Hirnforscher stellen fest: Ist das Navi an, geht das Hirn aus

Stefan Bubeck

Wer sich von einem Navigationssystem führen lässt, schaltet währenddessen bestimmte Hirnregionen ab – das haben Londoner Forscher mit Versuchen festgestellt.

Hirnforscher stellen fest: Ist das Navi an, geht das Hirn aus
Bildquelle: Pexels.

Du bist die Strecke eigentlich schon zigmal gefahren, aber diesmal ist das Navigationssystem aus und plötzlich kannst du dich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo du abbiegen musst. Falls dir das bekannt vorkommt, dann gibt es dafür jetzt vielleicht eine Erklärung: Dein Gehirn hat geschlafen, während das Navi aktiviert war.

Feldstudie in London: Navis schränken die Hirnaktivität ein

Wenn wir – ohne Navi – unterwegs sind, dann ist unser Hippocampus (sehr vereinfacht: Die zentrale Schaltstation) gefragt und muss Höchstleistungen erbringen. Das gilt ebenso für den Präfrontalen Cortex (Teil des Frontallappens der Großhirnrinde). Wir stoßen auf eine Kreuzung oder Weggabelung und müssen eine Entscheidung treffen: Wohin als nächstes? Die Wissenschaftler des University College London haben sich die entsprechenden Hirnaktivitäten genauer angeschaut und die Ergebnisse ihrer Feldstudie im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

24 Personen wurden erst durch das echte Straßennetz des Londoner Stadtteils Soho geschickt, später mussten sie dann die Straßen in einem virtuellen Modell ablaufen. Dabei kamen zwei Szenarien zum Einsatz: Einmal mit Anweisungen (entspricht einem aktiviertem Navigationssystem) und einmal ohne Unterstützung, sodass die Probanden aktiv Entscheidungen bezüglich der Route treffen mussten.

TomTom Vio: Navigationsgerät für Roller im Hands-On.

Das Ergebnis: Wenn die Testperson auf sich selbst gestellt ist, zeigt sie wesentlich höhere Hirnaktivitäten in den untersuchten Regionen, als in der gleichen Situation mit aktivierter Unterstützung. Im Navi-gestützten Fall schaltete sich das Gehirn regelrecht ab, wie Hugo Spiers, Leiter der Londoner Studie, erklärt: „Wenn wir eine Technologie einsetzen, die uns sagt, wohin wir uns bewegen sollen, dann reagieren die entsprechenden Hirnareale nicht auf das Straßennetz. Unser Gehirn hat sein Interesse an den Straßen um uns herum abgeschaltet.“ Aussagen zu Langzeitauswirkungen von Navigationsgeräten lassen sich anhand dieser Studie allerdings nicht ableiten.

Dean Burnett, Neurowissenschaftler an der Cardiff University, gibt gegenüber dem Guardian eine Empfehlung ab: „Wenn Sie Ihre Fähigkeiten zur räumlichen Orientierung verbessern möchten, dann sollten Sie Navigationssysteme ausgeschaltet lassen, wenn möglich.“

Quellen: Heise, Nature, Guardian

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