Elektroautos könnten über 100.000 Arbeitsplätze vernichten

Stefan Bubeck 1

Droht der deutschen Automobilindustrie im Zuge der Elektroauto-Revolution eine gigantische Pleitewelle? Die Insolvenzverwalter im Deutschen Anwaltverein (DAV) warnen: „Nicht alle Unternehmen werden den Anpassungsprozess schaffen.“

Noch warten wir auf den Durchbruch: Elektroautos sind in der Anschaffung teurer als vergleichbare Benziner, die Reichweite noch nicht überragend und die Auswahl klein. Die niedrigen Zulassungszahlen sprechen Bände, ebenso wie die Tatsache, dass die 4000-Euro-Kaufprämie des Bundes kaum in Anspruch genommen wird.

Trotzdem sind sich Experten einig, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge irgendwann unser Straßenbild prägen werden – die Frage ist nicht, ob das passiert, sondern vielmehr wann. Mit der neuen Technologie wird die alte obsolet und damit auch die Geschäftsgrundlage vieler Fahrzeughersteller und -zulieferer. Ein Elektroauto benötigt viele Bauteile nicht mehr, die ein Verbrenner noch ein Bord hat: Anlasser, Zündkerzen, Kolben, Benzintank, Kraftstoffanlage, Zahnriemen, Motoröl, Auspuff, Katalysator – Unternehmen, die diese Produkte herstellen, müssen sich rechtzeitig nach neuen Umsatzbringern umschauen.

Tesla Model S und Tesla Model X im Hands-on.

Jobkiller Elektroauto: Unternehmen aller Größen sind betroffen

Bilderstrecke starten(12 Bilder)
Top-10-Pedelecs: Die aktuell beliebtesten E-Bikes in Deutschland

Deutschland ist das Land der Autoliebhaber und zugleich auch das der Autobauer: Insgesamt sind hierzulande rund drei Millionen Menschen direkt oder indirekt in der Autoindustrie beschäftigt. Sollte der technologische Wandel tatsächlich in aller Härte zuschlagen, dann sind hier eine ganze Menge Jobs in Gefahr. Ein Drittel, also etwa eine Million Arbeitsplätze, könnten betroffen sein – bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen.

Der Vorsitzende des Insolvenzkreises des DAV, Martin Prager erläutert in der Zeitung WELT: „Die Einnahmeseite vieler Betriebe, vor allem aus der Zulieferindustrie ist gewaltig gefährdet.“ Sollte ein Teil der Unternehmen der Automobilindustrie pleite gehen – erfahrungsgemäß schafften rund ein Zehntel der Firmen es nicht, sich rechtzeitig anzupassen – dann drohe das Aus für mehr als 100.000 Arbeitsplätze.

Forza 6 für XBox One bei Amazon kaufen*

Elektromobilität: Die Anpassung ist bereits in vollem Gange

Doch nicht überall sieht man die Zukunft so düster. Wie bei allen großen Autoherstellern wird auch bei Daimler mit Hochdruck an einer Elektroauto-Offensive gearbeitet, der Prototyp EQ wurde bereits der Öffentlichkeit gezeigt.

Im Werk Sindelfingen sollen schon bald Elektrofahrzeuge der Ober- und Luxusklasse vom Band rollen. Viele der für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor benötigten Bauteile stammen derzeit aus dem Werk Untertürkheim, in dem mehr als 19.000 Menschen beschäftigt sind. Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nieke sieht in der geplanten Umstellung auf Elektro keine unabwendbare Gefahr und gibt sich gegenüber den Stuttgarter Nachrichten optimistisch: „Wir liefern heute ja Motoren, Getriebe und Achsen nach Sindelfingen. Warum sollen wir in Zukunft nicht auch eine Batterie mit einem elektrifizierten Antriebsstrang nach Sindelfingen liefern?“

Es ist offenbar eine Frage der Sichtweise, ob es sich bei dem, was da kommt, um eine Krise oder eine Chance handelt.

Quellen: Welt, Stuttgarter Nachrichten

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung