Elektroautos: Alles Hype – oder die Zukunft?

Johann Philipp 1

Die Debatte zu Elektroautos führt schnell zu den immer gleichen Argumenten: zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenig Ladesäulen. Doch wir stehen auch erst am Anfang.

Elektroautos: Alles Hype – oder die Zukunft?
Bildquelle: Nissan.

Elektroautos spalten die Gesellschaft: Für die einen sind sie die Zukunft, für die anderen nur teure Übergangstechnik. Die Berliner Zeitung titelt: „Elektroauto macht mehr Probleme, als es löst.“ Ja, es gibt noch viele Probleme, vor allem die Akku-Technik ist auch noch lange nicht ausgereift.

Neue Technologie wird verteufelt

Schon bei der Erfindung des Automobils vor über 100 Jahren war die Abneigung anfangs groß. Die grandiose Fehleinschätzung des letzten deutschen Kaisers war damals: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“, so Kaiser Wilhelm II. Viele Kritiker übertragen das Zitat heute auf E-Autos und glauben weiter an Verbrennungsmotoren. Bisher haben sie damit auch Recht, doch in Zukunft werden effizientere Akkus für mehr Reichweite sorgen.

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Tesla macht es allen vor

Die Entwicklung der Elektroautos steht doch erst am Anfang. Tesla ist der einzige Hersteller, der seine Stromer attraktiv gestaltet. Leider bedeutet das auch, dass die Modelle immer noch sehr teuer sind. Andere Hersteller wie Nissan und Renault bringen günstigere Modelle für die Stadt mit passablen Reichweiten. Einzig die deutschen Hersteller bauen, abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen, lieber Studien, die nicht vor 2020 auf die Straße kommen. Alle eint, dass Akkus momentan teuer sind und die Politik es nicht schafft, die richtigen Anreize anzubieten.

Akku-Forschung

Fisker – einer der raren Tesla-Konkurrenten, will sein nächstes Elektroauto mit einem Graphen-Akku ausrüsten. Dieser soll bis zu 650 Kilometer Reichweite bringen und nach nur 9 Minuten Ladezeit 200 Kilometer weit kommen. Die Forschung in Australien arbeitet an einem Akku aus Luft und Zink, der noch effizienter als Lithium-Ionen-Modelle sein soll. Die Wissenschaft bringt neue Ideen. Die Politik sollte es auch tun. Mehr Ladesäulen, weniger Durcheinander bei den Anbietern und endlich echte Anreize. Das brauchen Elektroautos.

E-Autos für Flottenfahrzeuge und Logistik

Elektroautos spielen ihre Vorteile bei kurzen Strecken und in der Stadt aus. Das Revier von Flottenfahrzeugen, Logistik- und Servicewagen. Die Post fährt in einigen Gebieten schon vollelektrisch. Den ganzen Tag über emissionsfrei fahren und nachts aufladen sind die perfekten Anforderungen an Elektroautos. Daher wird diese Branche als Erstes auf Elektro umsteigen. Auf Langstrecken wird es sicher noch länger dauern bis Akkus annehmbare Reichweiten bieten, doch das erste Auto, was Kaiser Wilhelm zu seiner Aussage brachte, hat mit der heutigen Entwicklung auch nicht mehr viel gemeinsam.

Der Erfolg von Tesla

Warum ist Tesla so erfolgreich? Weil sie neu denken. Ein Auto braucht Schalter und Knöpfe? Nicht bei Tesla. Ein Auto kann nicht sportlich aussehen und gleichzeitig praktisch sein? Nicht bei Tesla. Ein Auto braucht ein Drehzahlmesser? Nicht bei Tesla. Es spielt allerdings noch ein weiterer Punkt eine große Rolle. Sie haben es verstanden, dass es mehr braucht als nur ein Elektroauto mit hoher Reichweite. Die Infrastruktur muss stimmen. Siehe da, Tesla hat die Supercharger, an denen die meisten Kunden ihr Auto kostenlos aufladen können. Viele andere Hersteller vertrauen auf die städtische Infrastruktur und scheitern. Wie ein Tesla Model S hergestellt wird, seht ihr hier im Video:

Tesla Produktion in der Fremont Factory, Kalifornien (Herstellervideo).

Einsicht bei der Politik?

Die Grünen wünschen sich, dass ab 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Aktuell wird immer wieder über Fahrverbote für alte Diesel in Innenstädten diskutiert. Anstatt der Bevölkerung mit solchen Ankündigungen Angst zu machen, wären realistische Ziele wünschenswert. Es gibt kostenlose Parkplätze mit Ladesäulen und in Berlin dürfen E-Autos auf den Busspuren fahren. Das Problem dabei: Die Parkplätze reichen nicht und die Busspur benutzt gefühlt ohnehin schon jeder. Wo sind da die Vorteile? Die 2.000 Euro Umweltprämie beim Kauf eines Elektroautos zielt schon eher in die richtige Richtung – kam bei der Bevölkerung allerdings auch nicht an. Ohne Lademöglichkeiten nützt mir auch ein vergünstigtes E-Auto nichts. Gibt die Politik wenigstens ein gutes Vorbild?

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Sie versuchen es, wie ein Beispiel aus NRW zeigt: Der Umweltminister Johannes Remmel schaffte sich für 110.000 Euro einen Tesla Model S 90D an. Er wollte mit dem E-Wagen ein Zeichen für den Umweltschutz setzten. Doch nun droht dem Wagen das Aus: Das E-Fahrzeug habe keine ausreichende Akku-Kapazität und sei „als Dienstlimousine nicht ausreichend geeignet“, heißt es aus dem Ministerium. Außerdem sei es schwer, Ladestationen ausfindig zu machen, erklärte das Umweltministerium. Jetzt fährt Remmel Mercedes S-Klasse Hybrid.

Noch ist die Elektromobilität nicht salonfähig, aber es wird nicht mehr lange dauern. Früher war das Auto laut, dreckig, teuer und ineffizient und ist heute des Deutschen liebstes Spielzeug. Elektroautos müssen nicht vom Start an perfekt sein, aber die Technologie wird die Verbrenner eines Tages ablösen. Tesla wird sich freuen.

Quelle: Berliner Zeitung

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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