Meinung: Hört endlich auf, das Smartphone beim Autofahren zu benutzen

Stefan Bubeck 31

Vier von zehn Autofahrern telefonieren mit dem Handy am Ohr, während sie das Fahrzeug steuern. Damit muss 2017 endgültig Schluss sein – es gibt keine Ausreden.

Meinung: Hört endlich auf, das Smartphone beim Autofahren zu benutzen
Bildquelle: Pexels.

Mit dem Siegeszug der Smartphones ist so vieles in unserem Alltag besser geworden. Wir haben alles dabei, wovon wir früher nur geträumt haben: Landkarten, der Wetterbericht, Wikipedia-Einträge, Chats, soziale Netzwerke, eine Kamera und das zugehörige Fotoarchiv, unterhaltsame Videos – die Liste der Dinge, die sich kompakt in der Hosentasche mitnehmen lassen, ist unendlich lang. Über dem Ganzen steht eine große Überschrift mit dem Wort „Geschwindigkeit“. Wir müssen auf keine Information mehr warten, wir schauen einfach bei Google. Wir bekommen eine Nachricht und antworten dem Gesprächspartner innerhalb von Sekunden.

Was deutsche Autofahrer 2017 am Steuer machen: Telefonieren, Lesen, Video gucken

Der Umgang mit der schönen neuen Welt will erst allerdings noch erlernt werden, die aktuellen Diskussionen rund um Smombies, Datenschutz oder Kindererziehung zeigen: Wir wissen noch nicht endgültig, wie sich mobile Geräte (in erster Linie gemeint sind Smartphones) in unserer Lebenswelt einzufügen haben. Sie waren plötzlich da und jetzt finden wir heraus, wie das alles zusammenpasst.

Leider hat es eines der fraglos schlimmsten Phänomene des Handyzeitalters auch in die Smartphone-Ära geschafft und hält sich weiterhin hartnäckig: Telefonieren während dem Autofahren. So hieß diese Tätigkeit zumindest früher – mittlerweile ist aus „Telefonieren am Steuer“ nämlich ein multiresistentes Monster mutiert. Heute müsste man eigentlich sagen: „Smartphone am Steuer in allen Ausprägungen“. Der Branchenverband BITKOM hat diese Woche neue Zahlen veröffentlicht, die zeigen, was ein Teil der Autofahrer am Steuer so tut. Im Internet surfen (17 Prozent), Kurznachrichten lesen (51 Prozent), Emails schreiben (15 Prozent), Videos anschauen (8 Prozent) und natürlich auch der Klassiker der Unvernunft: Telefonieren mit dem Handy am Ohr (44 Prozent).

Böses Handy? Die Technik treibt uns in den Untergang? Nein. Wir müssen klar trennen – zwischen Handy dabei haben und Handy benutzen. Natürlich will niemand zurück in die 80er, wo eine nächtliche Reifenpanne entweder hieß: Im Auto übernachten oder zu Fuß zur nächsten Telefonzelle. Handys sind super – nur nicht, während man als Hauptverantwortlicher zwei Tonnen Metall mit 50 Stundenkilometern (14 Meter pro Sekunde) durch die Straßen der Stadt manövriert. Wer nur zwei Sekunden auf Facebook schaut, fährt währenddessen 28 Meter „blind“ durch den Verkehr. Maximale Kontrolle über die Situation sieht anders aus.

Die simple Lösung heißt Geduld und Gelassenheit. Niemand muss im WhatsAppGruppenchat sofort ein Antwort-Emoji posten. Niemand muss auf der Autobahn mit Schatzi besprechen, was es heute Abend zu essen gibt. Niemand muss irgendwas auf Youtube anschauen, weil die Fahrt langweilig ist und so die Zeit schneller vergeht. Das allermeiste ist nicht dringend und kann warten.

Deshalb: Wer fährt, hat kein Smartphone in der Hand – es gibt keine Ausreden. Auch nicht die außerordentlichen „Multi-Tasking-Fähigkeiten“, mit der manche Menschen ihrer eigenen Einschätzung nach gesegnet sind. Worum es bei diesem Grundsatz eigentlich geht, ist nicht die Technik, die Gesetzeslage oder die individuelle Einschätzung der Situation („Gerade ist die Straße frei, da kann ich kurz schauen“).

Es geht hier um abstrakte Konstrukte, die viel höher stehen – nämlich Verantwortung und Schuld. Diese sind im Alltag schwer zu fassen, dazu sind wir zu bequem. Das geht jedem so, niemand denkt gerne ausführlich über diese Begriffe nach, schon gar nicht am Steuer. Wir vergessen die Tragweite der Pflichten, die Autofahren mit sich bringt. Aber eines ist ganz leicht zu begreifen: Wer einen anderen Menschen überfährt und währenddessen vom Smartphone abgelenkt war, der wird sich hinterher nicht sagen können, diese Ablenkung sei „dringend“ und der Verkehr „überschaubar“ gewesen. Das spielt dann keine Rolle mehr.

Quelle: BITKOM

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