Der Mac wird 30 Jahre alt: Totgesagte leben länger

Sven Kaulfuss 8

Wer hätte dem Macintosh ein solch lange Lebenserwartung zugetraut? Heute vor 30 Jahren erblickte der erste Mac das Licht der Welt und schickte sich an, unsere Schreibtische zu erobern. Totgesagt wurde er des Öfteren, heute zeigt er sich lebendiger als je zuvor.

Der Mac wird 30 Jahre alt: Totgesagte leben länger

Der Mac war ein Gegenentwurf. Bis zu seiner Vorstellung im Januar 1984 bestimmten die wissenden Nerds die Computerwelt. Sie pflegten eine Geheimsprache, mit der sie ihre Rechner beschwörten. Wer von den Errungenschaften der Moderne profitieren wollte, musste sich dem beugen, musste diese Sprache beherrschen, musste sich dem Computer unterwerfen. Der Macintosh hielt sich nicht an diese Konvention. Er war ein freundlicher Zeitgenosse, biederte sich uns mit seinen leicht verständlichen Piktogrammen an, ließ sich mit einer damals ungewohnten Mausbewegung befehligen und war so ganz anders – ein Computer für den Normalbürger.

Demokratisierung der Technikwelt

Die Einführung des Macs glich einem Putsch: Hinfort mit der Diktatur der Technokratie, alle Macht geht nun vom ganzen Volke aus. Im Ergebnis demokratisierte Apple mit dem Macintosh die Computerwelt. Die Eingeweihten wurden gezwungen, ihr Herrschaftswissen künftig zu teilen, sie hatten keinen alleinigen Anspruch mehr auf die Gaben des Fortschritts.

Natürlich hatte die Volksherrschaft auch ihren Preis. Billig war der Erkenntnisgewinn aus einem Mac noch nie. Apple verkalkulierte sich, die Nachahmer übernahmen das Ruder und bestimmten spätestens seit Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts das Geschehen. Der Wunsch der Marktbeherrschung wich einem geplatzten Traum. Schlimmer noch. Apple stand am Abgrund und drohte den Mac gleich mit in den dunklen Graben zu ziehen.

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Heute: Der Macintosh in der glücklichen Nische

Doch es sollte – wie so oft in der Geschichte der Mutterfirma – anders kommen. Der einst verloren geglaubte Sohn kehrte heim, inspirierte wie in vergangenen Tagen das Team und vollbrachte mit seinen Brüdern und Schwestern ein Wunder. Mit dem iMac wurde der Macintosh wieder ins kollektive Gedächtnis gerufen. Besser noch: Die Kunden kauften ihn und seine Nachfolger. Eine marktbeherrschende Stellung konnte unser Lieblingsrechner jedoch nicht mehr erlangen. Zu bedauern ist dies nicht. Der Mac lebt heute weltweit in einer gesundeten Nische – zu wichtig, um vergessen zu werden, zu klein, um den Dreck (Viren und anderes Getier) der PC-Welt über sich ergehen lassen zu müssen.

Die „Welteroberungspläne“ vollführen derweil seine Nachfahren. Das iPhone und das iPad gelten von Anbeginn als Vorreiter und Primus ihrer Branche. Was niemand vergessen sollte: Sie beide haben ihre Existenz dem Mac zu verdanken. Offenkundig basiert das ihnen zugrunde liegende iOS auf Mac OS X. iPhone und iPad sind deshalb mitnichten bloßes Spielzeug und ausgemachte Widersacher des Macs. Sie tragen vielmehr das Erbe des Macintoshs in sich – der Kreis schließt sich.

Mein Vers zum Mac…

An solch einem Freudentag sollte man die Gelegenheit nutzen und sich fragen: Wie hat der Macintosh mein Leben geprägt, wie wichtig ist dieses Gebilde der Technik für mich eigentlich? In meinem Fall klingt es verrückt, ja beinahe beängstigend. Ohne den Mac sehe meine Existenz gänzlich anders aus – ein Computer als Weichensteller für die Zukunft? Jawohl. Ich kaufte meinen ersten Mac aus einem leicht verständlichen Grund – ein Werkzeug für das Studium sollte er sein. DOS und Windows kannte ich noch von der Schule. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ich zählte nicht zu den eingeweihten Technokraten. Der Mac erschien mir als Befreiungsschlag. Und doch war es ruhig, ja fast einsam zur besagten Zeit. Von knapp 500 Studenten meines Jahrgangs gab es neben mir nur noch einen einzigen Mac-User, im Studentenwohnheim stand ich ausnahmslos allein auf weiter Flur mit meinem „komischen Rechner“ – so war das damals, vor fast 20 Jahren.

Zu der Zeit wurde ich ein Apple-Fan. War von der Idee des Macs angefixt, wollte das Evangelium unter die Leute bringen, lebte und liebte meinen Mac durch und durch. Das Studium der Rechtswissenschaft erschien mir dagegen vermehrt trostlos. Leichten Herzens schmiss ich hin, wechselte in die „New Economy“ und verdingte mich fortan als Produktmanager (Apple) eines damals noch kleinen Onlineshops. Meine Eintrittskarte? Der Mac!

Besagter Shop schickte sich damals an, die beschauliche Welt der Mac-Händler kräftig durcheinander zu bringen. Was den Jungs und Mädels noch fehlte? Jemand der den Mac-Markt kannte, jemand mit „Apple“ im Blut. Sie fanden diesen „Jemand“ in mir. Fast 13 Jahre verdingte ich mich fortan. In dieser Zeit wuchs Apple und das kleine Unternehmen, für das ich arbeitete, mutierte gleichfalls zu einem der größten Multichannel-Anbieter in Europa (aktueller Jahresumsatz jenseits der 500 Millionen Euro).

Unnötig zu erwähnen, dass meine Mac-Reputation mir ebenso behilflich war, als ich später auch noch bei macnews.de (heute GIGA APPLE) anheuerte. Kurzum: Meine gesamte berufliche Laufbahn verdanke ich meiner Begeisterung für den Mac. Wahnsinn!

Was ist euer Vers zum Mac?

Jetzt ist es an euch liebe Leser. Wie hat der Mac euer Leben beeinflusst? Lasset mich – wie auch Apple in einem aktuellen SpotWalt Whitman zitieren:

„Oh ich, oh Leben!
auf alle diese wiederkehrenden Fragen,
Auf diesen unendlichen Zug der Ungläubigen,
auf die Städte, die voller Narren sind,
Was habe ich darauf für eine Antwort – oh ich, oh Leben?

Dies aber ist die Antwort:
Du bist hier, damit das Leben blüht und die Persönlichkeit,
Damit das mächtige Spiel weitergeht
und du deinen Vers dazu beitragen kannst.“

Was ist euer Vers, was ist eure Geschichte zum Mac? Die Kommentarfunktion wartet voller Zuversicht auf eure Antwort.

Herzlichen Glückwunsch lieber Macintosh!

Zum Thema:

Bildquelle (Titel): Apple und  30 years experience… von shutterstock

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