Kommentar: Schluss mit Prototypen, baut endlich richtige Elektroautos

Johann Philipp 6

Skoda wird auf der IAA in Frankfurt seine Konzeptstudie Vision E vorstellen. Mercedes zeigt ein unpraktisches Luxus-Cabrio und BMW führt sich mit der Elektro-Submarke BMW i als Vorreiter auf. Es reicht! Während deutsche Unternehmen immer nur neue Prototypen entwickeln, verkauft Tesla schon Serienfahrzeuge. Wann kommt der erste deutsche Tesla-Konkurrent?

Kommentar: Schluss mit Prototypen, baut endlich richtige Elektroautos
Bildquelle: Skoda.

Es gibt sie, aber die reinen Elektroautos sind tief in den Modellpaletten der deutschen Hersteller versteckt. BMW bringt mit dem i3 einen teuren Viertwagen mit viel zu wenig Platz, Mercedes hat mit der B-Klasse nur einen einzigen reinen Elektrowagen im Programm und VW schafft es zwar den Golf elektrisch anzutreiben, doch überzeugende Reichweiten kann er auch nicht bieten. Was machen die Hersteller stattdessen? Sie entwickelt Konzeptfahrzeuge, die meist nicht vor 2020 auf die Straße kommen.

Maybach Studie und Elektro-Bulli

Die Hersteller haben Visionen und Missionen, jedenfalls erwecken die Namen der Prototypen diesen Eindruck. „Mit der Studie Vision E geht Skoda einen großen Schritt in Richtung digitale Zukunft“, heißt es in der Ankündigung. Schaut man über den großen Teich, ist diese Zukunft, vor der sich die deutschen Autobauer wohl eher fürchten, schon längst Gegenwart.

Mercedes hat innerhalb seiner Luxusmarke Maybach ein 750 PS starkes Elektro-Cabrio mit Namen Vision Mercedes-Maybach 6 vorgestellt, dass mehr an ein Schiff, als ein Auto erinnert. Es ist allerdings nicht mal zu erwarten, das dieses Modell überhaupt auf den Markt kommen wird.

VW hat angekündigt, seinen im Januar präsentierten Elektro-Bulli I.D. Buzz in Serie zu produzieren. Bei der Studie hieß es, dass der Bus mit Allradantrieb ausgerüstet ist, bei dem jeder der beiden Motoren auf etwa 204 PS kommt. Marktstart: Geplant ist das Jahr 2022, Preis und Reichweite unbekannt. Im Video bekommt ihr einen ersten Eindruck der Studie:

Enthüllung des Volkswagen I.D. Buzz.

Tesla sammelt 500.000 Vorbestellungen

Was machen die Elektro-Pioniere aus Kalifornien dagegen? Wenn sie sich nicht gerade in der von Elon Musk ausgerufenen „Produktionshölle“ befinden, lachen sie sich über die Visionen der deutschen Konkurrenz wohl kaputt. Die Limousine Model S ist der schnellste Serienwagen der Welt, dass Model X ist das sicherste SUV der Welt und hat gerade ein Viertel-Meile-Rennen gegen den Supersportwagen Lamborghini Aventador SV gewonnen und das Model 3 wird zum Volks-Tesla mit großer Reichweite zu einem bezahlbaren Preis. Sie alle bieten viel Platz, auch wenn zwei der drei Modelle nicht gerade erschwinglich sind: Teslas Modelle S3X fahren schon jetzt auf der Straße.

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Elektromobilität noch keine Alternative

Die deutschen Hersteller bleiben bei ihren Visionen für das nächste Jahrzehnt und verdienen ihr Geld an manipulierten Dieseln. Ganz grundlos ist das Festhalten an den Verbrennern für sie nicht: Für lange Fahrten eignen sich Elektroautos bei allen Versprechen zu Reichweiten nicht und die Infrastruktur der Lademöglichkeiten lässt auch zu wünschen übrig. Der Strom kommt größtenteils nicht aus sauberen Windrädern und macht das Elektroauto zwar lokal emissionsfrei, aber nicht unbedingt umweltfreundlicher. Doch die Entwicklung steht auch erst am Anfang.

Viele dieser Probleme werden in Zukunft gelöst sein. Tesla kann dann auf jahrelange Erfahrungen von straßenerprobten Fahrzeugen blicken und die deutschen Hersteller? Vertrauen auf ihre Visionen und hoffen auf die Zwittertechnologie der Hybrid-Modelle, bis bezahlbare Akkus entwickelt sind? Wenn die Autoindustrie ihren Stellenwert behalten will, sollten sie weniger Konzeptfahrzeuge bauen, sondern endlich mal ein bezahlbares Elektroauto. Renault und Nissan schaffen das mit dem Zoe und Leaf doch auch.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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