswo haben müsse, lebt in einer abgefahrenen Traumwelt. „Ihr verweigert mir meinen kostenlosen geklauten Filmstream? Was fällt euch ein! Ich bin was Besseres und habe ein Recht darauf!“

Wir können darüber sprechen, ob die Filmindustrie sich endlich aufraffen und ein besseres, billigeres, zeitgemäßeres Angebot auf die Beine stellen sollte. Wir können diskutieren, ob die Abmahnungkosten für illegales Streaming zu hoch sind. Wir können auch darüber sprechen, ob manche Filme vielleicht einfach nicht den Eintritt wert sind. Aber wir können nicht so tun, als ob uns irgendwer etwas vorenthält, auf das wir ein Anrecht hätten. Als würden uns „die Richter“ etwas wegnehmen, wenn sie entscheiden, dass jetzt schon das bloße Zuschauen verboten ist.

„Ich hätte den Film sowieso nicht gekauft, also habe ich auch nichts geklaut, wenn ich das irgendwo für umme streame.“ Ja, das darfst du gerne so sehen – aber dann heul nicht, wenn das morgen nicht mehr geht, denn darauf hattest du nie ein Recht. Dir ist die Kinokarte für den mittelmäßigen Film zu teuer und du willst ihn trotzdem sehen? Diese Haltung passt zu einem fünfjährigen Kind, das auf Süßigkeiten im Supermarkt zeigt und glaubt, seine Eltern müssten das aus irgendeinem Grund jetzt sofort kaufen und ihm in die Hand drücken.

Klar hab ich auch Bock auf tausend Dinge – aber manchmal heißt es nun mal: Sparen (neues Smartphone), warten (tolle Wohnung in Berlin) oder sogar „Pech, das wird nix“ (Porsche 959). So ist es mit allem im Leben, auch mit meiner Lieblingsserie oder dem neuen Kinohit, den alle Kumpels schon gesehen haben, aber ich noch nicht.

„Wir sind hier nicht beim Wunschkonzert.“ – das sagt man zu Leuten, die immer nur haben wollen, aber sich nicht fragen, ob sie überhaupt in der Position dazu sind. Und manchmal sagt man sich das auch zu sich selbst, um wieder auf den Boden zu kommen. Das ist absolut OK.

Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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