Focus Stacking in der Makrofotografie

Patric Böttcher 7

Wir haben euch bereits die wichtigsten Grundlagen zur Makrofotografie erzählt. Was wären Grundlagen ohne Erweiterungen, denn genau darum geht es in diesem Artikel. Heute zeigen wir euch, wie man mit einer Kombination aus fotografischer Aufnahme- und digitaler Bildbearbeitungstechnik zu besseren Makrofotos kommt.

Jeder der schon mal ein Insekt im Makrobereich fotografiert hat, wird beim Betrachten des Bildes bemerkt haben, dass irgendwie nur ein kleiner Teil des Bildes scharf ist. Warum das so ist und womit dieses Problem zusammen hängt, hatten wir euch im Artikel „Makrofotografie – Der Einstieg“ und im Video „Einstieg in die Makrofotografie“ erzählt. Es ist die Schärfentiefe, die diesen Effekt entstehen lässt.

Selbst wenn man die Blende eines Makro-Objektives stark schließt, was ab einem bestimmten Punkt eher zu einer sogenannten Beugungsunschärfe führt, gelingt es kaum das Insekt von vorn bis hinten scharf abzubilden.

Fotografieren mit „Focus Stacking“

Abhilfe für dieses Problem schafft das sogenannte „Focus Stacking“ oder in unserem konkreten Fall auch „Macro Stacking.“ Auf Deutsch heißt das so viel wie „Fokus stapeln.“ Hierbei macht man für jeden Fokusbereich ein einzelnes Bild und fügt danach alles  mit einer Software zusammen. Dies kann automatisch erfolgen, aber auch manuell.

Was benötigt man alles für das „Macro Stacking“:

  • Ein Stativ
  • Einen Fernauslöser (es geht auch die Selbstauslösefunktion, ist aber umständlicher)
  • Und da wir Makrofotos erstellen wollen, ein Makro-Objektiv (ein Kit-Objektiv mit Retroadapter oder Zwischenringe gehen auch, mehr dazu in einem anderen Artikel)

Wie funktioniert das nun genau? Eigentlich ist das fotografieren gar nicht so schwer, denn man setzt lediglich den Fokus immer auf eine andere Stelle des Objekts. An dem folgenden Beispiel, in dem ich eine Blüte fotografiere, zeige ich euch mal, wie das funktioniert.

Insgesamt habe ich 10 Einzelbilder gemacht. Beim ersten Bild setzte ich den Fokus an den vordersten Blattrand und veränderte dann, manuell am Objektiv, den Fokuspunkt in Richtung Blütenboden. Um auch ein wirklich verwacklungsfreies Bild zu bekommen, habe ich einen Fernauslöser (Funk) benutzt und in der Kamera die Spiegelverriegelung aktiviert. Mehr zur Spiegelverriegelung für verwacklungsfreie Bilder gibt es demnächst in einem Extra-Artikel.

Hier ein Bild vom Aufbau des Sets:

Photomerge in Photoshop

Hat man nun alle Bilder im Kasten, geht’s zum Zusammenfügen der Bilderserie. Dazu gibt es bei Photoshop (ab CS4) die coole Funktion „Photomerge“. Als erstes wählt man unter „Datei-->Automatisieren-->Photomerge“ die Bilder aus, die man zusammenfügen möchte. Dabei wählt man auf der linken Seite des Dialogfensters „Auto“ aus und entfernt unten alle Häkchen. Jetzt fügt Photoshop alle Bilder zusammen und gleicht dabei leichte Abweichungen im Abbildungsmaßstab aus. Diese entstehen durch das fokussieren und lassen sich nicht vermeiden. Erstaunlicher Weise gleicht Photoshop das nahezu perfekt aus.

Makrofotografie Focus-Stacking

Makrofotografie Focus-Stacking

Im letzten Schritt, Photoshop hat uns jetzt alle Bilder als Ebenen in eine Datei gepackt, lassen wir die Software alle scharfen Fokusbereiche erkennen und maskieren. Dazu ist es wichtig, dass wir alle Ebenen auswählen. Unter „Bearbeiten-->Ebenen automatisch überblenden“ wählen wir „Bilder stapeln“ aus und setzten das Häkchen bei „Nahtlose Töne und Farben“. Nach dem wir „OK“ gedrückt haben, fängt Photoshop an Masken auf die einzelnen Ebenen anzulegen und nur die Bereiche anzuzeigen, die auch scharf im Fokus liegen. Je nach Größe der Bilder und Rechenleistung, kann das einen Moment dauern.

Makrofotografie Focus-Stacking

Makrofotografie Focus-Stacking

Makrofotografie Focus-Stacking

Hier das Finale Ergebnis:

Ich war selbst überrascht, wie gut das mal wieder funktioniert hat und finde das Ergebnis super. Es zeigt eine Scharfe Blüte, die vom vorderen Rand des Blattes bis tief hinein zum Boden scharf ist. Mit nur einem Foto, wäre das so nicht möglich gewesen.

 Größenvergleich der Blüte zu einem Cent-Stück:

Makrofotografie Focus-Stacking

 Wie das Ganze mit Photoshop Elements funktioniert, zeigen wir euch nächste Woche.

 

Bei den Fotos verwendet: Canon EF 100mm 2,8 L IS USM Macro
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