Telefonabzocke: Die neuen Tricks 2017 - so schützt ihr euch

Selim Baykara

Telefonabzocke ist auch in Zeiten von Internet, Facebook und Instant-Messengern noch gang und gäbe. Laut Verbraucherschützern nimmt die Zahl der unerwünschten Anrufe sogar zu. Wir zeigen, wie ihr euch vor den neuen Tricks der Betrüger schützen könnt.

Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.

Im Jahresbericht 2016 verzeichnet die Bundesnetzagentur 22.338 telefonisch eingegangene Anfragen und Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch und unerlaubter Telefonwerbung sowie weitere 29.298 schriftliche Beschwerden. Ein trauriges Rekordhoch und in den Augen der Verbraucherschützer ein Zeichen dafür, „welche Präsenz dem Thema Telefonwerbung in der Öffentlichkeit nach wie vor zukommt und wie wichtig die konsequente Ahndung von Verstößen durch die Bundesnetzagentur ist.“ Leider bleibt es oft nicht bei Werbung: Die Telefonabzocke wird immer ausgefeilter, die Anrufer bedienen sich zunehmend aggressiver Methoden.

Telefonabzocke 2017: Niemals am Telefon „Ja sagen“

Ein besonders perfider Trick, der in der jüngeren Vergangenheit vermehrt gemeldet wurde: Unbekannte rufen an und versuchen, das Opfer in ein Gespräch zu verwickeln. Dabei geben sie beispielsweise vor, dass sie im Auftrag eines Marktforschungsinstitutes anrufen und eine Verbraucherumfrage durchführen.

Während des Gesprächs kommt dann eine Frage, auf die man mit einem „Ja“ antworten soll, etwa: „Ist es in Ordnung, wenn wir das Gespräch elektronisch mitschneiden? Nur für die Qualitätssicherung! Das machen wir immer so. Ja?“

Das Hinterhältige: Die Anrufer wollen nicht einfach nur eine Information. Das eigentliche Ziel ist, dem Opfer ein klares und deutliches „Ja“ zu entlocken, währenddessen zeichnen die Betrüger das Gespräch im Hintergrund auf. Anschließend schneiden sie die Worte so geschickt zusammen, dass der Eindruck entsteht, der Gesprächspartner habe einem Vertrag mündlich zugestimmt. Nach einiger Zeit flattert dann die teure Rechnung, etwa für einen neuen Handytarif, ins Haus, obwohl man doch eigentlich gar nichts bestellt hat.

Der offensichtliche Schutz: Niemals am Telefon „Ja“ sagen – zumindest dann nicht, wenn einem der Anruf ohnehin schon verdächtig vorkommt. In vielen Fällen berichteten Geschädigte etwa, dass die Anrufer einen starken Akzent aufwiesen und offensichtlich nur schlecht Deutsch sprachen. Problem: Die Betrüger haben oftmals sogar den vollständigen Namen und die korrekte Anschrift ihrer Opfer. Wird man dann etwa gefragt, ob der Name stimmt, sagt man automatisch „Ja“ und nicht in „OK“ oder „in Ordnung“.

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Phishing: Die fiesesten Tricks der Betrüger.

Hier könnt ihr Telefonabzocke melden

Die Verbraucherzentralen raten dazu, keineswegs auf unberechtigte Forderungen einzugehen: Habe man einem Vertrag nicht bewusst zugestimmt, müsse man auch nicht zahlen, so etwa die Verbraucherzentrale NRW. Ignorieren könne man die Forderung aber auch nicht. Stattdessen solle man sich wie folgt verhalten:

Firmen dürfen euch eigentlich nicht mit unterdrückter Rufnummer anrufen – tun sie es doch, solltet ihr fragen, wie die Nummer lautet und für wen der Anrufer arbeitet. Erfahrungsgemäß gibt es natürlich keine Garantie, dass der Gesprächspartner die Wahrheit sagt. Wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas nicht stimmt und der Anrufer herumdruckst, solltet ihr das Gespräch beenden und auflegen.

Telefonabzocke: Was tun bei unbekannten Nummern und ständigen Anrufern?

Ein weiteres Problem: In vielen Fällen wird man ständig von der gleichen Telefonnummer angerufen, ohne zu wissen, wer eigentlich dahintersteckt. Meist hat man gar nicht die Gelegenheit ans Telefon zu gehen, weil schnell wieder aufgelegt wird – die Mehrzahl der Verbraucher will natürlich trotzdem wissen, wer denn die ganze Zeit anruft.

Teilweise handelt es sich dabei um sogenannte Predictive Dialer: Das sind automatisierte Tools, die von Call-Centern eingesetzt werden, um die Effizienz  und Frequenz der ausgehenden Anrufe zu steigern. Leider wird diese Methode oft missbraucht, um massenhaft Verbindungen aufzubauen, die dann ins Leere gehen, weil der Call-Center-Mitarbeiter sich noch in einem anderen Gespräch befindet. Auch namhafte Unternehmen wie die Telekom bedienen sich dieser Methode – zuletzt sorgte etwa die Telefonnummer 0800 3302202 deutschlandweit für genervte Nutzer.

Noch eine Spur hinterhältiger sind Ping-Anrufe, bei denen man nur kurz angeklingelt wird. Auf dem Display befindet sich dann eine Nummer, die man nicht kennt – der natürliche Impuls vieler Verbraucher besteht darin, zurückzurufen. Genau das darf man aber nicht machen – bei diesen Telefonnummern handelt es sich um extrem teure Satellitennummern, also internationalen Sondernummern, bei denen man teilweise mehrere Euro pro Gesprächsminute zahlt.

Ganz ausschließen kann man solche Anrufe natürlich niemals – es gibt aber einige Verhaltensweisen, die die Chance deutlich verringern, von unbekannten Telefonnummern und Trickbetrügern belästigt zu werden:

  • Seid vorsichtig, wem ihr eure Telefonnummer gebt – im Zeitalter der totalen Vernetzung weiß man nie, wo sie irgendwann landet.
  • Vermeidet es etwa, eure Telefonnummer bei Gewinnspielen im Netz anzugeben, da diese oft an Dritte weitergeleitet werden, die euch anschließend telefonisch belästigen.
  • Passt zudem auf, wenn ihr euch neue Apps auf eurem Smartphone installiert – eventuell verlangt die App Berechtigungen wie den Zugriff auf eure Telefonnummer und andere persönliche Daten.
  • Solltet ihr wiederholt von unbekannten Anrufern kontaktiert werden, könnt ihr die Nummer mit einem Eintrag in die Robinsonliste blockieren.
  • Wir zeigen euch noch andere Methoden, um Nummern zu blockieren.
  • Die oben bereits erwähnte Bundesnetzagentur bietet für fast alle Betrugsmaschen eigene Formulare, um eine Beschwerde einzureichen.

Facebook: Account gehackt - So rettet ihr euer Profil

Wie sehen eure Erfahrungen mit Telefonabzocke und anderem Betrug am Telefon aus? Wurdet ihr jemals belästigt oder seid ihr sogar schon Opfer eines Betrugs geworden. Wie habt ihr euch daraufhin verhalten? Schreibt uns eure Erfahrungen in den Kommentaren!

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